Kinoprovinz – Vorurteile statt Filmkritik


Mehr oder weniger unverbesserlich

28. Juli 2013 - 11:48 Uhr

Die zweite Brille auf meiner Nase für den stereoskopischen Firlefanz war bei Betrachtung beider Filme nötig, die noch weitere Gemeinsamkeiten haben, handelt es sich doch jeweils um die erste Fortsetzung bekannter amerikanischer Animationsfilme: “Die Monster Uni”, ein Prequel von “Die Monster AG” und “Ich – einfach unverbesserlich 2″.

Pixars ursprünglicher Monsterfilm hat mir seinerzeit zugesagt, mich erfreute die originelle Konstruktion der zwei parallelen Welten, der Monster- und der Menschenwelt, in deren Kinderzimmer die Monster sich organisiert einschleichen, die Idee, dass die Schreie erschreckter Kinder als Energiequelle dienen, der Dreh, dass die professionellen “Schrecker” selbst große Angst vor ihren vermeintlich höchst giftigen Opfern haben, all die innerlich wie äußerlich gelungen gestalteten Monstercharaktere wie die eigentliche Handlung, die dadurch ins Rollen gebracht wird, dass eines der gefürchteten Kinder versehentlich die Welten wechselt. Das Tempo ist hoch und die Mischung aus Komik (schätzungsweise 60%), Action (ich sage mal 35%) und Sentimentalität (5%) stimmt.

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Unfähige Freibeuter

20. April 2012 - 21:32 Uhr

 

Fünf Jahre lang haben die Animationsfilmer des britischen Aardmanstudio  an ihrem jüngsten Stop-Motion-Film gearbeitet und mindestens vier Jahre lang habe ich mich auf das Ergebnis gefreut. Regie bei „Die Piraten – ein Haufen merkwürdiger Typen“ führte Aardman-Gründungsvater Peter Lord („Chicken Run“) und Vorlage wie Drehbuch stammt von Gideon Defoe, dessen Piratenbücher mit pythonesken Blödeleien erfreuen. Es konnte also eigentlich nichts schiefgehen. Der Film wartet denn auch mit einer Schar fein ersonnener und designter Figuren auf, von dem unfähigen aber geltungssüchtigen Piratenkapitän über einen hinterlistigen Charles Darwin und dessen mittels Texttafeln sprechenden Affen bis hin zu Queen Victoria als das personifizierte Böse, liefert eine Unmenge an kleinen visuellen Gags und Anspielungen und dazu die ausgefeilste Animation, die es aus dem Studio in Bristol bislang zu sehen gab, inklusive veritablen Action-Szenen. Nur die Handlung, an der hapert‘s leider, sie hält leider zu viele Konventionen ein und all die hübschen Pointen und Spielereien nur unzureichend zusammen und so habe ich leider streckenweise doch mehr gähnen als lachen müssen. Wie schade.

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Biene Maja bis zur Volljährigkeit

23. Oktober 2011 - 21:47 Uhr

FSK180

Es ging um die FSK-Freigaben von Filmen. Ein Jahr ist das schon her. Ganz groß, auf dem Titel. Das FSK-12-Siegel selbst sei jugendgefährdend, verkündete die Überschrift. “Finger weg von diesen Filmen, wenn man seine Kinder liebt”, hieß es im Vorspann und dann war ausgiebig die Rede von “von all den miesen, fiesen, grauenhaften Filmszenen, der Fäkal- und Gossensprache, die unsere Freiwilligen Selbstkontrolleure Kindern und Jugendlichen zumuten”. Ein Zwischentitel: “Die Regisseure von heute können nur Rammelsex”. Nach dem Umblättern stieß man dann auf eine Liste mit 46 FSK-12-Filmen von “Schindlers Liste” bis hin zu “Keinohrhasen”, jeweils mit knappen Anmerkungen einzelner Autoren dazu, welche unfassbaren Schweinereien der jeweilige Film zu bieten hat.

