Kinoprovinz – Vorurteile statt Filmkritik


In eigener Sache

30. Juli 2010 - 11:52 Uhr

Sartoriusstrasse_Buero-4186

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In unserem Gemeinschaftsbüro in Eimsbüttel, einem ehemaligen Ladengeschäft im Altbau, werden Räume frei: Sie sind 11,5 bzw. 32 qm groß. Der größere Raum bietet problemlos Platz für mehrere Schreibtische, kommt aber auch als Atelierraum in Frage. Als Fotostudio ist er allerdings nur bedingt geeignet, er kann zwar mit ausreichender Deckenhöhe dienen, aber mittendrin steht ein hinderlicher Pfeiler. Der hat sich auch störend bemerkbar gemacht, als wir hier neulich eine Tischtennisplatte aufgestellt haben. Die Miete inklusive sämtlichen Nebenkosten wie Heizung, Strom, Wasser, VDSL und Telefon beträgt für den kleinen Raum etwa 160 EUR und für den großen 370 EUR. Interessenten bitte bei mir melden. Für Weiterverbreitung des Angebots über Twitter oder Facebook wäre ich alter Social-Network-Muffel dankbar.

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Grässlich! Grässlich!

30. Juli 2010 - 10:04 Uhr

Shteyngart131

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Der soeben gelesene, sehr unterhaltsame und völlig überdrehte Russenmafia-Wendejahre-Roman „Handbuch eines Russischen Debütanten“ von Gary Shtyngart erfreut irgendwo mittendrin mit einer kleinen Filmkritik. Der russoamerikanische Protagonist war mit seiner Freundin im Kino:

Vladimir platze schier. „Ich fand es grässlich!“, schrie er. „Grässlich! Grässlich“ Er vollführte einen kleinen Tanz zwischen den flimmernden Straßenlaternen, als wollte er die Urkraft seines Abscheus demonstrieren. Aber dann wurde es Zeit, eine Art intellektueller Aufschlüsselung nachzulieferen, also sagte er: „Wie platt. Wie abstoßend einfältig. Aus AIDS das hunderttausendste Gerichtsdrama zu machen. Als wäre die juristische Auseinandersetzung die einzige verbliebene Ausdrucksform der Amerikaner. Ich bin zutiefst unterwältigt.“

Bei dem abstoßenden Gerichtsdrama handelt es sich offenbar um diesen zweifachen Oscargewinner.

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Neu im Kino: Spielzeugmär und Traumgeballer

29. Juli 2010 - 18:22 Uhr

KW30

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Die Filmstarts vom 29.7.2010

Für die soeben erschienene August-Ausgabe der Titanic mit dem entzückenden Hitlertitel und der Schlagzeile „Da staunt die Welt: So locker ist Schland“ habe ich eine Lobhudelei auf den in vier Wochen startenden Knettrickfilm „Mary & Max“ verfasst. Und diesen Text, direkt darunter:

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Neu im Kino: Eine prallvolle Jeunet-Wundertüte

22. Juli 2010 - 19:51 Uhr

KW29

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Die Filmstarts vom 22.7.2010

Der sinnfreie deutsche Titelzusatz »Uns gehört Paris!« führt Skeptiker auf die falsche Fährte: Da sollen wohl genau jene geködert werden, denen an »Amélie«, Jean-Pierre Jeunets größtem Erfolg, vor allem der Pariskitsch gefiel. »Micmacs«, Jeunets erster Film nach fünf Jahren, enthält jedoch keine Spur davon, sondern knüpft eher wieder an »Delicatessen« an, das Debüt von 1991. Zwar geht es nicht ganz so morbide zu, doch strotzt das Werk auch wieder vor visuellen Einfällen und komischen Details und wartet mit einer ganzen Schar skurriler Figuren auf, die etwa so komplex angelegt sind wie Spirou und Fantasio. Das macht aber gar nichts, denn feinere Charakterzeichnungen hätten nur unnötig vom frisch vorangetriebenen Plot abgelenkt, der recht unterhaltsam »Rififi«-Methoden mit Handlungselementen verbindet, für die einst Dashiell Hammett mit »Rote Ernte« die Vorlage geliefert hat und die wohlbekannt sind aus Sergio Leones »Für eine Handvoll Dollar« oder dem Bruce-Willis-Film »Last Man Standing«.

