Archiv für November 2009


Der Trommelgott kommt. Bloß nicht verpassen!

29. November 2009 - 01:39 Uhr

„Was ich da am Schlagzeug mache, plus Gesang, das klingt doch schon, als spielten da fünf Personen“, hat er mir im Frühjahr erzählt, als ich ihn für Interview und Foto (PDF) getroffen habe. Unbescheiden ist der legendäre Drummer nicht gerade, aber das kann er sich erlauben. Ohne ihn hätte Fela Kuti vielleicht ewig weiter gejazzt, aber nie solche irrsinnigen Rhythmusteppiche geknüpft, die neben den messerscharfen Bläsersätzen und den Call-und-Response-Gesängen Afrobeat ausmachen. Ein zeitloser Stil, der in den Siebzigern in Nigeria entstanden ist und seitdem immer neue Anhänger findet, überall in der Welt.

Zur Zeit erscheint ein fantastisches Afrobeatalbum nach dem anderen. Neben Tony Allen, der mit „Secret Agent“ im reifen Rentenalter von 69 Jahren eine seiner schönsten Produktionen überhaupt vorgelegt hat, haben auch die Kuti-Söhne Femi und Seun zwei herausragende Alben abgeliefert und von den zahlreichen Epigonen, die sich vor allem in Frankreich und in den USA tummeln, sind auch mehrere souverän eingespielte Aufnahmen erschienen.

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Kollege Akin vor Gericht

26. November 2009 - 17:42 Uhr

Monopol_Kitchen

Seltsamerweise verhalten sich alle Medien mäuschenstill, die offensichtliche Sauerei, von der ich neulich berichtete, ob nun klein oder nicht, macht keine Wellen, selbst die Vorankündigungen von „Soul Kitchen“ erscheinen allerorten ohne den kleinsten Hinweis auf das etwaige Plagiat.

Morgen ist der Gerichtstermin, wie im Kommentar bekannt gemacht:

Akin gegen Wall(asch)
Freitag, 27.11.2009, 10 Uhr
Landgericht Hamburg
Sitzungsraum B335
Sievekingplatz 1
20355 Hamburg

Ja, es war wirklich Akin, der Wall verklagt hat. Nicht etwa andersherum, wie man bei den „auffälligen Ähnlichkeiten“ ja vermuten müsste.  Hier noch einmal der Link zum Artikel von Thomas Lindemann bei Welt.de. Die bekannte und oft beklagte Tendenz des Landgerichts Hamburg dürfte hoffentlich in diesem Fall zum Vorteil Walls sein.

Wer Zeit hat, guckt sich den ruppigen Kollegen mal an.

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Neu im Kino: Klug konstellierte Kolportage

26. November 2009 - 17:12 Uhr

Vaterspiel

Michael Glawogger, bekannter für seine Dokus („Workingman’s Death„) als für seine Spielfilme, hat einen Roman von Josef Haslinger über Schuld (Massenmord an Juden in Litauen), Vater-Sohn-Beziehungen, die SPÖ, Computerspiele, das Internet und noch alles mögliche andere gedreht. Jede Menge Figuren, jede Menge Schauplätze, drei Zeitebenen, kolportagehafte Drehbuchelemente, teils gestelzte Dialoge, das hört sich alles erstmal überfrachtet und wenig einladend an, nur gibt es einige Kritiker, die, im Gegensatz zur Mehrheit, hinter scheinbaren Schwächen Absicht erkennen und nachvollziehbar und plausibel von einer intelligenten und sehr ungewöhnlichen Literaturverfilmung schreiben.  „Wie er auf höchst eigenwillige Weise das Nichtzusammengehörige und per se sogar Dumme konstelliert und so auch dem Dummen eine ganz andere Kraft gibt – das ist es, was am ‚Vaterspiel‘ fasziniert“, meint Ekkehard Knörer im Perlentaucher. Und Ulrich Kriest schreibt im Filmdienst: „Glawogger hat ‚Das Vaterspiel‘ nicht verfilmt, er hat den Roman einer intensiven Lektüre unterzogen. Nach dem Sehen von ‚Das Vaterspiel‘ sollte man ‚Das Vaterspiel‘ noch einmal lesen. Und mit einer bösen Enttäuschung rechnen.“ Da wird man ja fast dazu gezwungen, sich selbst ein Bild zu machen.