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Neu im Kino: Affen, Liebe, Kinder, Hass

15. August 2011 - 20:06 Uhr

KW32

Die Filmstarts vom 4. und vom 11.8.2011

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Ein Prequel von “Planet der Affen”, zehn Jahre nach dem schwachen Tim-Burton-Remake, da dürfte eigentlich niemand ungeduldig drauf gewartet haben. Einige Kritiken machen aber neugierig: Die Geschichte von den Laboraffen, die zu Intelligenzbestien werden und sich befreien scheint für solch einen Actionfranchisekracher ungewöhnlich klug erzählt zu werden und die mittels Motion-Capture-Technologie zum Leben erweckten Affen sollen den Film zu einem “Triumph der Visual Effects” machen, so meint jedenfalls Richard Corliss (Time.com). In der FAS beschreibt Cord Riechelmann die Qualitäten des Films auf eine Weise, dass man völlig vergisst, dass es um einen bombastischen Blockbuster geht. “Großartiger Realismus”, schreibt er und es gehöre “zu den herausragenden Leistungen des Films, dass er auch in der Empathie mit den Tieren die Distanz wart”. Und schließlich ist noch die Rede von einer “Form amerikanischer Selbstkritik, wie sie hierzulande noch kein populärer Film hinbekommen” habe. Ich bin sehr gespannt. Bei imdb hat der Film zur Zeit die Durchschnittsnote 8,0. Ob man sich den Trailer anschauen will, sollte man sich gut überlegen: Da wird das “Kampfaffenballett” (Riechelmann) des Finales ausgiebig gezeigt. Ich lass’ mich von dem Anblick lieber an passender Stelle im Kino überraschen.

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Neu im Kino: Weirs Wüstenflüchtlinge und eine muslimisch-jüdische Identitätsverwirrungskomödie

1. Juli 2011 - 16:15 Uhr

KW26

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Die Filmstarts vom 29.6.2011

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Der Plot: Eine Gruppe von Männern entkommt gegen Ende des zweiten Weltkriegs aus dem Gulag und schlägt sich zu Fuß bis nach Indien durch. Regisseur Peter Weir (“Der einzige Zeuge“, “Picknick am Valentinstag“) hat das offenbar als bildgewaltiges Drama umgesetzt und jedem zweiten Rezensenten fällt dazu der Name “David Lean” ein. (Oder einer schreibt es vom anderen ab.) Die Strapazen der Flucht werden wohl ausgiebigst beschrieben, die zu erwartenden zwischenmenschlichen Auseinandersetzungen bleiben dagegen eher aus, obwohl sogar noch eine gut aussehende Polin zu der Gruppe stößt. Vermutlich ist das Ganze also weder sonderlich spannend noch originell, aber Anschauen schadet nicht.

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Neu im Kino: Nahosttragik, ein Autoanwalt und diverse Anfänger

23. Juni 2011 - 23:06 Uhr

KW25

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Die Filmstarts vom 23.6.2011 (Und auch ein paar vom 16. und vom 9.6.)

Schwester Susanne, so steht es jedenfalls auf ihrem Kittel, hat sich von mir heute morgen, nachdem sie mir Blut abgezapft hat, die Zeitung geborgt, um sich eine Kopie von der Filmseite zu machen. Ihr Interesse galt allein dem Film “Die Frau, die singt”. Und ich glaube, sie hat Recht: Es ist der interessanteste Film der Woche. Meist werden derzeit ja Filme fürs Theater adaptiert, “Die Frau, die singt” ist mal wieder ein gelungenes Beispiel für den althergebrachten gegenteiligen Weg. Es scheint so, als sei es dem kanadischen Regisseur Denis Villeneuve gelungen, die Geschichte des Stücks “Verbrennungen” des Libanesen Wajdi Mouawad adäquat auf die Leinwand zu bringen, indem er sich auf Bilder verlässt, statt nur auf Worte. Es geht um eine tote Mutter und deren seltsame Hinterlassenschaft an ihre erwachsenen Zwillinge: Zwei Briefe, an einen tot geglaubten Vater und einen bis dato unbekannten Bruder. Die beiden begeben sich auf Spurensuche in ein nicht genau bezeichnetes Land des nahen Ostens und es entfaltet sich, mit Hilfe vieler Rückblenden erzählt, eine Familientragödie antiken Ausmaßes vor dem Hintergrund von Gewalt und religiösem Wahn.

