Neu im Kino: Irische Einsamkeit und glücksbringende Fotografie

KW15

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Die Filmstarts vom 8.4.2010

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„Nothing Personal“ ist ein spröder kleiner Film über die Annäherung zweier Eigenbrötler: Sie, eine Holländerin, hat alles hinter sich gelassen, versucht jeden menschlichen Kontakt zu vermeiden und streunt durch Irland, wo sie ihn trifft, der ihr Unterschlupf und Essen bietet, gegen Gartenarbeit. Sieht nach einem ungewöhnlichen, unsentimentalen und unprätentiösen Liebesfilm aus, der auch schauspielerisch überzeugt. Sie wird gespielt von Lotte Verbeek in ihrer ersten größeren Rolle, er von Stephen Rea. Spielfilmdebüt der Niederländerin Urszula Antoniak. Die Kritiker sind durchweg sehr angetan, der geschätzte Daniel Sander vom Kultur Spiegel schreibt etwa: „Es ist ein merkwürdiger Bann, den dieser Film wirft, der alles ganz leicht und natürlich wirken lässt, was eigentlich anstrengend und nervtötend wirken müsste.“
“Nothing Personal“: Trailer | Kritiken | Links | Kinos

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Die Verfilmung eines Christopher-Isherwood-Romans von 1964 um einen einsamen, schwulen, auf die Sechzig zugehenden britischen Literaturprofessor wurde viel gelobt, das Regiedebüt des Klamottendesigners Tom Ford gilt als gelungen (Metacritic: 77, Tomatometer: 85%, imdb: 8,0!) und die darstellerische Leistung von Colin Firth in der Hauptrolle als oscarreif. Aber der vernichtende Verriss von Ekkehard Knörer im Perlentaucher klingt plausibel: „Zu behaupten, dass „A Single Man“ ein Ausstattungsfilm sei, wäre eine kolossale Untertreibung. Man würde sich, sieht man dieses Machwerk, nicht wundern, hätte Tom Ford höchstpersönlich jeden einzelnen Grashalm in einem nach langem Hin und Her endlich gewählten Grünton von Hand angemalt.“ Der „durch und durch falsche Film“ sei aber nicht nur „zu Tode designt“, sondern außerdem von „Trauerkloßhaftigkeit“, „pathetisierender Musik“ und von „fortgesetzt platter Redundanzproduktion“ bestimmt. Ich glaube ihm. Und werde dem vermeintlichen Meisterwerk wohl keine Chance geben.

“A Single Man“: Trailer | Kritiken | Links | Kinos

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Lobende Worte findet Knörer dagegen auf derselben Seite für einen schwedisch-dänisch-finnisch-norwegisch-deutschen Kostümfilm von Jan Troell: „Man muss vielleicht keine Historienfilme drehen. Aber wenn, dann bitte so.“ Erzählt wird aus dem einfachen Leben einer Frau Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts, die mit einem saufenden und fremdgehenden Gatten geschlagen ist und ein wenig Trost, Selbstbewusstsein und Liebe vermittels Fotografie findet. Gelobt wird der Film auch von allen anderen, mehr oder wenig kritisch wird nur die Machart gesehen, die wahlweise als „nostalgisch“, „antiquiert“ oder „altmodisch“ bezeichnet wird. Vielleicht nichts für mich und nichts für dich, aber bestimmt kein schlechter Film.
„Die ewigen Momente der Maria Larsson“: Trailer | Kritiken | Links | Kinos

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Außerdem neu:

  • Ein wohl recht verkorkster Thriller aus dem Iran, in dem ein Mann Rachespielchen mit der Ordnungsmacht spielt, nachdem Frau und Kind bei einer Demonstration(!) ums Leben gekommen sind. Wurde hierzulande freundlich aufgenommen, die Mischung aus kunstgewerblichen Nebelbildern mit vermeintlicher Kritik am bösen Regime scheint zumindest bei den Schreibern mehrheitlich gut anzukommen. („Zeit des Zorns„)
  • Eine Doku über arabische Breakdancer in Neukölln, die sich bemühen, eine Aufenthaltsgenehmigung zu ertanzen. („Neukölln Unlimited„)
  • Ein offenbar grottenschlechter Sandalenfilm in 3D, eine Schlachtplatte mit Monstern. („Kampf der Titanen„)
  • Und diese Woche keine türkische Komödie, sondern eine filmische Lobpreisung Mustafa Kemal Atatürks. Sieht nach hemmungsloser Propaganda aus. („Dersimiz Atatürk„)

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Wo was überhaupt läuft, kriegt man wie immer am besten bei Moviepilot heraus. Ines Walk erstellt bei Filmzeit die nützlichsten Pressespiegel im deutschsprachigen Raum und Christoph Jochems versammelt akribisch Unmassen von hilfreichen Links bei Filmz.de.

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Und noch etwas, ein Ausschnitt aus Agnes Vardas „Vogelfrei„, von 1985. Hier ist die Sandrine Bonnaire die Streunerin. Und eine Liebesgeschichte ist ihr nicht vergönnt:

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Kinoprovinz – Vorurteile statt Filmkritik Kommentare deaktiviert für Neu im Kino: Irische Einsamkeit und glücksbringende Fotografie

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