Jeff Bridges und ein Nichts

crazyheart

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Die Rolle des abgehalfterten, versoffenen Countrysängers in „Crazy Heart“ dürfte den Höhepunkt der schauspielerischen Karriere von Jeff Bridges darstellen, spätestens wenn er am Sonntag tatsächlich einen Oscar als „Best Actor“ erhält. Er spielt so glaubwürdig, dass es geradezu seltsam erscheint, dass diese Figur nur fiktiv ist, dass Bad Blake nicht tatsächlich irgendwo zwischen Willie Nelson, Townes Van Zandt und Kris Kristofferson seinen Platz in der Musikgeschichte hat. Vielleicht kommt einem Blake aber auch so bekannt vor, weil Bridges einst mit Bravour eine verwandte Rolle gespielt hat: den Dude aus „The Big Lebowski“.
Das Drumherum stimmt ebenso, die Motelzimmer, die miesen Spelunken oder gar Bowlingbahnen, in denen Blake auftritt, überzeugen mitsamt den sie bevölkernden Nebenfiguren. Und dann kann Bridges natürlich auch erstaunlich gut singen und hat sich als falscher Country-Heroe von T Bone Burnett verdammt gutes Songmaterial liefern lassen, von dem manch echte Countrylegende nur träumen kann.

Das Problem ist nur: Es gibt auch eine Geschichte. Als ich eine Freundin, die gar nichts über „Crazy Heart“ wusste, aufforderte zu raten, was das für eine sei, musste sie nicht lange überlegen: „Er wird von einer Frau gerettet“. Richtig. Und die ist jung und schön und wird gespielt von Maggie Gyllenhaal. „Und wird er einfach so gerettet?“, fragte ich weiter. „Nein, das geht nicht so geradlinig, er muss bestimmt noch irgendwelche Hürden nehmen, erst noch so richtig auf die Schnauze fallen.“ Auch das stimmt. Das Wort „vorhersehbar“ ist viel zu schwach zur Beschreibung des Nichts an Handlung. Aber ein Nichts muss einen andererseits auch nicht weiter stören. Konzerte haben auch keine Handlung.

Schade, dass Bad Blake aufgrund von Nichtexistenz nie auf Tour gehen wird.

Hier der ebenfalls oscarnominierte Song „The Weary Kind“, solo dargeboten von Jeff Bridges:

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“Crazy Heart“: Trailer | Links | Kinos

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