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Neu im Kino: Ein Lügner, ein Niemand und ein Mann auf dem Mond

15. Juli 2010 - 11:02 Uhr

KW28

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Die Filmstarts vom 8. und 15.7.2010

Letzte Woche habe ich es einfach nicht geschafft, die kurze Übersicht über die Neustarts zusammen zu schreiben und das zeitige Nachholen ist mir auch misslungen: Es war zu heiß, es war zu viel WM, es gab erfreulicherweise viel zu zu fotografieren und dann habe ich Idiot unerfreulicherweise beim Hin- und Herkopieren von prallgefüllten Foto-Backup-Ordnern von einer Festplatte auf die andere versehentlich massenweise Bilder gelöscht, die ich anschließend mühselig und langwierig retten lassen musste. Das gelang zwar, dem fantastischen Service von M&M Trading sei Dank, aber die Bildbezeichnungen waren komplett futsch: Ein weiteres Desaster, das mich viel Zeit gekostet hat.

Was lief also letzte Woche an? Die interessantesten und bedingt sehenswerten Filme sind „The Invention Of Lying“ (der deutsche Titel, blöd und falsch: „Lügen macht erfinderisch“) und „Mr. Nobody“.

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Neu im Kino: Verschachteltes mit Dicken

2. Juli 2010 - 10:44 Uhr

KW26

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Die Filmstarts vom 1.7.2010

Spielfilme, die ein talkshowtaugliches Thema regelrecht verhandeln, reizen mich gemeinhin wenig, aber wenn der neue Film vom spanischen „Dunkelblaufastschwarz“-Regisseur und -Autoren Daniel Sánchez Arévalo diverse Episoden erzählt, die sich alle um Essen, Sex und Gewichtsprobleme drehen, schiebe ich die Vorurteile schnell beiseite. Er scheint erneut sehr geschickt höchst unterschiedliche Charaktere durch dramatische wie komische Begebenheiten zu schubsen: Unter anderen ein strenggläubiges Paar, einen fettgewordenen TV-Verkäufer von Diätpillen und einen Therapeuten mit Dickenphobie. Die Kritiken sind durchwachsen, doch rechne ich fest mit cleverem Klamauk auf hohem Niveau. Läuft vom ersten Tag an auch in der Kinoprovinz Hamburg, sogar in OmU.

„Gordos – Die Gewichtigen“: Trailer | Pressespiegel | Links | Kinos

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Außerdem neu:

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Neu im Kino: Scharfzüngige Scharmützel und „fortgesetzte Schönheitsbehauptung“

24. Juni 2010 - 13:01 Uhr

Jessica_Biel_in_Easy_Virtue

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Die Filmstarts vom 24.6.2010

Das dürfte die kärgste Kinowoche des Jahres sein. Zwei Neustarts sind zu vermelden. Da ist zum einen ein offenbar ganz und gar grauslicher deutsch-niederländisch-belgischer Film mit Jasmin Tabatabai als engagierte Fotografin, die in den Anden gegen Umweltverschmutzung kämpft, gleichzeitig ein Trauma bewältigt und „ihr Gespür für die Fotografie“ (Pressetext) wieder entdeckt. Ekkehard Knörer hat das immerhin zu einem sehr hübschen Verriss im Perlentaucher inspiriert und das ist dann wohl auch das einzige Positive, dass sich über „Altiplano„sagen lässt.

Knörer schreibt „Altiplano“ habe zwei Seiten, „brutales Message-Kino“ und „brutaler Spiritualismus“ und beide Seiten beschreibt er mit all ihren Schrecken, um schließlich festzustellen, dass sie ganz und gar nicht zusammenpassen. Meine Lieblingssätze: „Harte Arbeit im Weinberg der Mystifizierung leistet die Kamera, in sanfter Bewegung, auf abgezirkelten Wegen produziert sie Bilder, die überwältigen sollen. Andenbilder, Eingeborenenbilder, Verdunkeltemenscheninwilderlandschaftherumstehbilder. Rabiate Zerstörung der Realität durch fortgesetzte Schönheitsbehauptung.“

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Neu im Kino: Eine Nana, eine Nanni und eine Hanni

18. Juni 2010 - 18:09 Uhr

KW25

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Die Filmstarts vom 17.6.2010

WM-Zeit ist keine Kinozeit. Aber eine etwaige Perle startet immerhin diese Woche, ein unaufgeregtes Drama aus Chile über eine Hausangestellte und die großbürgerliche Familie für die sie arbeitet und bei der sie lebt. Nach zwei Jahrzehnten soll zusätzlich eine jüngere Hilfe angestellt werden und das passt der erkrankten Raquel gar nicht. Daraus scheint weder ein großes Melo- noch ein simples  Sozialdrama geworden zu sein, sondern ein sauber und wahrhaftig inszenierter und in der Hauptrolle angeblich bravourös gespielter Film. Ab und zu – nicht oft, aber es passiert – taucht aus dem Nichts ein Film auf, der sich ganz und gar nicht unseren Erwartungen entsprechend entwickelt. ‚La Nana‘ hat dieses besondere Talent, einen im besten Sinne aus dem Gleichgewicht zu bringen …“, leitet Kenneth Turan seine schöne Kritik in der Los Angeles Times ein.

