Archiv für November 2009


Mauermauermauermauermauermauermauermauer

9. November 2009 - 12:48 Uhr

Mir gehen die ganzen Veröffentlichungen zum Mauerfalljubiläum schon seit Tagen gewaltig auf die Nerven und darum gebe ich hier keinen weiteren Erlebnisbericht zum Besten (Ich gehörte zufällig zu den Ersten, die ungläubig und unbehelligt von Grenzsoldaten von West nach Ost durchs Brandenburger Tor gelaufen sind, bevor später in der Nacht der Panzerwall vorm Tor wieder abgeriegelt wurde; ist jemand beeindruckt?) und erinnere auch nur kurz daran, dass allein die Zusammenrottung im und um das Europacenter schon in der Nacht zum 10. November demonstrierte, dass es den DDR-Bürgern um die westliche Warenwelt und sonst gar nix ging. Im Wedding, in Kreuzberg und in Neukölln wurde dagegen die Nase gerümpft und oft auch lautstark der Enttäuschung Ausdruck verliehen: „Is ja alles voll von Kanaken hier, ick glob’s ja nich!“.

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Ich bin ein Rassist

8. November 2009 - 02:33 Uhr

Containerhof-6761

Während ich auf dem Gelände einer Firma, die Container verleiht, verkauft und repariert, im Morgenregen meine Stative aufstelle, taucht plötzlich zwischen den hoch aufgestapelten Behältern ein Afrikaner mit zwei Plastiktüten auf und ist gleich wieder außer Sichtweite. Dann kurvt ein zerbeulter Lieferwagen über den Platz und rangiert in die hinterste Ecke. Mehrere Afrikaner steigen aus, öffnen die Hecktüren des Wagen und einen Container und beginnen irgendetwas ein- oder auszuladen.

Mein menschliches Fotoobjekt trifft ein, der Regen lässt zum Glück nach und während wir an verschiedenen Stellen auf dem Gelände fotografieren nimmt die rege Betriebsamkeit um uns herum weiter zu. Immer wieder kommen Autos mit durchweg dunkelhäutigen Insassen vorbeigefahren, Containertüren werden quietschend geöffnet und es wird emsig hin- und hergepackt.

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Neu im Kino: Ein Fußballer, ein in jeder Hinsicht unzuverlässiger Erzähler und eine Kartoffel

5. November 2009 - 15:26 Uhr

KW45

Ken Loach ist der Oberlehrer unter den Filmemachern. Aber gleichzeitig ist er ein begnadeter Erzähler, einer, dem man gerne in die dunkelsten Ecken folgt, in denen die Verlierer unseres Wirtschaftssystems darben. Das Schema ist eigentlich immer simpel, eine anrührende Geschichte, ein wenig Humor, ein sehr genauer Blick auf das jeweilige, immer authentisch gezeichnet wirkende Milieu und eine eindeutige Botschaft. Aber der Mann beherrscht das wie kein zweiter, ja, auch ein Woody Allen macht ihm das nicht so schnell nach. Solange er Sozialkunde unterrichtet, komme ich immer gerne zum Unterricht, nur die Geschichtsstunden schwänze ich lieber. Ob im spanischen Bürgerkrieg oder in Irland, wenn der immer richtig klingende Tonfall bei Verwendung historischer Kostüme hops geht, wirkt´s schnell zu pathetisch und konstruiert.

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Bilder von Kistenwühlern

5. November 2009 - 00:44 Uhr

Dust

Eilon Paz ist auch ein Fotograf, für den Musik zu den wichtigeren Dingen des Lebens gehört. Als maßloser und leidenschaftlicher Plattensammler hat er vor einem Jahr damit begonnen, in loser Folge auf dem eigens eingerichteten Blog „Dust and Grooves“ ebenso Besessene zu portraitieren. Er lässt sich die Sammlung zeigen, besonders schöne oder besonders geliebte Stücke vorführen und natürlich -spielen und führt jedes Mal nebenbei auch noch souverän ein Interview. Und das Zusammentreffen von Begeisterung für’s Sujet und der Gabe, verdammt gute Bilder machen zu können, hat die schönste Würdigung des Typus Plattensammler seit Nick Hornbys „High Fidelity“ zum Ergebnis. Ist natürlich mit Liebe geschönt: Die nervigen Unsympaten, die es auf Plattenbörsen und an allen einschlägigen Flohmarkttischen auch immer gibt, kommen einfach nicht vor …

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Das Rote Album und die Gummiseele

3. November 2009 - 03:48 Uhr

Not_The_B

Meine Tochter hat eine Zeitlang unentwegt das Rote Album laufen lassen. Also all die Beatles-Songs, die man wegen viel-zu-oft-gehört freiwillig eher selten auflegt, gebündelt, nonstop. Es war irgendwann nicht mehr zum Aushalten. Beim dritten Durchlauf von „And I Love Her“ an einem Abend habe ich einen Atlantic-Sampler aus dem Regal gezogen und ihr die verwunschene Version von Esther Phillips vorgespielt. Und sieh an, das gefiel ihr, nach anfänglicher Irritation, auch.

Also folgten Otis Redding und Al Green und Johnny Cash, mir fiel immer mehr ein, ganz überrascht war ich, was für Beatlessongvarianten alle im Regal standen. Oft waren es eher die Titel, die ich bis dahin am wenigsten beachtet und gespielt hatte, immer war ich eher genervt gewesen, wenn etwa auf einem Stax-Album zwischen knalligen Originalkompositionen „Let It Be“ oder dergleichen aufgetaucht war: Wer braucht schon Coverversionen der Beatles, im Zweifel kennt man das alles viel zu gut und da muss nun wahrlich nichts verbessert werden. Billiger und unnötiger geht’s doch gar nicht, als Lücken mit Standards aus dem Lennon/McCartney-Songbook zu füllen, so dachte ich.

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