Peinlich


Biene Maja bis zur Volljährigkeit

23. Oktober 2011 - 21:47 Uhr

FSK180

Es ging um die FSK-Freigaben von Filmen. Ein Jahr ist das schon her. Ganz groß, auf dem Titel. Das FSK-12-Siegel selbst sei jugendgefährdend, verkündete die Überschrift. „Finger weg von diesen Filmen, wenn man seine Kinder liebt“, hieß es im Vorspann und dann war ausgiebig die Rede von „von all den miesen, fiesen, grauenhaften Filmszenen, der Fäkal- und Gossensprache, die unsere Freiwilligen Selbstkontrolleure Kindern und Jugendlichen zumuten“. Ein Zwischentitel: „Die Regisseure von heute können nur Rammelsex“. Nach dem Umblättern stieß man dann auf eine Liste mit 46 FSK-12-Filmen von „Schindlers Liste“ bis hin zu „Keinohrhasen“, jeweils mit knappen Anmerkungen einzelner Autoren dazu, welche unfassbaren Schweinereien der jeweilige Film zu bieten hat.

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Mein schwarzrotgoldenes Desaster

25. Juni 2010 - 12:41 Uhr

Sports_WM_94120

Mein Mittwoch fing mit einem Arztbesuch an. In der Praxis begrüßte mich eine stark übergewichtige Sprechstundenhilfe im größten Nationaltrikot, das ich je gesehen habe, es hatte zeltartige Ausmaße. Hinter ihr prangte die deutsche Fahne vor dem Schrank mit den Krankenakten und alle weiteren Mitarbeiterinnen, derer ich ansichtig wurde, waren gleichermaßen bewandet. Die Dame von der Blutabnahme hatte gar bereits am frühen Morgen ihr Gesicht großflächig mit den Nationalfarben übermalt. Auf der Straße schien sich danach die Menge der schwarzrotgolden geschmückten Autos vervielfacht zu haben, Fahnen, Wimpel, Aufkleber und diese seltsamen Überzieher überall. Beim Bäcker, wo ich mein zweites Frühstück kaufte, hatte die portugiesischstämmige Verkäuferin ihr bislang täglich vorgeführtes Portugal-Dress gegen ein schwarzes Trägertop, kombiniert mit einer gelben Hose und einer Art roten Schärpe getauscht und das Kunststück vollbracht sich Lidschatten in schwarzrotgold an die Augen zu malen. Und während ich da stand und wartete, bis ich an der Reihe war, fiel es mir wieder ein, mein schrecklichstes Fotoerlebnis, das ich fast erfolgreich verdrängt hätte.

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Die Ich-Schwäche des Feuilletons

26. Mai 2010 - 09:48 Uhr

Wir099

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Wenn heutzutage für das FAS-Feuilleton vom Filmfestival in Cannes berichtet wird, dann kann die Autorin einfach mit ihrem langweiligen ersten Abend beginnen, den sie im Hotelzimmer mit diversen Branchenblättern verbringt. So weit, so gut. Insbesondere in den Kulturressorts hat sich die subjektive Schreiberei in der Tradition, die einst von Autoren wie Tom Wolfe und Hunter S. Thompson begründet und im Deutschen von Magazinen wie Tempo und Spex etabliert wurde, endgültig durchgesetzt. Und wenn es um die mehr oder weniger schönen Künste geht und um ganz viel Meinung, dann ist offene eingestandene Subjektivität die ehrlichste und beste Wahl, die bei qualifizierten Schreibern mit Interesse an ihrem Sujet interessantere, lebendigere Texte ermöglicht.

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Alte, jämmerliche, erfolglose Säcke

15. April 2010 - 15:42 Uhr

Deutsche_Blogger

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Im bislang eher wenig unterhaltsamen Kreuzzug des FAZ-Feuilletons gegen das Internet hat die FAZ jetzt eine Breitseite gegen „die deutschen Blogger“ abgefeuert, die von hohem Unterhaltungswert ist. Tendenziös, unfair, aber in seiner Gemeinheit faszinierend. In der gedruckten Ausgabe vom 14.4. geht die Geschichte über drei Seiten, im Netz erfordert das Lesen des auf den ersten Blick ansprechend aufbereiteten Texts, sage und schreibe 40 Klicks, eine Strafe für all die „Bewohner des Internets“ (FAZ-Redakteur Volker Weidermann), die das Kaufen der Papierausgabe verweigern.