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Neu im Kino: Obama in Bollywood

10. Juni 2010 - 20:33 Uhr

KW24

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Die Filmstarts vom 10.6.2010

Shah Rukh Khan reist als muslimischer, autistischer Tor wie weiland Forrest Gump durch die USA um deren Bewohnern und vor allem Präsident Obama mitzuteilen, dass er Khan heiße und kein Terrorist sei. Damit hofft er die Liebe seiner hinduistischen Gattin wieder zu erlangen, deren Sohn wegen seines muslimischen Nachnamens totgeprügelt wurde. „My Name is Khan“ bietet melodramatische Bollywoodkoventionen gepaart mit dem Appell für mehr Frieden, Liebe und Verständnis, woran ja eigentlich nix witzig ist und ohne die im Hindi-Kino handelsüblichen Mengen an Gesang und Tanz, denn produziert wurde das Ganze in der Hoffnung, endlich auch den nordamerikanischen und europäischen Markt zu erobern. Ich weiß, mir wird das nicht sonderlich gefallen, aber neugierig bin ich auf das Spektakel schon. Schade nur, dass die deutsche Fassung, die jetzt in die Kinos kommt, um vierzig Minuten gekürzt wurde. Darin spricht Shah Rukh Khan akzentfreies Deutsch, genau wie alle Amerikaner. Und OmU-Kopien gibt es keine, englischsprachige Kopien drei und wie gewöhnlich ist keine davon in der Hamburger Kinoprovinz zu sehen. Da warte ich lieber auf die DVD.

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Neu im Kino: Zwei traurige Todesboten

2. Juni 2010 - 23:51 Uhr

KW23

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Die Filmstarts vom 3.6. und 27.5.2010

Der Drehbuchautor Oren Moverman, beteiligt unter anderem am Buch von „Jesus‘ Son„, hat mit Todd Haynes zusammen „I’m not there„, das einzige akzeptable Popbiopic geschrieben. Für sein Regiedebüt hat er im letzten Jahr viel Beifall bekommen, jetzt kommt es endlich in unsere Kinos.

„The Messenger“ erzählt von einem jungen Irakkriegsheimkehrer, gespielt von Ben Foster, der nach einer Verletzung für seine letzten Dienstmonate dazu verdonnert wird, mit einem abgestumpften Grobian, Woody Harrelson, Witwen und sonstige Hinterbliebene aufzusuchen, um ihnen die schlechtest mögliche Nachricht zu überbringen. Seine Freundin hat inzwischen einen anderen, sein Kollege schleppt auch einige Probleme mit sich herum und dann findet er auch noch Gefallen an einer frisch Verwitweten. Die Geschichte lässt sich Zeit und manche Entwicklung ist vorhersehbar, jedoch sind die Figuren so glaubhaft angelegt und werden so gut gespielt, dass mein Interesse in keiner Minute nachließ.

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Neu im Kino: Wahre Geschichten und doofe Geschichten

20. Mai 2010 - 17:05 Uhr

KW21

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Die Filmstarts vom 20.5.2010

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Neu im Kino: Wes Anderson spielt mit Puppen

14. Mai 2010 - 21:25 Uhr

KW20

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Die Filmstarts vom 13.5.2010

„Wenn das passiert, von dem ich glaube, dass es passiert, hoffe ich, dass es nicht passiert“, sagt Mrs. Fox, als sie ihren Gatten, den „fantastischen Mr. Fox“, mitsamt seinem Neffen dabei erwischt, wie sie mit Masken vor den Gesichtern aus dem Haus schleichen, um auf Diebestour zu gehen. Im Kinderbuch von Roald Dahl reden die Füchse, wie auch alle anderen Figuren, noch ganz anders: Da fleht Mrs. Fox ihren Mann an, doch bitte vorsichtig zu sein. Wes Anderson, der vielgeliebte und vielgehasste Regisseur der „Royal Tenenbaums“ und der „Tiefseetaucher“, hat sich für seinen Stop-Motion-Trickfilm die kurze, vorbildlich unmoralische Fabel vom schlauen, diebischen Fuchs und den drei ihn jagenden, widerwärtigen und bösartigen Bauern gegriffen und daraus etwas ganz anderes gemacht: eines jener detailverliebten, recht pointenlosen, dafür aber anspielungsreichen, meist unernsten und latent melancholischen Familiendramen, wie sie Anderson nun mal gerne macht. Das Ergebnis hat mehr mit J. D. Salingers verschrobener Glass-Sippe zu tun als mit den auf ganz andere Weise abseitigen Erzählwelten Roald Dahls. Da haben die Kinder im Publikum leider Pech, sie bekommen allenfalls die Hälfte aller Anspielungen mit. Dafür sieht der Puppentrick aus wie die osteuropäischen Animationsfilme in der Tradition von Wladyslaw Starewicz – und das passt zur visuell immer schon sehr artifiziell und verspielt wirkenden Erzählweise Andersons ausgesprochen gut. Wer, wie ich, seinen Realfilmen etwas abgewinnen konnte und mit Puppenfilmen kein Problem hat, der wird auch vom „Fantastischen Mr. Fox“ manierlich unterhalten werden.

