Neu im Kino: Verspieltes und Hochglänzendes

KW17

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Die Filmstarts vom 22.4.2010

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„Vorsicht Sehnsucht“ ist der jüngste Film von Nouvelle-Vague-Altmeister Alain Resnais. Wird von den Meisten schwer gelobt und kaum eine Kritik kommt ohne das Wort „verspielt“ aus, Resnais fange an, eine  einfache Geschichte zu erzählen, die er dann intelligent und von leichter Hand in reinen Möglichkeiten auflöse, so der Tenor. Ausgangspunkt der Geschichte ist der Verlust einer Handtasche, einer etwa fünfzigjährigen, alleinstehenden Zahnärztin wird sie geklaut und ein etwas verschrobener Rentner bringt ihr immerhin die Brieftasche zurück und rückt dem Diebesopfer auf die Pelle.

Gespielt werden die beiden von den bewährten Resnais-Mimen Sabine Azéma, seiner Ehefrau und André Dussollier. Der Film beruht auf einem Roman von Christian Gailly, der nicht ins Deutsche übersetzt wurde.

Ist sicher wirklich clever konstruiert, auf allen Ebenen, aber, wie üblich bei Resnais,  gleichzeitig so gediegen und artifiziell, dass das nicht jedermanns und auch nicht so ganz meine Sache ist.

„Vorsicht Sehnsucht“: Trailer | Pressespiegel | Links | Kinos

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Atom Egoyan hat in den Achtzigern und Neunzigern einige höchst eigenwillige, tolle Filme wie „Der Schätzer“ und „Das süße Jenseits“ gedreht, daran gemessen waren seine jüngeren Filme im vergangenen Jahrzehnt eher enttäuschend. Mit „Chloe“ ist er nun in Hollywood angelangt, es handelt sich um einen Erotik-Thriller à la „Eine verhängnisvolle Affäre“, der die Geschichte von „Nathalie“ mit Gérard Dépardieu und Emannuele Béart noch einmal erzählt. Unter Egoyans Regie spielen Liaam Neeson und Julianne Moore als seine misstrauische Ehefrau, die ihn von Amanda Seyfried, einer Edelnutte, umgarnen lässt. Dann folgt, nicht schwer zu erraten, ein wenig Lesben-Hochglanz-Sex, aber da liegt natürlich kein Segen drauf. Ganz doof scheint das Ganze aber gar nicht zu sein, die Kritiken sind immerhin durchwachsen. Ich bleibe jedoch misstrauisch.

„Chloe“: Trailer | Pressespiegel | Links | Kinos

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Außerdem neu:

  • Eine Superhelden-Comic-Verfilmung, die wie das „das Missing Link zwischen Pixars Animationsspaß ‚Die Unglaublichen‘ und der bitterbösen Erwachsenen­comicadaption ‚Watchmen‘ wirke, so Jörg Buttgereit bei epd Film. Gleichzeitig „drollige Teeniekomödie“ und „gewalttätiger Action-Spaß“ wird geboten, auf offenbar passablem Niveau. Für Freunde von Heldensagas ist „Kick-Ass“ vermutlich eine erfrischende Genre-Variante, alle Anderen sollten sich besser fernhalten.
  • Ein deutsches Roadmovie. Die Passagiere: Zwei psychisch Kranke und eine magersüchtige Marie. („vincent will meer„)
  • Ein Drama über traumatisierte kurdische Kinder, die die Ermordung ihrer Eltern rächen wollen. („Min Dît – Die Kinder von Diyarbakir„)
  • Eine deutsche Doku über Vögel und Krieg. („Der Tag des Spatzen„)
  • Eine Romcom, die von der Liebe einer jungen Serbin und eines mittelalten New Yorkers erzählt und darum teils in New York und teils in Belgrad spielt. („Here & There„)
  • Und ein türkisches Gangstermelodram, über das, wie immer, nix rauszufinden ist. („Eshref Pasha„)

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Wo was überhaupt läuft, kriegt man wie immer am besten bei Moviepilot heraus. Ines Walk erstellt bei Filmzeit die nützlichsten Pressespiegel im deutschsprachigen Raum und Christoph Jochems versammelt akribisch Unmassen von hilfreichen Links bei Filmz.de.

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Und noch etwas, der Trailer von „Letztes Jahr in Marienbad„, von Alain Resnais, aus dem Jahr 1961. Sollte man gesehen haben. Wenn der Zuschauer gefordert wird, sei das „besser als 3D-Kino“ meint der Erzähler aus dem Off:

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