Archiv für Dezember 2009


Neu im Kino: Akins Seelenküche

31. Dezember 2009 - 04:07 Uhr

KW53

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Weihnachten ist Fatih Akins „Soul Kitchen“ angelaufen und hat am Startwochenende 163.000 Besucher angelockt, mehr als irgendeiner seiner früheren Filme. Publizistisch wurde der Start allerorts sehr freundlich vorbereitet, jede Menge Portraits und Interviews mit Akin gab es vorab zu lesen, darin durfte sich der einzige deutsche Regisseur neben Christian Petzold und Tom Tykwer, dessen Filme in die Wettbewerbe internationaler großer Filmfestivals eingeladen werden und der sich noch nicht im Rentenalter befindet, sympathisch wie stets geben. Keiner hat ihn auf die unschöne Auseinandersetzung mit Alexander Wall(asch) angesprochen. Oder aber er hat sich geweigert, dazu etwas zu sagen. Wenigstens das hätte man dann gerne gelesen. Vielleicht will einfach keiner seinen Status gefährden oder Mitschuld an einer Demontage haben.

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25. Dezember 2009 - 15:37 Uhr

Hier herrscht jetzt ein paar Tage weihnachtliche Stille, ich melde mich kurz vor Jahresende wieder. Und widme mich dann auch nachträglich den Weihnachten gestarteten Filmen.  Kommt alle gut durch die mehr oder weniger familiäre Feierei!

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Schiefgegangen (1)

22. Dezember 2009 - 14:57 Uhr

GerkanMargPartnerdaneben-7220

Ich war ein wenig hektisch. Meinhard von Gerkan war immer noch nicht da und die Sonne sackte langsam unter den Horizont. Zusammen mit Hans-Joachim Paap, dem Leiter des Flughafenprojekts BBI, sollte er von  mir abgelichtet werden und viel Zeit würde dafür nicht sein. Und Tageslicht auch nicht, so wie es aussah. Als ich nach einem Test der Blitzlampen die Kamera weglegte, bin ich versehentlich auf den Auslöser gekommen Ohne Bewegungswischer wäre durch die Fenster ein Ausschnitt eines spektakulären Elbblicks zu sehen.

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Unwiderstehlich: der Uhr zuschauen

18. Dezember 2009 - 13:10 Uhr

Standard3

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Ab sofort meine Lieblingsuhr. Eine Digitalanzeige ganz analog, dargestellt mit riesigen Holzbrettern. 70 Arbeiter haben 24 Stunden lang pausenlos die Anzeige entsprechend der Realzeit umgebaut. Der so entstandene Film lässt sich demnächst mit der Systemuhr des eigenen Rechners synchronisieren und läuft im separaten Fenster oder als Bildschirmschoner. Was für ein toller Irrsinn! Will ich haben! Ein Projekt von Mark Formanek. Kunst ist das übrigens, aber das macht nichts.

(via)

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Neu im Kino: wilde und potthässliche Dinger

18. Dezember 2009 - 04:04 Uhr

KW51

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„Wo die wilden Kerle wohnen“ ist ein Bilderbuchklassiker von Maurice Sendak. Wer jünger als 45 ist und das nicht kennt, der hatte eine verkorkste Kindheit. Jetzt ist die Verfilmung da, ein Realfilm und in jeder deutschsprachigen Kritik, die ich gelesen habe, wurde die geringe Anzahl der Wörter oder Sätze der Vorlage angegeben (Im Ernst! In fünfen!) und der Kopf geschüttelt über so ein Unterfangen, so als sei dies das allererste Mal, dass ein Bilderbuch für das Kino adaptiert wurde. Wurde allerdings schon häufig gemacht und immer musste ganz viel dazu erfunden werden, was in der Regel zu miesem Murks führte: „Der Polarexpress“, „Zathura“ und „Jumanji“ nach Vorlagen von Chris van Allsburg,  „Der Kater mit Hut“ und „Horton hört ein Hu“ nach Dr. Seuss, „Lucas der Ameisenschreck“ nach John Nickle sowie ganz fiese deutsche Zeichentrickfilme wie „Oh wie schön ist Panama“ nach Janosch oder auch „Lauras Stern“, „Felix – ein Hase auf Weltreise“ und „Der Mondbär“, deren Vorlagen schon betulich doof sind. Da ist die Neugier auf weitere Bilderbuchverfilmungen gleich Null.

