Archiv für April 2010


Neu im Kino: Fukunagas erstaunliches Debüt sowie Kitsch, Romcoms und diverse Dokus

29. April 2010 - 11:08 Uhr

KW18: Sin Nombre

* * *

Die Filmstarts vom 29.4.2010

* * *

Nicht nur der Film der Woche, sondern einer der Filme des Jahres ist „Sin Nombre“. Habe ich schon drüber geschrieben. Die deutsche Tonfassung ist gelungen, keine Sorge also, wenn keine OmU-Kopie in der Nähe läuft. Die Hauptdarsteller sind Edgar Flores und Paulina Gaitan, zwei Namen, denen man sicher noch öfter begegnen wird. Das aktuelle Projekt von Regisseur Cary Fukunaga, das derzeit in England gedreht wird, ist übrigens ausgerechnet eine neue Filmversion von „Jane Eyre„.

* * *

Außerdem neu:

  • Eine Romcom mit Jim Carrey und Ewan McGregor als schwules Paar. Läuft in den USA erst im Juli an, nachdem das Publikum in 21 anderen Ländern den Film schon sehen konnte. Machen die Verleiher in der Regel so, wenn sie einen Riesenflop und miese Rezensionen erwarten. In Großbritannien waren die Kritiken jedoch gut und den imdb-Nutzern gefällt die Komödie auch. Mir aber wohl eher nicht.(„I Love You Phillip Morris„)

Kommentare deaktiviert für Neu im Kino: Fukunagas erstaunliches Debüt sowie Kitsch, Romcoms und diverse Dokus | Kinoprovinz – Vorurteile statt Filmkritik

Die reinste Hölle

28. April 2010 - 15:42 Uhr

0000sin

Ganz großes Kino. Der amerikanische Regisseur Cary Fukunaga hat einen mitreißenden Thriller geschrieben und gedreht, der einen schon packt, wenn man noch keine Ahnung hat, wie die beiden Handlungsstränge im weiteren Verlauf zusammengeführt werden. Und dabei läuft die Maschine bis dahin nur mit halber Kraft. Wir lernen einerseits die junge Sayra in Honduras kennen, die mit ihrem Onkel und ihrem Vater, der sie vor Jahren im Stich gelassen und in New Jersey eine zweite Familie gegründet hat, illegal in die USA einreisen will. Und andererseits Caspar in Mexico, ein Mitglied der ultrabrutalen Gang Mara Salvatrucha, der vergeblich versucht, außerhalb der Gangwelt eine ganz normale Liebesbeziehung aufrecht zu erhalten und einen zwölfjährigen Knirps in die blutigen Geschäfte einführt. Die Reise von Sayra samt Familienangehörigen wird im Wesentlichen auf den Dach eines Zuges absolviert, zusammen mit Tausenden von anderen Reisenden, alle auf dem Weg nach Norden, in die verheißungsvollen Staaten von Amerika. Und sie wird zur Jagd. Ich mag nicht verraten, wer da genau wen jagt, seht zu, dass Ihr auch anderswo bloß nicht zuviel über den Plot lest. Die Konstellation von Jäger und Gejagtem ist von böser Ironie.

4 Kommentare » | Kinoprovinz – Vorurteile statt Filmkritik

Die Zukunft der Printmedien

26. April 2010 - 09:55 Uhr

Pressemuseum

Kommentare deaktiviert für Die Zukunft der Printmedien | Aktuell

Neu im Kino: Verspieltes und Hochglänzendes

24. April 2010 - 12:10 Uhr

KW17

* * *

Die Filmstarts vom 22.4.2010

* * *

„Vorsicht Sehnsucht“ ist der jüngste Film von Nouvelle-Vague-Altmeister Alain Resnais. Wird von den Meisten schwer gelobt und kaum eine Kritik kommt ohne das Wort „verspielt“ aus, Resnais fange an, eine  einfache Geschichte zu erzählen, die er dann intelligent und von leichter Hand in reinen Möglichkeiten auflöse, so der Tenor. Ausgangspunkt der Geschichte ist der Verlust einer Handtasche, einer etwa fünfzigjährigen, alleinstehenden Zahnärztin wird sie geklaut und ein etwas verschrobener Rentner bringt ihr immerhin die Brieftasche zurück und rückt dem Diebesopfer auf die Pelle.

Gespielt werden die beiden von den bewährten Resnais-Mimen Sabine Azéma, seiner Ehefrau und André Dussollier. Der Film beruht auf einem Roman von Christian Gailly, der nicht ins Deutsche übersetzt wurde.