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Gainsbourg & Beck

20. November 2009 - 12:57 Uhr

Charlotte Gainsbourgs neues Album kommt im Januar heraus und dieses Mal hat Beck die Rolle eingenommen, die beim letzten Mal Air und Jarvis Cocker innehatten. Ich bin gespannt. Zwei Songs gibt’s vorab als MP3:

IRM“ und „Heaven Can Wait

Und hier ist auch schon ein Video von Keith Schofield:


(via)

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Neu im Kino: Lebens- bzw. Abwege und effektiver Grusel

19. November 2009 - 16:51 Uhr

KW47

Der Horrorfilm „Paranormal Activity“ wurde mit einem Minibudget realisiert, drohte dann nach ein paar Festivaleinsätzen im Regal zu verstauben, bevor es gelang, ihn mit einer trickreichen Marketingkampagne doch noch groß in die Kinos zu bringen. Laut imdb hat der Film 11.000 $ gekostet und allein in den USA schon fast das zehntausendfache eingespielt.

Es geht um ein Paar in einem neuen Heim, um beunruhigende Erscheinungen und den Versuch der beiden, mit Hilfe von Videoaufnahmen rauszufinden, was da eigentlich vor sich geht. Hört sich alles sehr ähnlich an wie der Plot von „In A Baby’s Room“ von Alex de la Iglesia, in dem das Unheimliche sich auf Monitoren der Babyüberwachungskamera manifestiert, erinnert außerdem ein wenig an die bedrohlichen Videos in David Lynchs „Lost Highway“ und an „Blair Witch Project“ sowieso. Der Film scheint aber trotz dieser Unoriginalität sehr effektiv Schrecken zu verbreiten, dank seiner glaubwürdigen Darsteller und einer gelungenen Konstruktion. Stolperte man zufällig in eine Vorstellung rein, wäre man als unvoreingenommener Zuschauer wohl stark beeindruckt; ich hoffe, dass all die Vorschusslorbeeren meine Erwartungen nicht zu hoch getrieben haben und in der Folge der gegenteilige Effekt zum tragen kommt: Enttäuschung.

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Alles Rassisten, ausnahmslos

18. November 2009 - 19:42 Uhr

Dass ich einer bin, habe ich ja neulich schon festgestellt. Aber Ihr seid auch nicht besser.

Dummy060

Dummy059

Zufällig wiederentdeckt im Dummy zum Thema Schwarze aus dem letzten Jahr. Inspiriert von braunermob.de. Es ist übrigens tatsächlich Roberto Blanco, der auf dem Titel die Whoopie Goldberg macht. Edith Held hat ihn in der Fotostrecke im Heft unter anderem auch noch als Muhammed Ali, Bob Marley und Barack Obama abgelichtet. Ich wünschte, es gäbe eine ganze Fernsehserie, „Bio Blanco“, in der der einzig wahre deutsche Neger in Pappkulissen Szenen aus dem Leben berühmter Schwarzer spielt, von Malcolm X bis Fela Kuti. Das wären mal Biopics, für die ich mich begeistern könnte. Jonathan Fischer, Spezialist für und kongenialer Kompilator von schwarzer Musik, war übrigens kein bisschen amüsiert, sondern fand die Strecke wie das Heft überhaupt damals ganz schlimm.