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Was man alles nachholen könnte

17. Dezember 2009 - 11:28 Uhr

2009

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„Listen sind doof, bucklig und des Teufels.“ Um schon wieder Eric Pfeil zu zitieren, aus seinem Rückblick auf die Popmusik der Nuller. Hier ein sehr schönes Gegenbeispiel, eine wunderbare Liste von Thorsten Funke: Seine ganz persönlichen Kinomomente des Jahres 2009 („Die Katze in ‚Bolt‘, die dem Hund das Hund-Sein beibringt und dabei herrlich gelangweilt dreinschaut.“ Oder auch:“‚Ich hasse dich! Ruf mich nie wieder an!‘ – Birgit Minichmayr und das Kind in der ersten Szene vonAlle Anderen'“).

Und hier folgt meine vergleichsweise spröde und unspektakuläre Titelauflistung der Filme, die ich im Jahr 2009 im Kino gesehen habe und vor allem auch der Filme, die ich gern gesehen hätte. Nicht schön, aber nützlich, für mich und hoffentlich auch für einige von Euch. Die Titel sind, wo vorhanden, verbunden mit meinen Vorankündigungen, ansonsten geht es zu den jeweiligen Imdb-Einträgen. Die DVD-Links führen teilweise (noch) ins Leere, allerdings sind in diesen Fällen bereits oft Import-Ausgaben erhältlich und in den einschlägigen Mediatheken vorhanden. Die meisten Dokus werden nie als DVD erscheinen, wer Interesse daran hat, sollte das Fernsehprogramm im Auge behalten.

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Seid Ihr eine Zwiebackfamilie?

16. Dezember 2009 - 12:48 Uhr

Brandt

Wer sich für Verpackungen und Anzeigen fotografieren lässt, bekommt dafür gemeinhin ein stattliches Honorar. Wenn eine Firma wie Brandt Zwieback eine ganze Familie fotografieren ließe und diese fortan auf sämtlichen Packungen als „unsere Brandt Familie“ präsentierte, gäbe es pro Erwachsenen ein Honorar von mindestens 800,- EUR, pro Kind wäre mit etwa 400,- EUR zu rechnen. Das gälte aber nur bei räumlicher Begrenzung auf Europa und zeitlicher Begrenzung auf ein Jahr. Könnte Brandt die Bilder überall und immer einsetzen, kämen mindestens 150 % Honorar dazu, wie Carina von Loessi, Inhaberin der Casting-Agentur „Die Ermittlerinnen“ angibt. Die Durchführung des Castings würde obendrein etwa 1800,- EUR kosten.

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Hamburg-Nachrichten neu und anders, JETZT!

16. Dezember 2009 - 00:44 Uhr

Abendblatt

Wir haben in Hamburg, der zweitgrößten Stadt im Land, Sitz von Gruner + Jahr, Spiegel, Zeit, Jahreszeiten Verlag, Bauer, Springer und zahlreichen kleineren Verlagen, keine vernünftige Lokalzeitung. Wer Nachrichten aus Hamburg lesen will, ist auf Verderb auf das Hamburger Abendblatt angewiesen, einem Blatt, das nicht einmal den Versuch unternimmt, mit den ernst zu nehmenden überregionalen Zeitungen mitzuhalten. Eigentlich unfassbar. Die einzigen Alternativen: Die Welt, auch aus dem Hause Springer, hat traditionell einen kleinen Lokalteil, ansonsten gibt es nur noch die Hamburg-Ausgabe der Bildzeitung und die „dümmste Zeitung der westlichen Welt“, wie Hermann Gremliza einst die Mopo, die Hamburger Morgenpost genannt hat, ein miserables Boulevardblatt, dem tapfer die St.-Pauli-Fans aus der Not heraus die Treue halten.

