Neu im Kino: von Triersche Schocktherapie, diskriminierte Aliens und Kriegsverbrechen

KW38

Könnte sein, dass es einem gehörig auf die Nerven geht, das clevere Sex- Schuld- und Gewaltspektakel „Antichrist“ von Lars von Trier. Verquaster Quatsch über das böse Weib und Psychologie, vermutlich in Tateinheit mit Prätention auf allen Ebenen, da wäre klare Ablehnung eigentlich die wahrscheinlichste Reaktion. Aber ein fesselndes und ziemlich einzigartiges Stück Kino ist es wohl trotzdem. Die Filmkritik ist gespalten, die filmische Zumutung mit Charlotte Gainsbourg und Willem Dafoe wird von einigen richtig ernst genommen, andere meinen Ironie zu erkennen und halten selbst die Tarkowski-Widmung am Schluss für einen Witz. Und die Beurteilungen reichen von „Meisterwerk“ (Andreas Borcholte bei Spon) bis zu „unendliche Langeweile“ (Manfred Hermes in Konkret). Ich werd’s mir angucken, mehr als das abgefilmte Pappkulissentheater, das von Trier in den letzten Jahren produziert hat, interessiert’s mich allemal.
Trailer | Links | Kinos

„District 9“ ist ein Sci-Fi-Blockbuster, der intelligent und formal überzeugend eine so ungewöhnlich gute Geschichte erzählt, und zwar über Aliens, die seit Jahrzehnten auf der Erde im Ghetto gehalten werden, dass viele Schreiber offenbar vergessen, in was für einer Art Film sie sich da befinden. Allerorts zeigt man sich enttäuscht über das konventionelle Ende, wenn das obligatorische Zerdeppern und Geballer richtig losgeht. Ob’s mir wohl auch so gehen wird?
Trailer | Links | Kinos

Hans-Christian Schmid hat mit „Sturm“ offenbar das Kunststück fertig gebracht, einen packenden und realistischen Film über Justiz und Gerechtigkeit und das Kriegsverbrechertribunal in Den Haag zu drehen. Und Anamaria Marinca (4 Monate, 2 Wochen und 3 Tage) und Kerry Fox sollen in den Hauptrollen als Belastungszeugin und Staatsanwältin unaufdringlich überzeugend sein. Allerdings sieht der Trailer arg nach Fernsehspiel aus. Vielleicht sollte man also in aller Ruhe auf die unausweichliche Ausstrahlung auf Arte warten. Der Sender hat mitproduziert.
Trailer | Links | Kinos

Eine brauchbare Übersicht über sämtliche Starts findet sich wie immer bei filmz oder Filmzeit.

Kinoprovinz – Vorurteile statt Filmkritik 2 Kommentare »

2 Reaktionen zu “Neu im Kino: von Triersche Schocktherapie, diskriminierte Aliens und Kriegsverbrechen”

  1. Silke

    „Antichrist“:

    Im Kino gewesen. „Antichrist“ gesehen. Gelangweilt. Weder geweint noch schockiert. Schlicht einen unerheblichen Film gesehen. Kann auf Wunsch Zeugen benennen, die das ganz genaus so sehen. Da wünsche ich mir das grandiose „Pappkulissentheater“ dieses haltlos eitlen Egozentrikers zurück – insbesondere das von „Dogville“. Lange her, dass ich von einem Film so enttäuscht war wie von „Antichrist“,

    gesteht zähneknirschend eine (ansonsten) passionierte von-Trier-Verehrerin

  2. Gunnar

    Noch nicht im Kino gewesen. Jetzt noch weniger motiviert.