Kommentare deaktiviert für Neu im Kino: Verspieltes und Hochglänzendes | Kinoprovinz – Vorurteile statt Filmkritik

Märchen in Moskau

23. April 2010 - 12:24 Uhr

Rusalka

* * *

Heute abend, am Freitag, dem 23.4., läuft im Fernsehen mal wieder ein Film, den man hierzulande ansonsten nirgendwo zu sehen bekommen konnte, außer im Panorama auf der Berlinale 2008: „Rusalka“ von Anna Melikyan, einer Regisseurin, die in Russland arbeitet und bislang zwei visuell verspielte, romantische und von skurriler Komik durchtränkte Filme gemacht hat.

„Rusalka“ scheint eine charmante Variante des Märchenstoffs von der kleinen Meerjungfrau zu sein, weitergesponnen und ins Moskau von heute versetzt. Alisa, die Hauptfigur, ist siebzehn und kann ihre Wünsche wahr werden lassen, jeweils zum Preis von mehr oder weniger großen Katastrophen. Wo immer man etwas über den Film liest, werden Ähnlichkeiten zu den Filmen von Jeunet und Caro erwähnt, wer also „Amélie“ nicht ausstehen konnte, für den ist das hier sicher nix. Ich dagegen bin schon von dem hübschen Trailer hier sehr angetan, in dem Alisa aus dem Off erklärt, um was es sich eigentlich handelt. „Alisa, das Meermädchen“ ist übrigens auch der deutsche Fernsehtitel. Hoffentlich taugt die TV-Synchronisation etwas.

1 Kommentar » | Kinoprovinz – Vorurteile statt Filmkritik

Gut zu wissen

20. April 2010 - 11:29 Uhr

Deutsches_Fernsehen096

* * *

Das beste der Welt. Lange nicht mehr so gelacht am Kiosk. Ankündigung der „Titelstory“ auf dem Cover der aktuellen TV Spielfilm.

Kommentare deaktiviert für Gut zu wissen | Schöne Worte

Alte, jämmerliche, erfolglose Säcke

15. April 2010 - 15:42 Uhr

Deutsche_Blogger

* * *

Im bislang eher wenig unterhaltsamen Kreuzzug des FAZ-Feuilletons gegen das Internet hat die FAZ jetzt eine Breitseite gegen „die deutschen Blogger“ abgefeuert, die von hohem Unterhaltungswert ist. Tendenziös, unfair, aber in seiner Gemeinheit faszinierend. In der gedruckten Ausgabe vom 14.4. geht die Geschichte über drei Seiten, im Netz erfordert das Lesen des auf den ersten Blick ansprechend aufbereiteten Texts, sage und schreibe 40 Klicks, eine Strafe für all die „Bewohner des Internets“ (FAZ-Redakteur Volker Weidermann), die das Kaufen der Papierausgabe verweigern.

Der Autor, FAZ-Redakteur Marcus Jauer, hat sich mit einigen bekannten Bloggern und mit Rivva-Erfinder Frank Westphal unterhalten und daraus kleine Portraits gemacht, die vor lauter kleinen Fiesheiten funkeln.

17 Kommentare » | Peinlich, Schöne Bilder

Neu im Kino: Nichts außer einem „Dreieck aus Figur-Objekt-Raum“ und das auch nur in Berlin

15. April 2010 - 11:49 Uhr

KW16

* * *

Die Filmstarts vom 15.4.2010

* * *

Der argentinische Regisseur Lisandro Alonso macht Filme im internationalen Filmfestival-Stil, erzählt also gaaanz langsam und minimalistisch und ernst, verlässt sich aufs Visuelle, spart am Dialog und zeigt Bilder von exotischen Orten. Mit seinen vier Filmen hat er elf Preise gewonnen, allerdings kein reguläres Publikum: In Deutschland lief bis heute keiner seiner Filme im Kino und anderswo hat es auch nicht viel besser geklappt, sein vorletzter Film, „Fantasma“, fand nirgenwo auf der Welt einen Verleih, nicht einmal in Alonsos Heimat. Alonso bewegt sich in einem seltsamen Paralleluniversum, in dem man kein Publikum braucht und trotzdem die Geldquellen zur Finanzierung seiner Arbeit nicht versiegen. Wie bei bildenden Künstlern, die nie etwas verkaufen, sich aber ein Leben lang mit Stipendien, Preisgeldern, Professuren und sonstigen öffentlichen Förderbeträgen über Wasser halten. Über die Qualität seiner Filme sagt das natürlich gar nix aus, dass die Kritiker mehrheitlich begeistert jubeln, heißt nicht, dass der Kaiser keine Kleider anhat, aber Lust mich dazuzustellen und auch der Parade zuzugucken, habe ich nicht.