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Neu im Kino: Frosch und Freibeuter

11. Dezember 2009 - 15:12 Uhr

KW50b

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Was man so vorab hören konnte, klang ja schon alles recht sympathisch. Und es sieht so aus, als ob es Sven Taddicken mit „12 Meter ohne Kopf“ tatsächlich gelungen ist, einen komisch-überdrehten modernen Abenteuerfilm hinzubekommen. In Deutschland. Kaum zu glauben. Die Störtebekergeschichte wurde gerade erst vor drei Jahren für einen konventionellen Degeto-Fernsehsehzweiteiler ausgeschlachtet, die einzige andere Filmversion ist seltsamerweise ein verschollener Stummfilm von 1919. Komisch eigentlich, dass sich nicht Horst Wendlandt in den Sechzigern zwischen zwei Winnetou- und Edgar-Wallace-Filmen auch mal am Piratenfilm ausprobiert hat. Da hat man schon einen nationalen Piratenmythos, der nach Verfilmung schreit und dann passiert nichts außer Musicalversuchen und Festspielen für Ostsee-Touristen.

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Lustige Verwünschung

10. Dezember 2009 - 10:51 Uhr

pfeil

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Ohne falsche Zurückhaltung wirft er dreist die Musik seiner Helden (…) zusammen und macht daraus hysterischen, überbordenden Partykeller-Rock, der vor allem von jungen Menschen gehört wird, die mit den Originalen nicht so viel anfangen können: durchgeschwitzte Rockpalast-Musik für iPod-Mädchen. Aber wer das den Mädchen oder Moneybrother zum Vorwurf machen will, soll von seinem Plattenregal erschlagen werden.

Oha. Eric Pfeil mal wieder, der es fast schafft, einem die Retrorocker sympatisch zu machen. Nur wo die überhaupt herkommen, vergisst er zu erwähnen (Schweden).

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„Ihre Meinung für uns – zwei Geschenke für Sie!“

9. Dezember 2009 - 23:28 Uhr

arte_umfrage064

Gut gut, sowas macht die Zeit auch alle Nas lang, verbindet Leserbefragungen mit Abowerbung. Schön ist das nicht, seriös erst recht nicht. Aber was Arte hier veranstaltet geht noch ein gutes Stück weiter. Ein öffentlich-rechtlicher Fernsehsender, der in der gebührenfinanzierten Programmlandschaft für Anspruch und Qualität stehen soll, macht eine Umfrage zum Programm. Belohnt wird die Teilnahme mit zwei Ausgaben der Arte-Programmzeitschrift plus einer Tasche oder wahlweise zwei Kaffeebechern. Sieht erstmal völlig o.k. aus, die wollen Meinungen und persönliche Daten und verteilen im Gegenzug Geschenke. Großzügige Geschenke. Na und mit der Arte-Programmzeitschrift hat man dann ja auch eine Werbeorgan für den Sender in zahlreichen Haushalten platziert.

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Alternative zum Fotografieren

8. Dezember 2009 - 13:41 Uhr

Sondermann

Von Bernd Pfarr, dem einzigen Zeichner und Maler, der dem großen F.K. Waechter in seiner Viel- und Feinsinnigkeit  je das Wasser reichen konnte und darum zurecht mit „Sondermann“ viele Jahre lang den Platz in der Titanic belegte, der vorher für Waechters „stilles Blatt“ reserviert war. Die Komik pendelt zwischen durchgeknallt, absurd und frech pointenfrei, der Tonfall lappt ab und an ins Melancholische und politische Korrektheit spielt erfreulicherweise überhaupt keine Rolle („Negerradio, ich liebe Dich!“).

