Archiv für Oktober 2009


Neu im Kino: vieles und doch nichts

29. Oktober 2009 - 14:49 Uhr

Revanche

Von den Neustarts wird mich diese Woche keiner ins Kino locken, ich bleibe lieber zu Hause und schau mir vielleicht endlich „Revanche“ an, den österreichischen Neo-Noir von Götz Spielmann. Ab Freitag steht die DVD in den Läden und Videotheken. Wen’s interessiert, kann hier in der alten Kinoprovinz mein vorurteilsvolles Vorablob nachlesen.

Im Kino:

  • der neue Film von Theo Angelopoulos, für alle, die bedeutungsschwangeres Autorenkinogeraune zu schätzen wissen
  • eine Dokumentation der „Full-Metal-Village„-Regisseurin Sung-Hyung Cho über heimatlose Deutsch-Koreanerinnen
  • ein kleines Doppelfeature mit Filmen aus Kreuzberg, obskurerweise „Kreuzkölln“ betitelt, nach dem Norden Neuköllns also, wo keiner der Filme überhaupt spielt, bestehend aus einem Kurzfilm, „Moruk„, der recht sympathisch wirkt und einer Dokumentation, für die Filmstudenten Passanten am U-Bahnhof Schlesisches Tor angequatscht haben („Rough Cuts mit Haltung und Herz, wenn auch nicht immer mit Verstand“, schreibt Bernd Buder im Filmdienst)

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Vermeintliches Lieblingszitat

28. Oktober 2009 - 20:27 Uhr

beginners

Ich bin Fotograf. Das ist eindeutig besser, als zu arbeiten.

Jahrelang habe ich verbreitet, dass das ein Zitat aus „Absolute Beginners„, dem Roman von Colin McInnes aus den späten Fünfzigern sei. Völliger Quatsch, wie ich jetzt feststellen musste: Ich habe in meiner alten deutschen KiWi-Ausgabe nachgeschaut und bin nicht fündig geworden. Offenbar habe ich mich schlecht erinnert, trotzdem zitiert und meine Version so oft wiederholt, bis ich nicht mehr den leisesten Zweifel daran hatte, dass die Sätze so im Buch stünden.

Tatsächlich steht da:

Bei jedem Job, den ich bisher hatte, selbst bei den gutbezahlten, (…) fehlten mir zwei Dinge, die ich bei einem ordenlichen Leben für völlig unverzichtbar halte: nämlich – bitte Bleistift bereit halten und mitschreiben – nur für sich selbst zu arbeiten und nicht für jemand anderen und zweitens: Auch wenn man nicht jeden Tag viel Geld verdienen kann, muss man einen Beruf haben, der wenigstens manchmal viel einbringt. Es ist, mit anderen Worten, grässlich, ohne jede Hoffnung leben.

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Die Schönheit von Wiederholungen

27. Oktober 2009 - 23:31 Uhr

ripe049

Eine der vielen Kleinigkeiten, für die ich das Feuilleton der FAS liebe.

„ripe“ ist Peter Richter, der Heavy-Metal-hörende kunstverständige Schreiber aus dem Osten, der seit dem Neustart auch in der Harald-Schmidt-Mannschaft spielt.

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Das große Klinkenputzen (4)

27. Oktober 2009 - 15:00 Uhr

IMG_6353„Du weißt ja, wie es ist …“ hat zwar keiner gesagt, dafür aber „die Zeiten sind endgültig vorbei“. Gemeint waren die Zeiten, in denen man für gutes Geld groß angelegte Serien fotografieren konnte. Zu hören bekam ich das beim „Manager Magazin“, einem weiteren Wirtschaftstitel, der wirtschaftlich auch schon bessere Zeiten gesehen hat.

Erstaunlicherweise ist bei Gruner + Jahr während meines Urlaubs ein weiteres Blatt ausgerechnet aus diesem Segment probeweise vom Stapel gelaufen, „Business Punk“ nämlich, über das schon vorab viel gespottet wurde. Und noch viel mehr, als es dann draußen war. Während aber das angebliche Making-Of in der Titanic vom Oktober eher unlustig daherkam, hat sich Oliver Gehrs im Dummyblog aufs Vergnüglichste über das abwegige Konzept und auch gleich über die beiden anderen neuen G+J-Titel lustig gemacht: „Es geht hier um die Zeitschriften ‚Beef!‘, ‚Gala men‘ und ‚Business Punk‘, mit denen der erschlaffte Hamburger Verlag von heute an Kreativität vorschützt.“ Wäre auch eine wunderbare Heftkritik, wenn er total daneben liegen würde. Sieht aber leider nicht danach aus.