4 Kommentare » | Kinoprovinz – Vorurteile statt Filmkritik

Neu im Kino: Irische Einsamkeit und glücksbringende Fotografie

9. April 2010 - 17:27 Uhr

KW15

* * *

Die Filmstarts vom 8.4.2010

* * *

„Nothing Personal“ ist ein spröder kleiner Film über die Annäherung zweier Eigenbrötler: Sie, eine Holländerin, hat alles hinter sich gelassen, versucht jeden menschlichen Kontakt zu vermeiden und streunt durch Irland, wo sie ihn trifft, der ihr Unterschlupf und Essen bietet, gegen Gartenarbeit. Sieht nach einem ungewöhnlichen, unsentimentalen und unprätentiösen Liebesfilm aus, der auch schauspielerisch überzeugt. Sie wird gespielt von Lotte Verbeek in ihrer ersten größeren Rolle, er von Stephen Rea. Spielfilmdebüt der Niederländerin Urszula Antoniak. Die Kritiker sind durchweg sehr angetan, der geschätzte Daniel Sander vom Kultur Spiegel schreibt etwa: „Es ist ein merkwürdiger Bann, den dieser Film wirft, der alles ganz leicht und natürlich wirken lässt, was eigentlich anstrengend und nervtötend wirken müsste.“
“Nothing Personal“: Trailer | Kritiken | Links | Kinos

Kommentare deaktiviert für Neu im Kino: Irische Einsamkeit und glücksbringende Fotografie | Kinoprovinz – Vorurteile statt Filmkritik

GDS – Gute deutsche Serie

9. April 2010 - 10:37 Uhr

KDD1

Die Serie mit dem ungeliebten „Tatort“ vergleichend, habe ich mich neulich schon lobend über KDD geäußert. Es ist schlicht die beste deutsche Krimiserie, die ich je gesehen habe und überhaupt das einzige deutsche Fernsehprodukt der letzten zehn Jahre, bei dem ich mich bemüht habe, nach Möglichkeit alle Folgen zu sehen. Dass eine so gut und unkonventionell geschriebene und vor allem auch gespielte Serie in Quotenterrorzeiten produziert werden konnte und immerhin drei Staffeln durchgehalten hat, grenzt an ein Wunder. Alle notorischen Tatortgucker, an denen das komplett vorbeigegangen ist – und die eine Mitschuld daran tragen, dass es schon wieder vorbei ist – bietet sich jetzt noch einmal eine gute Gelegenheit, in das realistische Geschichtenknäuel um die heterogen zusammengesetzte Ermittlertruppe einzusteigen: Heute, am Freitag,  dem 9.4., um 21.15 Uhr startet der zweite Durchlauf der letzten Staffel, diesmal im ZDF, einen Tag später beginnt die parallele Wiederholung der ersten beiden Staffeln auf ZDF neo. Ein hinreichender Grund dafür, den Fernseher doch noch nicht abzuschaffen.

2 Kommentare » | Kinoprovinz – Vorurteile statt Filmkritik

Willie und das Geheimnis der zwei Schlagzeuger

2. April 2010 - 16:33 Uhr

_

Lange ist es her, dass ich die klassischen Al-Green-Alben entdeckt habe und nichts hat mich seither auch nur annähernd so begeistert. Keiner singt wie Green, er ist der schlicht der beste Soulsänger überhaupt und zum Glück ist er damals beim Hi-Label gelandet, wo Willie Mitchell unter seiner Stimme einen unverwechselbar trocken produzierten Rhythmusteppich ausbreitete, um dann die schönsten Streicher- und Bläserarrangements darüber wehen zu lassen. Ich schwärme seit vielen Jahren, missioniere eifrig und freue mich, wenn andere sich auch begeistern können. Wie jetzt gerade der sehr geschätzte Eric Pfeil in seinem Poptagebuch. Er plaudert über Schlagzeugsoli und eigenes Schlagzeugspielen und kommt schließlich auf das Schlagzeug bei Al Green:

Kommentare deaktiviert für Willie und das Geheimnis der zwei Schlagzeuger | Musik

Neu im Kino: Ein echtes Wunder und es macht badda-boom

1. April 2010 - 16:50 Uhr

KW14

* * *

Die Filmstarts vom 1.4.2010

Wenn ein Film »Lourdes« heißt und auch mit kirchlicher Erlaubnis ebendort gedreht wurde, wenn es um Sieche und Kranke geht, die auf Wunderheilung hoffen und das Ergebnis selbst der katholischen Kirche gefällt, dann sollte man eigentlich davon ausgehen, daß das kein Film für mich ist und erst recht nichts in der Humorkritik zu suchen hat. Doch was die Wienerin Jessica Hausner, die vor einigen Jahren mit dem eher spröden Film »Hotel« reüssierte, da fertiggestellt hat, ist ein erfreulich schwer klassifizierbares Stückchen Film. Mit dokumentarfilmhafter Genauigkeit erzählt sie vom abergläubischen Kommerztreiben im französischen Wallfahrtsort und erlaubt sich dabei den charmanten Spaß, tatsächlich ein veritables Wunder geschehen zu lassen.

1 Kommentar » | Kinoprovinz – Vorurteile statt Filmkritik