Oholah Oholibah

gano

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Im Herbst hatte ich das Album einmal durchgehört, ein paar Zeilen drüber geschrieben und es dann vergessen. Vor ein paar Tagen fiel mir die CD wieder in die Hände und seither befindet sie sich in Heavy Rotation. Wie schade, dass Ganos spätes Wunderwerk so wenig Beachtung gefunden hat.

Hört selbst:

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Meine Kritik:

Da ist sie wieder, die Stimme der nervösen Folkpunkband Violent Femmes, die einem bei schwächeren Songs gehörig auf die Nerven gehen kann, aber immer das Potenzial zu bohrender emotionaler Eindringlichkeit hat. Beim ersten Track klingt es noch wie ödes Standard-Indie-Song-Geschrubbe eines alten Recken, dem nicht mehr viel einfällt, aber was dann folgt ist ein erstaunlich frisches Album voller abwechslungsreich komponierter und instrumentierter Songs, die sich gerne gegen Ende geradezu ekstatisch steigern. Durchweg elektrisch, überraschen quietschige Orgeln, straffe Bläsersätze oder ein Kinderchor und dazu singt Gano irrsinniges Zeugs wie das traurige Trinklied „Oholah Oholibah“. Oder „My mother and your mother were hanging out clothes / My mother gave your mother a punch in the nose“ (in „Red“, einem klassischen Rocksong, schnell, eingängig und kurz). Doch am stärksten sind die Balladen. Wie viel mögen die begleitenden Ryan-Brüder Billy und Brendan zu all dem beigetragen haben? Gordon Gano läuft in dieser Kolloboration jedenfalls zu solcher Hochform auf, dass das der Beginn einer zweiten, wirklich überzeugenden Schaffensperiode sein könnte. Sehr erfreulich.

GORDON GANO & THE RYANS
Under The Sun

Yep Roc CD-YEP-2210/Cargo, 12 Tracks, 46:48, myspace

Musik Ein Kommentar »

Eine Reaktion zu “Oholah Oholibah”

  1. M.

    Sehr schön – und schon so gut wie gekauft!