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Ein harter Übergang

27. Oktober 2009 - 14:15 Uhr

IMG_6150Schön war’s, warm war’s und unaufdringliche, sympathische Strandhunde gab’s auch wieder.

Die Bude in der Heimat war dann bei der Ankunft so ausgekühlt, dass ich gleich mit meiner liebsten Entspannungsübung loslegen durfte: Brennholzzerkleinern im Keller. Mit der Kettensäge.

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Vacanza

11. Oktober 2009 - 21:44 Uhr

Noto048

Ab sofort bin ich fern von Netzanschlüssen auf dem schönsten Zipfel des Kontinents und darum herrscht hier ein Weilchen Funkstille. Für diejenigen, die die Kinoprovinz vermissen, sei erneut auf die Trailerschau des Abspannsitzenbleibers verwiesen: Thomas Kögel ist offenbar raus aus dem Motivationsloch und sagt wieder wöchentlich kurz und bündig, warum man sich die meisten Filme dieser Tage sparen kann. Und welche man besser nicht verpassen sollte.

Friert schön.

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Herrlich

11. Oktober 2009 - 21:43 Uhr

hype

Manche Wartesituationen sind kaum zum Aushalten. Aber hier war’s wunderbar. Die Interviewzeit wurde stark überzogen und ich habe auf mein im Anschluss zu fotografierendes Opfer lange warten müssen. Aber was ist schöner, als nix machen zu müssen, die Zeit auch gar nicht sinnvoller nutzen zu können und sich darum mit Buch in den für’s Foto bereit gestellten Sessel zu fläzen? Eben.

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Beeindruckende Bastarde

11. Oktober 2009 - 21:34 Uhr

Inglourious

Jetzt war ich auch endlich drin. Und fand’s noch viel besser, als erwartet. Bestes Unterhaltungskino, wo gibt. Und das ging dem ganzen Saal so, da gab’s am Ende sogar Applaus, für wen auch immer. Einziger echter Schwachpunkt, wie ich fand: Diane Kruger als Ufa-Star Bridget von Hammersmark. Die agiert auf deutschem Fernsehspielniveau.

Ein völliges Rätsel ist mir, wie die deutsche Sprachfassung wohl funktioniert. In der untertitelten Originalversion, die ich gesehen habe, werden vier verschiedene Sprachen gesprochen und an mehreren Stellen ist es für die Handlung von entscheidender Bedeutung, wer welche Sprache versteht oder wer mit wie starkem Akzent spricht. Da haut nix mehr hin, wenn alle immer deutsch reden, würde ich meinen. Wie haben sie’s gelöst? Hat jemand von Euch die Synchronversion gesehen?

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Kack-BU

8. Oktober 2009 - 13:01 Uhr

Elefantenkacke046

Auch gefunden in der Welt kompakt. Wahrscheinlich haben sie ja nur die Tüdelchen vergessen, aber so ist es vielleicht die erstaunlichste Bildunterschrift, die mir je in einer Tageszeitung untergekommen ist.

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Neu im Kino: Pixelige Nabelschau und eine Familienfehde in Cinemascope

8. Oktober 2009 - 12:25 Uhr

KW42

Ein großes, berührendes Drama über eine blutige Familienfehde in den Südstaaten, mit überzeugenden Charakteren, gut gespielt und fantastisch gefilmt, das ist das Bild, das die Kritiker überwiegend von Jeff Nichols‘ Debüt „Shotgun Stories“ zeichnen, hüben wie drüben. Selbst der Score soll hervorragend sein, er stammt vom Bruder des Regisseurs, von der Band Lucero. Es geht um drei Brüder, deren Vater ihnen nicht einmal richtige Namen gegeben hat, so dass sie als Son, Kid und Boy ihr Leben fristen. Und um die unausweichliche Abrechnung mit den Kindern, die der Alte später, fromm und verantwortungsvoll geworden, auch noch in die Welt gesetzt hat. Reizvoll scheint vor allem der Gegensatz zwischen dem archaischen Konflikt und einer wohltuend zurückhaltenden Erzählweise zu sein. Ein Muss, würde ich sagen. Warum zum Teufel bekommt „Shotgun Stories“ nicht ein wenig mehr Aufmerksamkeit, vor allem in dieser Woche, die ansonsten nun wahrlich arm an vielversprechenden Neustarts ist? Weil der Film so gut wie nirgendwo läuft. Er startet mit zwei Kopien in zwei Berliner Kinos. Ob er in der Kinoprovinz je ankommt, ist ungewiss. Na toll.

