Archiv für Februar 2010


Neu im Kino: ein Neonoir mit Nazis, ein böser Bulle und kämpferische Kartoffelsackmännchen

25. Februar 2010 - 09:12 Uhr

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Für mich ein Pflichttermin: Den Autoren Dennis Lehane schätze ich, neben George P. Pelecanos, als einen der besten jüngeren amerikanischen Krimiautoren, die sich auf die gute alte Hardboiled-Tradition berufen. Zwei Verfilmungen gab es bislang, beide gelungen, zum einen die Clint-Eastwood-Adaption „Mystic River„, zum anderen „Gone Baby Gone“ von Ben Affleck, nach einer Vorlage um die Serienhelden Patrick Kenzie und Angela Gennaro. Und beim jetzt anlaufenden „Shutter Island“ hat niemand anderer als Martin Scorcese Regie geführt. Vermutlich kann Lehane mittlerweile die Filmrechte für ein neues Buch schon verkaufen, bevor er eine Zeile geschrieben hat. Beneidenswert.

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Neu im Kino: Liebe 1961, eine echte Überraschung sowie ein falscher Blair und ein falscher Mandela

18. Februar 2010 - 18:17 Uhr

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Um den hier kommt Ihr nicht drumrum: „An Education“ läuft jetzt auch bei uns an, der Film, für den Nick Hornby das Drehbuch geschrieben und bei dem Lone Scherfig, die „Italienisch für Anfänger“-Dänin, Regie geführt hat. Die Geschichte von einer sechzehnjährigen Schülerin, die mitsamt ihren kleinbürgerlichen Eltern einem doppelt so alten Aufschneider auf den Leim geht, beruht auf den Erinnerungen der Kolumnistin Lynn Barber. Hornbys Dialoge sollen den Erwartungen entsprechend clever und komisch sein, die Früh-Sechziger-Jahre-Welt, in der das alles spielt, überzeugend und die Hauptdarstellerin, Carey Mulligan, umwerfend. Die Kritiken gleichen überwiegend Jubelarien, wenn gemeckert wird, dann meist über das Ende, das wohl nicht nur unangenehm moralistisch, sondern vor allem seltsam aufgesetzt wirkt. Dürfte uns jetzt, da wir das schon wissen, aber nicht viel ausmachen. In zweieinhalb Wochen gibt es vielleicht sogar Oscarauszeichnungen für den Film, nominiert wurde unter anderem Nick Hornby. Seine Frau wusste, als sie die Frage beantworten sollten, welche der übrigen Nominierten sie treffen wollten, sehr schnell eine Antwort. Sonderlich originell sei die nicht, meint Hornby in seinem Blog. (Nachtrag: Leser aus der Kinoprovinz Hamburg kommen sehr wohl drumrum, bei uns läuft „An Education“ nämlich bereits in der Startwoche nur in Nachmittagsvorstellungen, also eigentlich gar nicht. Ich fasse es nicht.)

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Neu zu Hause: Schnäpse und ein bisschen Lübeck

11. Februar 2010 - 23:45 Uhr

KW06

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Diese Woche, in der die Berlinale startet, mag ich keinen Film sonderlich hervorheben, empfehle den Berlinern stattdessen den Besuch des Festivals, das wie immer ein gigantisches Programm auffährt und allen anderen zu Hause zu bleiben. Und vielleicht die eine oder andere DVD zu gucken. Zum Beispiel ist gerade „35 Rum“ erschienen, der Claire-Denis-Film aus dem letzten Jahr. So hatte ich ihn in der alten Kinoprovinz vorgestellt:

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Neu im Kino: Saubermann, Sicherheit und Wagemut

4. Februar 2010 - 15:26 Uhr

KW05

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Oben im Himmel bewegt sich unentwegt George Clooney, unterwegs als vielfliegender Saubermann im Auftrag unterschiedlichster Unternehmen, deren Mitarbeitern er schlechte Nachrichten überbringt. Immer geht es um Entlassungen. Es braucht nicht einmal die Ahnung von Fantasie, um sich vorzustellen, dass das eine Rolle ist, die Clooney mit Bravour spielt. Die Geschichte kommt durch zwei Frauen in Bewegung: In die eine verliebt er sich und die andere stellt eine Bedrohung dar, sie treibt die Einsparung der persönlichen Benachrichtigungen voran.

Bösartige Systemkritik ist das sicher nicht, eher eine konventionelle Komödie, jedoch von der intelligenten und eleganten Sorte. Regie führte Reitman jr., der Sohn von Ivan, der vor zwei Jahren großen Erfolg mit der Teenie-als-Mutter-Komödie „Juno“ hatte.

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Ein toter Salinger und drei Antworten

1. Februar 2010 - 16:32 Uhr

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Wenn einer wie Salinger stirbt, erscheint eine Flut von Nachrufen, in denen in der Regel nichts Neues steht, schlimmstenfalls Blödsinn wie: „Wir vermissen seit heute Jerome D. Salinger.“ Wie kann man den unsichtbaren, seit Jahrzehnten verstummten Autoren vermissen? Jedenfalls haben 2010 sogar die Leser der Bildzeitung erfahren, dass es da diesen Schriftsteller gab, dessen Hauptwerk „Kult“ sei. Und „es ist der erfolgreichste Roman des 20. Jahrhunderts: 25 Millionen mal verkauft“, schreibt Bild. Tatsächlich wurde der „Fänger im Roggen“ laut Wikipedia sogar 65 Millionen Mal verkauft, was ihn aber trotzdem nicht zum bestverkauften Roman des Jahrhunders macht: Tolkien liegt sowohl mit dem „Herrn der Ringe“ (150 Millionen) als auch mit dem „Hobbit“ (100 Millionen) weiter vorn und selbst „Der kleine Prinz“ (80 Millionen) und Agatha Christies „Zehn kleine Negerlein“ (100 Millionen) haben mehr verkauft. Das Harry-Potter-Finale kommt übrigens erst ein ganzes Stück weiter unten in der Liste, mit 44 Millionen Exemplaren. Aber eigentlich wollte ich hier gar nicht Bildblog spielen, sondern auf dreierlei Fragen kommen, die mir beim Lesen der ganzen Nachrufe teils wieder und teils erstmals in den Sinn gekommen sind. Nein, die Fragen spar ich mir, hier sind die Antworten.

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