Der Autor, FAZ-Redakteur Marcus Jauer, hat sich mit einigen bekannten Bloggern und mit Rivva-Erfinder Frank Westphal unterhalten und daraus kleine Portraits gemacht, die vor lauter kleinen Fiesheiten funkeln.

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Doppeltes Desaster

7. Oktober 2009 - 10:31 Uhr

lauren

Das wunderbare Blog PsD, das dank seiner sehr aktiven Leserschaft täglich die gruseligsten und missglücktesten Bildbearbeitungen aus der bunten weiten Welt der Werbung und Magazine vorführt, wurde gerade von Ralph Lauren mit einer Klage gegen einen angeblichen Copyrightverstoß bedroht. In der Firma ist man offenbar beleidigt, weil sich über die Anzeige mit dem höchst seltsam gebauten Model lustig gemacht wurde. PsD fragt sich, ob die denn noch nie etwas vom Streisand-Effekt gehört hätten und ich trage auch gerne dazu bei, das Desaster noch weiter bekannt zu machen. Und wünsche PsD, dass diese unerwünschten Folgen andere klagewilligen Unternehmen gehörig abschrecken.

(Mir war bis eben nicht klar, dass Desaster auf englisch „disaster“ geschrieben wird. Genau falschrum also, wir bräuchten eigentlich das i und die das e. Seltsam.)

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Peinliche Plakate (4)

26. September 2009 - 17:48 Uhr

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Auf den Segeln stehen sämtliche Ziele: „Urheberrechtsreform“, „Bürgerrechte verteidigen“, „Grundgesetz bewahren“ und so weiter. Schöner Windjammer mit blauem Himmel und dann geht’s im Claim „Richtung Zukunft“, das wäre gar nicht sonderlich peinlich, wenn’s ein FDP-Plakat wäre. Aber als Werbemittel für die Piratenpartei ist das ja wohl das letzte. Braver, biederer und witzloser geht’s nun wirklich nicht. Aber vielleicht war das ja die genau die richtige Strategie, um Bankangestellte für sich zu gewinnen. Überraschende Unterstützung in letzter Minute bekommen die Piraten außerdem von Dieter Bohlen. Und sogar „Die Partei“, die ja leider von der Wahl ausgeschlossen wurde, ruft zur Wahl der „Piraten- bzw Pornopartei um Jörg Tauss“ auf.

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Peinliche Plakate (2)

23. September 2009 - 10:33 Uhr

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Man kann natürlich den Standpunkt vertreten, dass jedes Werbefoto mit dem FDP-Spitzenkandidaten und Möchtegernaußenminister peinlich ist, aber auch bei einer solchen Sichtweise gibt es unterschiedliche Grade an Peinlichkeit. Das Motiv hier ist schon etwas Besonderes. Guido Westerwelle begibt sich nicht einmal für ein Foto, das Volksverbundenheit ausdrücken soll, in die Nähe des Volkes und nickt stattdessen eine dermaßen stümperhaft zusammengekloppte Montage ab. Toll. Schön, dass auch hier ein Bauhelm als Requisit zum Einsatz kommt. Arbeiter! Eure Partei ist die FDP! Wir haben Euch noch nie verraten!

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Peinliche Plakate (1)

15. September 2009 - 14:46 Uhr

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Wochenlang sah man bei uns im Viertel nur ein einziges Plakatmotiv, das dafür aber auch überall: das clean ausgeleuchtete Konterfei von Danial Ilkhanipour, dem rechten SPD-Kandidaten, der unter dubiosen Umständen Niels Annen die Direktkandidatur abgeluchst hat. Er selbst ist, wie seine Abbilder, auch überall gleichzeitig und verteilt fleißig Kugelschreiber und twittert dabei, eifrig und wohl dennoch vergebens darum bemüht, den überproportional tiefen Absturz der SPD in Eimsbüttel abzuwenden.

Vom Wahlkampf war ansonsten im Straßenbild nicht viel zu sehen, bundesweit geklebte Plakatmotive, gleich welcher Partei, kannte ich nur aus den Medien. Inzwischen ist die vertraute Plakatflut aber auch über unseren Stadtteil hereingebrochen, selbst einige Großplakate wurden aufgestellt. Von der SPD sieht man durchweg das oben abgebildete Plakat, das bei mir Schaudern vor tief empfundenem Fremdschämen auslöst. Die Anbiederei der einstigen Arbeiterpartei bei ihren verprellten Wählern wird durch Antatschen vor dem Hochofen visualisiert: Wie konnte eine solche Peinlichkeit sämtliche Kontrollinstanzen passieren?

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