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Das große Klinkenputzen (3)

7. Oktober 2009 - 21:37 Uhr

Spiegel

Kurz war mein Besuch im schicken Kallmorgen-Hochhaus an der Brandstwiete, das nur noch wenige Monate die Spiegel-Redaktion beherbergt. So kurz, dass ich nur, zack zack, ein paar Fotos zeigen konnte und schon war ich wieder draußen. Die Hälfte der Bildredaktion war krank oder aus anderen Gründen abwesend, der Rest der Mannschaft hatte dementsprechend viel zu tun. Und die paar anderen Angestellten im Haus, denen ich gern einen Besuch abgestattet hätte, waren auch alle weg oder gerade in Besprechungen. „Du weißt ja, wie es ist …“, hat jedenfalls keiner gesagt. Wahrscheinlich hat die Zeit dafür einfach nicht gereicht.

Das werde ich also bald wiederholen müssen. Mal gucken, ob ich dann jemanden dazu kriege, mir das Schwimmbad im Keller zu zeigen, das einst, wie die gesamte Innengestaltung, knalligst von Verner Panton designt wurde und seit Ewigkeiten nur noch zur Aktenaufbewahrung genutzt wird. Wenn der Spiegel draußen ist, wird es im Zuge der Asbestsanierung für immer verschwinden. Wie die Kantine auch.

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Wozu denn überhaupt fotografieren?

7. Oktober 2009 - 11:10 Uhr

Wenn das kein Witz ist (und es sieht nicht danach aus), dann ist das erstens: unglaublich und zweitens: bedrohlich. Vollautomatische Montagen aus im Netz zusammengeklauten Fotos nach Kritzelvorgaben der Nutzer? Ich fass es nicht. (via)

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Doppeltes Desaster

7. Oktober 2009 - 10:31 Uhr

lauren

Das wunderbare Blog PsD, das dank seiner sehr aktiven Leserschaft täglich die gruseligsten und missglücktesten Bildbearbeitungen aus der bunten weiten Welt der Werbung und Magazine vorführt, wurde gerade von Ralph Lauren mit einer Klage gegen einen angeblichen Copyrightverstoß bedroht. In der Firma ist man offenbar beleidigt, weil sich über die Anzeige mit dem höchst seltsam gebauten Model lustig gemacht wurde. PsD fragt sich, ob die denn noch nie etwas vom Streisand-Effekt gehört hätten und ich trage auch gerne dazu bei, das Desaster noch weiter bekannt zu machen. Und wünsche PsD, dass diese unerwünschten Folgen andere klagewilligen Unternehmen gehörig abschrecken.

(Mir war bis eben nicht klar, dass Desaster auf englisch „disaster“ geschrieben wird. Genau falschrum also, wir bräuchten eigentlich das i und die das e. Seltsam.)

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Im Promiviertel

6. Oktober 2009 - 23:38 Uhr

Tokio_Bahrenfeld

In der „Welt kompakt“ wurden Tokio Hotel letzte Woche auf einer Doppelseite gefeiert, weil sie „wieder da“ seien. Über obigen Satz mit der schönen fetten Hervorhebung habe ich mich sehr gefreut. Und damit auch Nicht-Hamburger den Witz verstehen, hier ein paar extra angefertigte Fotos aus Bahrenfeld:

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Erst Musikzeitschriften, dann Distelmeyer

5. Oktober 2009 - 22:32 Uhr

WK_Distel042

Die FAS hat vor zwei Wochen auf ihren Medienseiten einen Blick auf den Zustand der Musikpresse, vor allem der nationalen, geworfen. In dem Artikel beschreibt Christina Hoffmann erst die wirtschaftlichen Nöte, um sich dann dem „zugrunde liegenden“ Bedeutungsverlust von Spex, Rolling Stone, de:bug & Co zu widmen. Sie ortet allseits eine „Mischung aus Beliebigkeit und Nostalgie“, das seien Magazine „mit alten Männern für alte Männer“, die vor allem auf Zusatzgeschäfte setzten, zu sehr den unterstellten konservativen Musikgeschmack ihrer Leser bedienten und sich selbst totredeten. Stattdessen sollten die Redaktionen lieber an „Literarizität“ zulegen und „über die Methoden und Produktionsbedingungen von Musikern berichten“ und nicht Musik „auf ein Lifestyle-Tool“ reduzieren.

Ist alles richtig, den Blättern geht’s dreckig, auch wenn Max Dax die Auflagenzahlen der Spex bejubelt, denn wenn die schon lang anhaltende Krise der Tonträgerindustrie durch die allgemeine Anzeigenkrise verstärkt wird, kann’s nicht anders als eng werden.

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