Wahlplakate


Peinliche Plakate (4)

26. September 2009 - 17:48 Uhr

IMG_4123

Auf den Segeln stehen sämtliche Ziele: „Urheberrechtsreform“, „Bürgerrechte verteidigen“, „Grundgesetz bewahren“ und so weiter. Schöner Windjammer mit blauem Himmel und dann geht’s im Claim „Richtung Zukunft“, das wäre gar nicht sonderlich peinlich, wenn’s ein FDP-Plakat wäre. Aber als Werbemittel für die Piratenpartei ist das ja wohl das letzte. Braver, biederer und witzloser geht’s nun wirklich nicht. Aber vielleicht war das ja die genau die richtige Strategie, um Bankangestellte für sich zu gewinnen. Überraschende Unterstützung in letzter Minute bekommen die Piraten außerdem von Dieter Bohlen. Und sogar „Die Partei“, die ja leider von der Wahl ausgeschlossen wurde, ruft zur Wahl der „Piraten- bzw Pornopartei um Jörg Tauss“ auf.

Kommentare deaktiviert für Peinliche Plakate (4) | Peinlich, Wahlplakate

Peinliche Plakate (3)

25. September 2009 - 13:55 Uhr

IMG_4130

Peinliche Plakate (3)“ müsste es eigentlich heißen, denn das Steini-Motiv, mit dem bei uns überall in der letzen Phase die groteske Antatscherei vor dem Hochofen überklebt wurde, ist gar nicht peinlich, sondern transportiert überzeugend die simple Botschaft, dass es sich bei dem SPD-Spitzenkandidaten um einen Sympathen handele. Mein siebenjähriger Sohn, der keinen blassen Schimmer vom Wahlkampf oder den Parteien hat, meinte beim Anblick des Plakats jedenfalls, er fände das besser, wenn der Mann statt Angela Merkel „Chef“ werde, der sehe nämlich, offenbar im Gegensatz zur Kanzlerin, so aus, als ob er „total nett“ sei. Ziel erreicht.

2 Kommentare » | Wahlplakate

Peinliche Plakate (2)

23. September 2009 - 10:33 Uhr

IMG_3979

Man kann natürlich den Standpunkt vertreten, dass jedes Werbefoto mit dem FDP-Spitzenkandidaten und Möchtegernaußenminister peinlich ist, aber auch bei einer solchen Sichtweise gibt es unterschiedliche Grade an Peinlichkeit. Das Motiv hier ist schon etwas Besonderes. Guido Westerwelle begibt sich nicht einmal für ein Foto, das Volksverbundenheit ausdrücken soll, in die Nähe des Volkes und nickt stattdessen eine dermaßen stümperhaft zusammengekloppte Montage ab. Toll. Schön, dass auch hier ein Bauhelm als Requisit zum Einsatz kommt. Arbeiter! Eure Partei ist die FDP! Wir haben Euch noch nie verraten!

Kommentare deaktiviert für Peinliche Plakate (2) | Peinlich, Wahlplakate

Frühschäden

22. September 2009 - 14:29 Uhr

Plakat_OG

Offenbar schenke ich Wahlplakaten ein überdurchschnittlich großes Interesse. Zwei persönliche Gründe dafür fallen mir ein:

Erstens: Als Steppke hat mein Vater mich mitgenommen, als er sich für das obige Plakat fotografieren lassen musste. Das war mein erster Besuch in einem Fotostudio. Der Oldesloer Vollprofi versuchte unentwegt, dem wenig entspannten Amateurpolitiker die Sache etwas leichter zu machen. Witze erzählen hielt er offenbar für geeignet als Lockerungsübung. Einen nach dem anderen. Das ging sowas von in die Hose. Wie man sieht. Aber ich hab‘ was draus gelernt.

Zweitens: Als ich viele Jahre später beschloss, auszuprobieren, ob ich nicht selber so ein Fotograf sein könnte, habe ich ein Praktikum bei einem Hamburger Werbeknipser angefangen. Und gleich als erstes stand eine „Shooting-Reise“ nach Bonn an, wo sämtliche SPD-Direktkandidaten für die Plakate zu fotografieren waren. Immer im gleichen Licht, immer gleich postiert vor dem immer gleichen gemalten Hintergrund, der „total echt“, nämlich wie unscharf draußen im Grünen fotografiert, aussehen sollte.