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Minimenschen und Zeitschleifen

3. Juni 2011 - 12:22 Uhr

KW22

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Die Filmstarts vom 2.6.2011

“Arrietty” ist ein neuer Zeichentrickfilm aus dem Ghiblistudio, der Heimstatt von “Totoro” und “Chihiro” und “Laputa” und dem “wandelnden Schloss” und all den anderen Meisterwerken von Hayao Miyazaki. Wem das alles nichts sagt, der sollte besser mit einem der genannten Filme einsteigen und die klaffende Bildungslücke füllen. Und alle anderen brauchen nicht mehr zu wissen, um schleunigst ins Kino zu gehen. Diesmal hat Miyazaki nicht Regie geführt, aber wenigstens das Drehbuch geschrieben. Es basiert auf der Kinderbuchserie “Die Borger” der britischen Autorin Mary Norton, und wer Kinder hat oder kennt, kann sie diesmal mitnehmen, auch wenn sie gerade erst in die Schule gekommen sind. Ein bisschen Angst habe ich nur vor der Musik von Cécile Corbel

“Arrietty“: Trailer | Pressespiegel | Links | Kinos

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Puzzleteile, Atomkraft, iPhone-Liebe und ein Killermädchen

26. Mai 2011 - 15:19 Uhr

KW21

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Die Filmstarts vom 26.5.2011

Tolle Drehbücher hat er geschrieben: Guillermo Arriaga ist der Autor von “Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada” sowie der drei Iñárritufilme “Amores Perros”, “21 Gramm” und “Babel”. Mit Alejandro González Iñárritu hat er sich entzweit, also führt er jetzt selbst auch noch Regie. “Auf brennender Erde” (eigentlich “The Burning Plain”) lief schon vor drei Jahren im Wettbewerb von Venedig und kommt jetzt erst bei uns ins Kino. Die Verspätung dürfte damit zusammenhängen, dass nicht nur die Kritiken sondern auch die Einspielergebnisse im Rest der Welt eher mau waren.

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Kasperle ist wieder da

20. Mai 2011 - 13:50 Uhr

Ups, die Funkstille hier währt ja noch länger, als ich dachte. Und dabei habe ich gar keine guten Ausreden mehr ….

Also los. Zumindest wieder ein wenig über Film soll es hier zu lesen geben. Ohne den wöchentlichen Kinoprovinztext bekomme ich ja selber auch gar nix mehr mit. In den letzten Monaten dürfte mir einiges durch die Lappen gegangen sein.

Und Euch vielleicht auch. Zum Beispiel diese beiden Filme, über die ich für die Hans-Mentz-Rubrik in der Titanic geschrieben habe:

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KW20

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Trolle & Splatter

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Neu im Kino: Krimi, Meistertrick, Honig, Aquarium und Spinner

24. September 2010 - 10:29 Uhr

KW38

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Die Filmstarts vom 23.9.2010. Und vom 16.9. Und sogar noch vom 9.9.

Da bin ich wieder, ich bitte meine Abwesenheit zu entschuldigen, ich hatte schlicht keine Zeit für den Rundblick oder sonstige Einträge, mich haben viel Arbeit, diverse Umbauarbeiten und ausufernde Kindergeburtstage am Schreiben gehindert. Mit den Kindergeburtstagen ist jetzt erst mal Schluss, die beiden anderen Hinderungsgründe dürften auch in den nächsten Wochen nur sporadisch Blogeinträge zulassen.

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Erst einmal die Neustarts vom 23.9.:

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Neu im Kino: Apatow, Zauberer und Islamisten

3. September 2010 - 21:35 Uhr

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Die Filmstarts vom 3.9.2010

Passend zur wenig ergiebigen Kinowoche und auch passend zu meiner verfügbaren Zeit gibt es hier diesmal eine Sparausgabe. Wenig Worte, kein Bild und kein Video.

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Die Neustarts:

  • Eine von Judd Apatow produzierte Komödie um einen abgehalfterten Popmusiker, der seinen ersten Auftritt als Nebenfigur in dem früheren Apatow-Film “Nie wieder Sex mit der Ex” (“Forgetting Sarah Marshall”) hatte. Bietet wohl wieder die typische Mischung aus Derb- und Sanftheit und gehört offenbar zu den besseren Filmen aus der Komödienwerkstatt. Mit Russel Brand und Jonah Hill in den Hauptrollen. (“Männertrip“)
  • Ein Film um einen lieben Zauberer und seinen Zauberlehrling im Kampf gegen die Kräfte des Bösen, bombastischer Quatsch für Zehnjährige. Mit Nicholas Cage. (“Duell der Magier“)

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Neu im Kino: Tolles aus Knete

29. August 2010 - 00:03 Uhr

KW34

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Die Filmstarts vom 26.8.2010

Meine bereits neulich angekündigte Lobhudelei aus der Titanic:

