Gleiten statt Glühwein

Alster270110-7430

Wir sind hier in Hamburg allesamt fixiert auf das Winter für Winter erhoffte Zufrieren der Alster. Wenn es dann mal passiert und die Eisfläche zum Betreten freigegeben wird, wie zuletzt vor dreizehn Jahren, löst das einen einzigartigen kollektiven Freudentaumel aus, über Klassen- und alle sonstigen Schranken hinweg. WM-Siege und Wiedervereinigungen werden in der Hansestadt vergleichsweise kühl und vor allem von weniger Personen gefeiert. Sobald das Thermometer mal unter Null fällt, thematisiert die Lokalpresse die Chancen auf ein „Altereisvergnügen“ und dieses Jahr, in dem  es dann wirklich mal wieder kalt genug ist, herrscht entsprechend große Aufregung.

Die erhoffte Freigabe für dieses Wochenende wird jedoch nicht erteilt, wie das Abendblatt meldet, da die Temperaturen steigen und die vorgeschriebenen 20 Zentimeter Eisdicke knapp nicht erreicht wurden. Das ist aber gar keine schlechte, sondern eine gute Nachricht: Denn erstaunlicherweise toleriert die Polizei bereits seit dem Wochenende das unerlaubte Betreten des Eises und die Oberfläche ist so wunderbar glatt und völlig frei von Schnee, wie ich das auf der Außenalster noch nie erlebt habe. Ein Traum für alle, die mit Kufen unter den Füßen unterwegs sind. Ich bin gestern bei Sonnenschein von Winterhude zur Innenstadt und wieder zurück geflitzt und dachte dabei, dass das eigentlich die schönste Fortbewegungsart ist, die ich kenne. Eine Freigabe hätte aber bedeutet, dass auf der Außenalster Buden aufgebaut werden dürften und Tausende von Wurstessern und Glühweintrinkern uns Eisläufern im Weg rumstünden und oft auch -lägen. In früheren Jahren kam man sich nicht ins Gehege, da die Budenbesucher auf der Außenalster auf miesem Eis rumstanden und die Schlittschuhläufer auf sämtlichen Fleeten und auf der Alster kilometerweit gen Norden freie Bahn auf erstklassigem Eis hatten.

Schnee ist allerdings vorausgesagt, spätestens für heute Nacht, darum packe, wer in Hamburg ist und welche hat, schnell seine Schlittschuhe ein und gehe lieber gleich noch raus, morgen vergällt uns vielleicht ein durchgehender weißer Bremsbelag die Freude.

Hamburch 11 Kommentare »

11 Reaktionen zu “Gleiten statt Glühwein”

  1. Matt

    Zu spät.

  2. Gunnar

    Viel Schnee hat der starke Wind allerdings nicht liegen lassen. Mal schauen, wie die weißen Inseln nach dem derzeitigen Tauwetter aussehen werden …

  3. Markus Merz | Hamburg St. Georg

    Ich teile die Meinung, dass die zugefrorene Außenalster nicht zum meilenweit nach Glühwein stinkenden Rummelplatz werden darf.

    Aber die Erwartungshaltung ist natürlich enorm hoch und 10.000ende Menschen freuen sich über eine offizielle Erlaubnis zum Stürmen der Außenalster.

    Meine Fotos mit den unterschiedlichen Stimmungen von So. morgen + Di. nachmittag:

    * http://sankt-georg.info/fotografie/904/aussenalster-alstereisvergn%C3%BCgen-winter-fotos
    * http://sankt-georg.info/fotografie/905/alstereisvergnuegen-aussenalster-9-fotos

  4. Gunnar

    Am Dienstag war das Licht wunderbar. Am Mittwoch dagegen war alles nur grau. Was machen also Abendblatt und Welt kompakt am Donnerstag, wenn sie die Absage des „Alstereisvergügens“ mit der bevölkerten Alster illustrieren wollen? Sie nehmen einfach die knalligen Fotos vom Dienstag und schreiben dazu, das sei am Vortag, also Mittwoch gewesen. Obwohl nun wirklich jeder in der Stadt weiß, dass es den blauen Himmel am Mittwoch nicht gab. Ist ihnen offenbar scheißegal.

  5. Silke

    Das kommt davon, wenn Zeitungmachen Praktikanten überlassen wird und man zugleich Dokumentation und Schlussredaktion einspart, denn die denken von ihrer zeitlichen Verortung aus – dass also morgen, wenn die Zeitung erscheint, gestern schon wieder vorgestern ist. Alles Unordnung ist das heute …

  6. Silke

    PS: Und wenn alle Redaktionen auch noch zusammengelegt sind und in allen Blättern somit das gleiche (oder sogar: das selbe?) steht, ist es um die Informationsvielfalt geschehen.

  7. Gunnar

    Auweia, also keine „Wir nehmen das knalligere Bild – ist doch scheißegal von wann das ist“-Haltung, sondern schlicht Blödheit? Womöglich hast du recht.

  8. Silke

    “ dass also morgen, wenn die Zeitung erscheint, gestern schon wieder vorgestern ist.“

    … , daran denken die Greenhorns natürlich nicht.“

    Dieser Zusatz fehlt ganz klar in meinem obigen Beitrag – shame on me. Bei mir war in dem Moment offembar die internalisierte Korrekteuse gerade in der Kaffeepause – immerhin aber beschäftige ich sie noch. Und korrigieren kann man seine eigenen Beiträge hier ja leider nicht. Also wird die Kommentarspur hier zur Selbstgeißelungs… na, wie heißt das … nicht Pranger, nicht Parcours … Spalier? Auch nicht … Mist! Immer isse Kaffee trinken oder aufm Klo, wenn man sie mal braucht …

  9. M.

    „…schiene“ vielleicht? „Korrekteuse“ ist auf jeden Fall ein sehr schönes Wort!

  10. Gunnar

    02:04 Uhr? 02:33 Uhr? Freut mich, dass mein Blog nächtlichen Damenbesuch hat.

  11. Silke

    Ha! Jetzt weiß sie`s:
    Spießrutenlauf – das war`s.