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„Geckenhafter Ersatzdarsteller eines Johnny-Cash-Musicals“

18. November 2009 - 16:46 Uhr

belab

Man vergisst nach fast dreißigjähriger Bandgeschichte oft, was für ein erfreuliches wie sonderbares Phänomen Die Ärzte in der deutschsprachigen Rockmusik darstellen: drei Ironiker an denkbar unironischem Orte.“

Wahre Worte anlässlich des Bela-B.-Konzerts in Köln, aufgeschrieben von Eric Pfeil bei faz.net. Scheint sehr lustig gewesen zu sein. Der größte Teil der Tour kommt noch: Auch für Hamburg und Berlin gibt es noch Karten.

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Strichkatze digital

17. November 2009 - 16:15 Uhr

Bludzee

Seit August gibt es bereits eine neue, täglich erscheinende Comicserie vom wunderbaren hyperproduktiven Lewis Trondheim. Jetzt habe auch ich das mitbekommen. „Bludzee“ wurde nicht für das Netz (und für das iPhone) adaptiert, sondern dafür konzipiert. Die gelungenste Online-Präsentation von Comics, die ich bislang zu sehen bekommen habe.

Ein Jahr lang wird im bewährt reduzierten Stil von einer Katze erzählt, die allein in einer Hochhauswohnung haust und über Facebook zur Außenwelt Kontakt hat. Es geht erst um kleine Alltagsabenteuer, um Fliegen (eklig) und um Hundebesuch (gefährlich), dann entspinnt sich aber langsam eine veritable Kriminalhandlung. Könnte auch sein, dass in zukünftigen Folgen Aliens ins Spiel kommen, bei Trondheim ist alles möglich. Man kann zwischen neunzehn Sprachen wählen, nur sind die übersetzten Textstückchen leider in der deutschen Fassung nicht handgelettert. Auf französisch, englisch und spanisch sieht es viel besser aus.

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Spielmann spielt

13. November 2009 - 14:10 Uhr

extra3

Die sympatischste und komischste Selbstdarstellung einer Redaktion, wo gibt. Toll fotografiert von Christian Spielmann.

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Neu im Kino: Zerdehnung, Zerstörung und Zapitalismus

12. November 2009 - 14:30 Uhr

KW46

Béla Tarr, der ungarische Regisseur, der gern in elegisch-hypnotischen Kamerafahrten und ewiglangen Einstellungen schwelgt, hat bereits 2007 seine Simenonverfilmung „The Man from London“ fertiggestellt. Jetzt kommt das stark stilisierte Schwarzweiß-Drama doch noch in unsere Kinos, in zwei jedenfalls, beide in Berlin natürlich. Später wandern die Kopien dann noch  hier und da hin, sogar in der Kinoprovinz Hamburg wird das Metropolis den Film im Dezember einmal abspielen. Schwarzweiß und eine Machart, die sich um die Sehgewohnheiten von regelmäßigen Tatortguckern offenbar nicht die Bohne schert, das ergibt heutzutage mehr denn je reines Publikumsgift.

Es geht um einen Mann und einen Koffer voller Geld.

Die Kritiker sind überwiegend des Lobes voll, aber nicht alle sind von der Kombination des Tarrschen Stils mit einer kleinen Film-Noir-Handlung überzeugt. Was ist es nun? Quälendes, selbstzweckhaftes Zerdehnen einer eh schon dünnen Geschichte oder eine cinematografische Offenbarung? Ich bin gespannt.

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Schöne Filmrätsel

11. November 2009 - 12:50 Uhr

Filmrätsel

Der Illustrator Paul Rogers zeichnet in einem sehr reduzierten Stil  jeweils eine Sequenz aus sechs vignettenartigen Bildern und stellt dazu die Aufgabe: „Name That Movie„. Das ist dann auch der Titel der Serie. Ist manchmal fast zu einfach, andere Male aber auch ganz schön kniffelig und sieht immer sehr gut aus. Die Lösungen finden sich in den Kommentaren. (via)

Und wenn ihr schon mal da seid und etwas für Bob Dylan übrig habt, dann schaut Euch doch auch gleich mal an, wie Rodgers aus einem Song ein biografisches Bilderbüchlein gemacht hat. Das schenkt der Bobologe seinem Nachwuchs.