Beide sind sie nun schon ein paar Jahre tot und kein tröstender Ersatz ist in Sicht.

Der „Sondermann“-Prachtband des Steidlverlags ist leider vergriffen, die Restauflage ist Anfang des Jahres bei Zweitausendeins zu einem unanständig niedrigen Preis weggegeben worden. Für 2010 hat Steidl aber eine Neuauflage angekündigt.

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Neu im Kino: Kulissen und Kasachstan

3. Dezember 2009 - 15:51 Uhr

KW49

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Und da ist schon wieder ein neuer Woody-Allen-Film. Mit Larry David („Curb Your Enthusiasm„) als Woody Allen und Evan Rachel Wood als Scarlett Johanssen. Er ist der grantige alte Intellektuelle und sie das junge Ding. Woody-Allen-Filme sind ein wenig wie Essen in der Systemgastronomie: Ein Mindeststandard ist garantiert, aber Überraschungen (wie „Match Point„) kann man nur sehr selten erleben. Die Kritik scheint sich so auf „ganz in Ordnung“ geeinigt zu haben, sowohl bei uns als auch in der englischsprachigen Welt. Die imdb-Nutzer haben immerhin die Note 7,4 vergeben. Der Trailer sieht arg nach Theaterkulissen aus, vielleicht taucht auch deshalb in so vielen Kritiken das Wort „Boulevardtheater“ auf.

„Whatever Works“: Trailer (original) | Trailer (deutsch) | Links | Kinos

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Selber schuld!

3. Dezember 2009 - 12:03 Uhr

Ich habe es Euch ja gesagt, ihr habt was verpasst: sehr sehr schönes Konzert! Was für ein cooler Hund, der Tony Allen! Alles war bis ins letzte clever durcharrangiert und optimiert für die Tourband, die – abgesehen von einem linkischen Gitarristen – erstklassig aufgespielt hat. Vor allem ist Orobiyi Adunni, die schon auf dem Album prominent auf vier Stücken vertreten ist, eine großartige Sängerin, die offensiv mit Einzelnen im Publikum geflirtet hat, unter vollem Körpereinsatz. Robert Crumb wäre in Ohmacht gefallen. Ihr Interesse galt allerdings ausschließlich weiblichen Konzertbesuchern …

Die Bläser waren nur zu zweit, bleiche Franzosen, saugut. Der Trompeter hat eine Riesenshow veranstaltet und kurz mal demonstriert: White man can dance! Ein Freund, der meinem missionarischen Eifer nachgegeben hatte, meinte nachher, ein so beeindruckendes Konzert habe er seit Jahren nicht mehr gesehen.

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“Weißt du, was Punk ist?”

1. Dezember 2009 - 00:41 Uhr

Herzdame

Maximilian Buddenbohm schreibt sowieso schon das lustigste Blog, das ich kenne. Und zwar Blog im Sinne von Blog: Alltagsanekdoten, wobei der Alltag vor allem ein familiärer ist, fast immer tauchen die titelgebende „Herzdame“ oder „Sohn I“ und „Sohn II“ auf. Manchmal fabriziert er aber auch längere Stücke über ferner zurückliegende Kindheits- und Jugenderlebnisse. Dieser Text hier beschreibt einen Ausflug in das Lübecker Nachtleben der Achtziger Jahre. Die trockene,  im Detail faszinierend genaue Schilderung des einsamen abendlichen Ausgehelends steigert sich zu wahrhafter Hochkomik, wenn das rothaarige Mädchen zu Schaden kommt und schließlich das Getanze zu „Tainted Love“ abrupt endet, als nämlich dem jugendlichen Helden demonstriert wird, „was Punk ist“. Unfassbar komisch ist das. Da spielt er in der selben Liga wie Sven Regener.

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