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Neu im Kino: Ein Eisenmann und lukrativer transzendentaler Spinnkram

7. Mai 2010 - 01:41 Uhr

KW19

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Die Filmstarts vom 7.5.2010

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„Iron Man“ wollte ich erst nicht sehen, vor zwei Jahren, als er in die Kinos kam. Ein guter Ruf eilte ihm zwar voraus, aber auf Lobgesänge für Action-Comic-Verfilmungen gebe ich nichts mehr, nach den maßlos gefeierten Spidey- und Batmanfilmen, die dann doch ihre naiven Geschichtchen mit peinlicher Ernsthaftigkeit darboten. Aber diesmal lag ich völlig daneben, „Iron Man“ hat sich mit Abstand als unterhaltsamster und überhaupt erfreulichster aller Superheldenfilme herausgestellt.

Teil zwei, der jetzt in die Kinos kommt, habe ich mir dann gerne vorab angeschaut, ich fand ihn nur leider vergleichsweise etwas enttäuschend, trotz eines wiederum wunderbaren Robert Downey Jr. als egozentrischer Waffenschmiedeboss und Selfmadesuperheld Tony Stark und trotz Scarlett Johannson. Wer für die etwas übrig hat, kommt um „Iron Man 2“ allerdings nicht rum, denn hier ist sie kein bisschen blond und blöd, sondern schwarz und gefährlich und das steht ihr ausgesprochen gut.

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Neu im Kino: Fukunagas erstaunliches Debüt sowie Kitsch, Romcoms und diverse Dokus

29. April 2010 - 11:08 Uhr

KW18: Sin Nombre

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Die Filmstarts vom 29.4.2010

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Nicht nur der Film der Woche, sondern einer der Filme des Jahres ist „Sin Nombre“. Habe ich schon drüber geschrieben. Die deutsche Tonfassung ist gelungen, keine Sorge also, wenn keine OmU-Kopie in der Nähe läuft. Die Hauptdarsteller sind Edgar Flores und Paulina Gaitan, zwei Namen, denen man sicher noch öfter begegnen wird. Das aktuelle Projekt von Regisseur Cary Fukunaga, das derzeit in England gedreht wird, ist übrigens ausgerechnet eine neue Filmversion von „Jane Eyre„.

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Außerdem neu:

  • Eine Romcom mit Jim Carrey und Ewan McGregor als schwules Paar. Läuft in den USA erst im Juli an, nachdem das Publikum in 21 anderen Ländern den Film schon sehen konnte. Machen die Verleiher in der Regel so, wenn sie einen Riesenflop und miese Rezensionen erwarten. In Großbritannien waren die Kritiken jedoch gut und den imdb-Nutzern gefällt die Komödie auch. Mir aber wohl eher nicht.(„I Love You Phillip Morris„)

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Die reinste Hölle

28. April 2010 - 15:42 Uhr

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Ganz großes Kino. Der amerikanische Regisseur Cary Fukunaga hat einen mitreißenden Thriller geschrieben und gedreht, der einen schon packt, wenn man noch keine Ahnung hat, wie die beiden Handlungsstränge im weiteren Verlauf zusammengeführt werden. Und dabei läuft die Maschine bis dahin nur mit halber Kraft. Wir lernen einerseits die junge Sayra in Honduras kennen, die mit ihrem Onkel und ihrem Vater, der sie vor Jahren im Stich gelassen und in New Jersey eine zweite Familie gegründet hat, illegal in die USA einreisen will. Und andererseits Caspar in Mexico, ein Mitglied der ultrabrutalen Gang Mara Salvatrucha, der vergeblich versucht, außerhalb der Gangwelt eine ganz normale Liebesbeziehung aufrecht zu erhalten und einen zwölfjährigen Knirps in die blutigen Geschäfte einführt. Die Reise von Sayra samt Familienangehörigen wird im Wesentlichen auf den Dach eines Zuges absolviert, zusammen mit Tausenden von anderen Reisenden, alle auf dem Weg nach Norden, in die verheißungsvollen Staaten von Amerika. Und sie wird zur Jagd. Ich mag nicht verraten, wer da genau wen jagt, seht zu, dass Ihr auch anderswo bloß nicht zuviel über den Plot lest. Die Konstellation von Jäger und Gejagtem ist von böser Ironie.

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