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9.11., Nachschlag

10. November 2009 - 23:57 Uhr

Das Bundeskriminalamt sucht dringend nach Personen, die bisher noch nicht öffentlich erklärt haben, wo sie sich am 9. November 1989 aufgehalten und was sie dabei empfunden haben.

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Zipperts Gezappe gibt’s jetzt übrigens auch als Buch.

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Bioploitation

10. November 2009 - 17:45 Uhr

Morgen, am Mittwoch, dem 11., läuft das Biopic „Romy“ im Fernsehen, in dem Jessica Schwarz versucht Romy Schneider zu sein. Aus diesem Anlass hat Johanna Adorján in der FAS einige grundsätzliche Überlegungen zur Problematik des Genres angestellt (leider nicht gratis im Netz abrufbar und die kostenpflichtige Seite bei faz.net lässt sich absurderweise weder googeln noch verlinken):

Es ist ein Problem, das alle Filme haben, die das Leben berühmter Filmschauspieler zum Thema haben: Man kennt das Vorbild vom selben Medium, von bewegten Bildern – das ist so, als würde der Geiger Nikolaj Znaider plötzlich eine Platte veröffentlichen, auf der er so zu spielen versucht, wie Yehudi Menuhin.

Bei Biopics über Popmusiker wird dieser Frevel ja tatsächlich begangen, wenn etwa Joaquin Phoenix Johnny Cash nicht nur mimisch und gestisch imitiert, sondern auch noch zu singen anfängt.

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Kollege Akin

10. November 2009 - 15:15 Uhr

Monopol

Thomas Lindemann berichtet bei Welt.de über „auffällige Ähnlichkeiten“ zwischen Fatih Akins neuem Film „Soul Kitchen“ und dem Roman „Hotel Monopol“ von Alexander Wall. Pikanterweise hat oder hatte Akin das Manuskript des Buches nachweislich in seinem Besitz, sagt aber trotzdem, alle Ähnlichkeiten seien „rein zufällig“. „Wenn du damit nicht klar kommst, wirst du mich wohl anklagen müssen, Kollege“, wird aus einer Mail Akins an Wall zitiert. Was für eine enttäuschende und ekelige Art, mit dem im Raum stehenden Vorwurf umzugehen. Vielleicht auch ein großer Fehler. Mal schauen, wie die Berichterstattung über den Weihnachten startenden Film dadurch beeinflusst wird. Lindemann meint, der Vorfall zeige auch, „wie sehr er (Akin) auf dem Weg ist, der neue deutsche Fassbinder zu werden.“ Es könnte natürlich auch jemand drin erkennen, wie sehr er auf dem Weg ist, ein Riesenarschloch zu werden.

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Hornby kommt mit der nackten Juliet

9. November 2009 - 14:06 Uhr

juliet_naked

Nick Hornby liest heute, am Montagabend, in Hamburg und morgen, am Dienstag, in Berlin. Für beide Veranstaltungen gibt’s noch Karten. (In Hamburg: Tel. 48 09 30 oder in den Heymann-Filialen. Achtung, findet nicht wie angekündigt im Audimax, sondern im Hörsaal A des Uni-Hauptgebäudes statt. In Berlin sitzt Jasmin Tabatabai mit auf der Bühne, Karten gibt’s hier.)

Sein jüngster Blogeintrag beschäftigt sich mit der Kritik an der Ausstattung von „An Education„, das sehe nämlich gar nicht so aus wie in den Sechzigern, der Ära, in der der Film spielt, meint selbst seine Schwiegermutter. Bei uns startet der Lone-Scherfig-Film, für den Hornby das Drehbuch verfasst hat, erst im Februar.  Ich freu mich drauf.

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