Willie und das Geheimnis der zwei Schlagzeuger

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Lange ist es her, dass ich die klassischen Al-Green-Alben entdeckt habe und nichts hat mich seither auch nur annähernd so begeistert. Keiner singt wie Green, er ist der schlicht der beste Soulsänger überhaupt und zum Glück ist er damals beim Hi-Label gelandet, wo Willie Mitchell unter seiner Stimme einen unverwechselbar trocken produzierten Rhythmusteppich ausbreitete, um dann die schönsten Streicher- und Bläserarrangements darüber wehen zu lassen. Ich schwärme seit vielen Jahren, missioniere eifrig und freue mich, wenn andere sich auch begeistern können. Wie jetzt gerade der sehr geschätzte Eric Pfeil in seinem Poptagebuch. Er plaudert über Schlagzeugsoli und eigenes Schlagzeugspielen und kommt schließlich auf das Schlagzeug bei Al Green:

Es ist schwer zu sagen, worin genau das Genialische des Al Green-Schlagzeugs besteht: Es ist fast schon schleppend und äußerst breakarm gespielt und tönt oft, als seien hier tatsächlich die früher häufig zitierten Pappkartons und Waschmittelbehälter statt echter Trommeln zum Einsatz gekommen. Die Ruhe des amerikanischen Südens scheint dem Mann im Nacken zu sitzen – alles Zickige und Hektische anderer Funk- und Soul-Produktionen fehlt hier völlig. Ein Verdienst, das sowohl Hi-Records-Producer Willie Mitchell in die Schuhe zu schieben ist, der dieses Schlagzeug so herrlich trocken aufnahm und prominent nach vorne mischte, als auch dem Schlagzeuger selbst. Verwirrenderweise gibt es zwei Trommler, die für Green spielten: Al Jackson und Howard Grimes. Wem auch immer hier das meiste Lob gebührt: Ich verkünde an dieser Stelle die Gründung der „Church of Al Green’s Schlagzeug“, woselbst man mich ab sofort beim täglichen Kniefall antreffen kann.

Gäbe es bei Pfeils Blog eine Kommentarfunktion, hätte ich nicht diesen kleinen Text, sondern einfach einen Kommentar geschrieben. Wenn der Glaubensbruder gleich eine Kirche gründet, sollte er unbedingt erfahren, was es mit den beiden Schlagzeugern auf sich hat. Es betrifft den Kern des Mitchellschen Sounds. Willie Mitchell selber:

„I always loved Al Jackson’s hard, consistent back beat and solid kick drum … but it was always missing a … that … that slinky, greasy thing. You know? I mean Al Jackson was solid, you know, but maybe too solid when he needed to let it slip and slide a little. You know? (I know.) So I used Al Jackson on the kick and snare, AND HOWARD GRIMES ON HAT AND TOM, right there facing each other,” … he pointed to a place on the studio floor.

So berichtet es John Hampton. Wie simpel. Wie schön. Er ließ einfach zwei Schlagzeuger gleichzeitig spielen und alle Welt fragte sich, wie er bloß diesen Sound hinbekam.

Man sollte also eher eine „Church of Willie Mitchell“ gründen, der am am fünften Januar diesen Jahres gestorben ist. Sein Royal Recording Studio in Memphis hatte er bis zum Schluss. Und zwei wunderbare Al-Green-Comeback-Alben hat er noch in den letzten Jahren produziert, die nahtlos an die klassischen Aufnahmen anknüpften, als hätte man nur eine kurze Pause gemacht. Drei Jahrzehnte lang hat sie gedauert.

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