Es ist ja schon seltsam, dass die alte, unglaublich aufwendige Stop-Motion-Technik gerade eine Renaissance im abendfüllenden Film erlebt. Ließe sich Dreidimensionales mit digitaler Animation doch viel perfekter machen. Erfreulich ist das aber unbedingt. Neben den verlässlich guten Produktionen der britischen Aardman-Studios (»Wallace&Gromit«, »Shaun the Sheep«) oder Tim Burtons und Henry Selicks Trickfilmen gelang es jüngst sogar, Geld für ein noch viel abwegigeres Projekt aufzutreiben, das inzwischen den Höhepunkt dieses Genres darstellt: »Mary&Max«, ein australischer Knetfigurenfilm, der keinerlei Rücksicht auf irgendwelche Konventionen nimmt und auf Kinder als Zuschauer pfeift, wenn er komisch und bitter und wahrhaft anrührend von einer ungewöhnlichen Brieffreundschaft erzählt.

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Neu im Fernsehen: Die klasse “Klasse”

20. August 2010 - 12:50 Uhr

KW33

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Die Filmstarts vom 19.8.2010

In Ermangelung eines neu startenden Films, den ich selber sehen oder aber anderen empfehlen möchte, vorab ausnahmsweise ein Fernsehtipp:  “Die Klasse” läuft am Sonntagabend erstmals im Fernsehen (23:35 Uhr, im Ersten). Zum Kinostart schrieb und zitierte ich letztes Jahr im alten Kinoprovinzblog:

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Neu im Kino: Französisches und grandios Bescheuertes

14. August 2010 - 19:33 Uhr

KW32

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Die Filmstarts vom 12.8.2010

Spät dran bin ich diese Woche, aber viel Sehenswertes startet eh nicht. Aber noch läuft ja “Inception“, “Moon“, “Mother“, “Toy Story 3“, “Micmacs” und “Mr. Nobody“, die mir allesamt gefallen haben. Von “Inception” war ich allerdings ein wenig enttäuscht, da hatten sich meine Erwartungen wohl allmählich zu hoch aufgetürmt. Ich war überrascht davon, wie linear und chronologisch durch die streng hierarchisch organisierten Traumebenen navigiert wird und wie viel Raum die sentimentale Schuld-am-Tod-der-Frau-und-Kinder-wieder-sehen-wollen-Neben- wenn nicht gar Haupthandlung einnimmt. Und ja, für meinen Geschmack war es tatsächlich zu viel orchestrales Gebrause und zu viel James-Bond-Geballer.

Genau andersherum ging es mir bei “Mr. Nobody”: Da bin ich skeptisch reingegangen und war im Kino umso erfreuter über die überaus verspielten, sehr geschickt verknüpften Liebesepisoden. Mich hat das Erzählen im Konjunktiv überzeugt und über die erwarteten philosophischen Plattheiten habe ich mit Leichtigkeit hinweggehört und -gesehen.

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Neu im Kino: Mörderische Mutterliebe

6. August 2010 - 17:42 Uhr

KW31

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Die Filmstarts vom 5.8.2010

Bong Joon-ho. Ein Name, den man kennen sollte, wenn man sich auch nur entfernt für Film interessiert. Ich konnte ihn mir bislang nicht merken, habe bei Bedarf von “dem Koreaner, der ‘The Host” gedreht hat”, gesprochen. Sein Monsterfilm ist in jeder Hinsicht herausragend,  seine beiden früheren Filme, die ich gern jetzt sofort anschauen möchte, werden hoch gelobt. “Mother”, das jüngste Werk,  ist ein Mutter-Sohn-Drama und ein Kriminalfilm. Der Sohn ist geistig behindert und gerät unter Mordverdacht, die Mutter unternimmt wahnwitzige Anstrengungen um ihn zu schützen. Erzählt wird das “in abrupten Wendungen und verblüffenden Wechseln der Tonlage”; wie Ekkehard Knörer in der Taz schreibt, “mal ist es splatterhaft-blutig, dann bizarr und schlicht komisch”. Die Kritiker sind fast durchweg schwer angetan, nur einige wenige tun sich schwer mit der unkonventionellen Dramaturgie und dem frechen Genremix. Läuft sogar in der Kinoprovinz Hamburg vom ersten Tag an. Wer Interesse hat, sollte sich beeilen. Die einen werden vom Herkunftsland und von Untertiteln abgeschreckt, die anderen wollen keinen Film sehen, der “Mutter” heißt und mit dem Namen Bong Joon-ho und jenen der Darsteller kann keiner etwas anfangen. Viele potentielle Zuschauer bleiben da nicht übrig.

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