Neu im Kino: Kindsmord in Norwegen und eine Verheißung in Osnabrück

KW12

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Letzten Donnerstag habe ich es nicht geschafft, mich rechtzeitig über die neu anlaufenden Filme schlau zu machen, hier nachträglich eine kurze Übersicht. Die Neustarts:

  • Ein verschachtelt erzählter Psychothriller aus Norwegen um ein totes Kind, seinen mutmaßlichen Mörder und die Mutter. Scheint dramaturgisch sehr geschickt und wirkungsvoll zahlreiche Rückblenden aus zwei verschiedenen Perspektiven zusammenzubauen, dabei wird aber arg bedeutungsschwanger mit großen moralischen Fragen hantiert. Der Kritikern gefällt das sehr. („Troubled Water„)
  • Eine melancholische deutsche Komödie mit Stefan Kurt als fünfzigjährigem Schnauzbartträger in der Krise. Sein Ausbruch führt ausgerechnet nach Osnabrück. Scheint angenehm ungeschwätzig zu sein und Lars Lenski hinter der Kamera hat offenbar für hiesige Verhältnisse recht beeindruckende Bilder gefunden. („Mensch Kotschie„)
  • Meines Wissens die erste Verfilmung eines Blogs: „Das ganze Leben liegt vor Dir“ beruht auf den Posts von Michela Murgia über ihre Tätigkeit in einem Callcenter. Der Film ist wohl allerdings eher eine burlesk-überdrehte Komödie, deren Kritik an prekären Arbeitsverhältnissen in unmotivierten Optimismus mündet. Vielleicht trotzdem sehenswert. Komödien, die dezidiert Gesellschaftskritik üben, bekommt man nicht alle Tage zu sehen.
  • Der Irakkriegs-Ballerfilm von Paul Greengrass, dem Regisseur der „Bourne“-Trilogie, auch wieder mit Matt Damon, hier als amerikanischer Offizier, in der Hauptrolle. Die hektische Wackelästhetik der „Bourne“-Reihe scheint nur bedingt im Kriegsfilm hinzuhauen, befremdlich wirkt außerdem die aufklärerische Attitüde des Actionreißers, die letztlich wohl doch nur auf die alles andere als neue Erkenntnis hinausläuft, dass es die irakischen Massenvernichtungswaffen nie gegeben hat. („Green Zone„)
  • Ein religiös verbrämter Quatschthriller aus Hollywood mit Engeln auf Erden. („Legion„).
  • Ein müdes US-Remake eines sentimentalen Marcello-Mastroianni-Vehikels von Guiseppe Tornatore von 1990. Robert De Niro macht den Mastroianni, als verwitweter Rentner besucht er nacheinander seine ihm fremdgewordenen Kinder. („Everybody’s Fine„)
  • Ein „von hehren Idealen getragener PR-Film“ (Reinhard Lüke im Filmdienst) über die Chancen der Energiegewinnung aus erneuerbaren Ressourcen. Finanziert vor allem mit Sponsorengeldern aus der Umweltbranche, wie Lüke schreibt. („Die 4. Revolution – Energy Autonomy„)
  • Ein Dokumentarfilm über ein Tanztheaterprojekt mit Wuppertaler Schülern. Das Stück stammt von Pina Bausch, die, kurz vor ihrem Tod, auch selbst bei den Proben und vor der Filmkamera aufgetaucht ist. („Tanzträume„)
  • Und ein offenbar grottenschlechter amerikanischer Kinderfilm über einen brutalen Profi-Eishockeyspieler, der durch Zwangsdienst als Zahnfee geläutert wird. („Zahnfee auf Bewährung„)

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Wo was überhaupt läuft, kriegt man wie immer am besten bei moviepilot raus.

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Und noch etwas, ein Remake von „The Evil Dead„, mit Knetfiguren. Das verdichtete Gemetzel dauert nur eine Minute:

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Von Lee Hardcastle. (via)

Kinoprovinz – Vorurteile statt Filmkritik Kommentare deaktiviert für Neu im Kino: Kindsmord in Norwegen und eine Verheißung in Osnabrück

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