Kommentare deaktiviert für Frühschäden | Wahlplakate

Analoge Bildbearbeitung (2)

21. September 2009 - 10:42 Uhr

Sager2009

Bin eben dran vorbeigekommen. Und nachdem ich letzte Woche das gestalterisch ergänzte Sager-Plakat von 2001 gezeigt habe, will ich Euch die aktuelle Variante nicht vorenthalten. Komisch, dass der anonyme Künstler ihre Ohren verschont hat.

Die verblüffenden Folgen, die dieser Eddingkommentar auf einem CDU-Plakat letzte Woche entfaltet hat, dürften allerdings einmalig bleiben.

Falls das an irgendjemandem vorbeigegangen sein sollte: Miguel, der „Spanier“ hat ihn fotografiert und vor 10 Tagen auf flickr eingestellt, dann wurde er hier und da und dort verbloggt, sogar auf T-Shirts angeboten und hat schließlich Johnny Häusler vom Spreeblick zu einer Art kollektiv erstelltem

Popsong Get Adobe Flash player
inspiriert und als die wahlkämpfende Kanzlerin auf den Gänsemarkt kam, haben wirklich alle so „Yeaahh“ geschrien. Sehr sehr lustig das alles. Und vielleicht hat der Verursacher überhaupt nichts von all dem mitbekommen.

Kommentare deaktiviert für Analoge Bildbearbeitung (2) | Wahlplakate

Analoge Bildbearbeitung

16. September 2009 - 10:58 Uhr

Sager017

Ich hab’s nur ein paar mal gemacht: Von Wählern bearbeitete Wahlplakate abfotografiert. Zum Beispiel hier Krista Sager auf einem Plakat zur Hamburger Bürgerschaftswahl 2001. (Im selben Bezirk, bei uns in Eimsbüttel, sieht man sie auch jetzt wieder, als Direktkandidatin für den Bundestag.)

F.C. Gundlach, der übergroße Hamburger Modefotograf, Sammler und Kurator hat dagegen mehr als drei Jahrzehnte lang immer auf den Auslöser gedrückt, wenn ihm ein solches Exemplar ins Auge gesprungen ist. Über die Jahre ist da so ganz nebenbei eine umfangreiche Sammlung entstanden, die visuell höchst abwechslungsreich dokumentiert, zu welch kreativen und aggressiven Reaktionen die Politwerbung provozieren kann. Die versammelten Straftatsbestände haben es jetzt in Hamburg ins Museum geschafft. Ein Besuch der Ausstellung sei hiermit ausdrücklich empfohlen, sie läuft noch bis zum Wahlsonntag.

Und das hier ist er, der F.C.:

Kommentare deaktiviert für Analoge Bildbearbeitung | Ausstellungen, Wahlplakate

Peinliche Plakate (1)

15. September 2009 - 14:46 Uhr

IMG_3981

Wochenlang sah man bei uns im Viertel nur ein einziges Plakatmotiv, das dafür aber auch überall: das clean ausgeleuchtete Konterfei von Danial Ilkhanipour, dem rechten SPD-Kandidaten, der unter dubiosen Umständen Niels Annen die Direktkandidatur abgeluchst hat. Er selbst ist, wie seine Abbilder, auch überall gleichzeitig und verteilt fleißig Kugelschreiber und twittert dabei, eifrig und wohl dennoch vergebens darum bemüht, den überproportional tiefen Absturz der SPD in Eimsbüttel abzuwenden.

Vom Wahlkampf war ansonsten im Straßenbild nicht viel zu sehen, bundesweit geklebte Plakatmotive, gleich welcher Partei, kannte ich nur aus den Medien. Inzwischen ist die vertraute Plakatflut aber auch über unseren Stadtteil hereingebrochen, selbst einige Großplakate wurden aufgestellt. Von der SPD sieht man durchweg das oben abgebildete Plakat, das bei mir Schaudern vor tief empfundenem Fremdschämen auslöst. Die Anbiederei der einstigen Arbeiterpartei bei ihren verprellten Wählern wird durch Antatschen vor dem Hochofen visualisiert: Wie konnte eine solche Peinlichkeit sämtliche Kontrollinstanzen passieren?

Kommentare deaktiviert für Peinliche Plakate (1) | Peinlich, Wahlplakate