Neu im Kino: Ein Eisenmann und lukrativer transzendentaler Spinnkram

KW19

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Die Filmstarts vom 7.5.2010

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„Iron Man“ wollte ich erst nicht sehen, vor zwei Jahren, als er in die Kinos kam. Ein guter Ruf eilte ihm zwar voraus, aber auf Lobgesänge für Action-Comic-Verfilmungen gebe ich nichts mehr, nach den maßlos gefeierten Spidey- und Batmanfilmen, die dann doch ihre naiven Geschichtchen mit peinlicher Ernsthaftigkeit darboten. Aber diesmal lag ich völlig daneben, „Iron Man“ hat sich mit Abstand als unterhaltsamster und überhaupt erfreulichster aller Superheldenfilme herausgestellt.

Teil zwei, der jetzt in die Kinos kommt, habe ich mir dann gerne vorab angeschaut, ich fand ihn nur leider vergleichsweise etwas enttäuschend, trotz eines wiederum wunderbaren Robert Downey Jr. als egozentrischer Waffenschmiedeboss und Selfmadesuperheld Tony Stark und trotz Scarlett Johannson. Wer für die etwas übrig hat, kommt um „Iron Man 2“ allerdings nicht rum, denn hier ist sie kein bisschen blond und blöd, sondern schwarz und gefährlich und das steht ihr ausgesprochen gut.

Das Hauptproblem des Films: Es mangelt ihm an Leichtigkeit. Tony Stark kämpft über weite Teile des Films mit dem Leben und das ist dann wieder doofes großes Drama, das sich mit dem albernen Genre eben nicht gut verträgt. Und Mickey Rourke gibt einen arg eindimensionalen russischen Bösewicht, aber zum Ausgleich bereitet Sam Rockwell als Starks überdrehter, krankhafter Konkurrent viel Vergnügen. Die scheppernden Kämpfe nehmen erfreulich wenig Raum ein und die Handlung ist angenehm unübersichtlich und AC⚡DC im Soundtrack habe ich auch gut ertragen und darum ist der Film trotz aller Schwächen noch deutlich besser, als „Dark Knight“ und Konsorten.

„Iron Man 2“: Trailer | Pressespiegel | Links | Kinos

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Ein sympathisches Projekt: David Sieveking, ein junger deutscher Regisseur, frisch von der Filmhochschule, nimmt Kontakt zu David Lynch auf, erhält von diesem aber weder Rat noch Auskunft zum Thema Film, wird stattdessen eingeführt in die Transzendentale Meditation, die Sekte des Maharishi Mahesh Yogi. Sieveking widmet sich nun wirklich der „TM“ und macht daraus in Michael-Moore-Manier einen Dokumentarfilm: Er belegt Kurse, reist in die USA und nach Indien, bleibt dabei immer selbst im Blickfeld der Kamera und guckt sich das Unternehmen sehr genau an. Ich finde es toll, wenn jemand Gelegenheiten zu nutzen weiß. Und bin sehr gespannt.

„David Wants to Fly“: Trailer | Pressespiegel | Links | Kinos

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Außerdem neu:

  • Eine verhärmte Pariser Concierge mit einer Leidenschaft für russische Literatur, ein lebensmüdes Kind und ein „geheimnisvoller“ Japaner treffen aufeinander und „bald bahnt sich eine zarte Liebesgeschichte an“, so der Pressetext. Auweia. „Die Eleganz der Madame Michel“ heißt der französisch-italienische Film und darum ist anzunehmen, dass aus dem hässlichen Concierge-Entlein unter kindlicher wie japanischer Mithilfe ein wunderschöner Schwan wird.
  • Ein zartes Indie-Filmchen über eine Zwanzigjährige, ihre Liebesprobleme und ihre Krankheit, Epilepsie. „The Exploding Girl“ heißt er und ist wohl nicht sonderlich explosiv.
  • Tiger Team“ ist ein aufwendiger deutschsprachiger Kinderfilm, der seine kindlichen Hauptdarsteller Indiana-Jones-artige Abenteuer in China erleben lässt. Beruht auf einer Schneiderbuchreihe von Serienschreiber Thomas Brezina, ist aber, wie die Bibi-Blocksberg-Adaptionen oder der Hexe-Lili-Film, vermutlich auch wieder besser als die lieblos zusammen geschraubte Vorlage. Meine elfjährige Tochter, die jetzt andauernd die Nase über „Kinderkram“ rümpft, war schon drin – ohne mich – und ihr hat es gefallen: „Ganz o.k.“, meinte sie und das ist ein recht großes Lob.
  • George A. Romero demontiert weiter seinen eigenen Mythos mit der sechsten Neuauflage der alten Zombiegeschichte, die, wie es aussieht, wieder nur auf ein schwaches Selbstplagiat hinausläuft, dieses Mal mit Western-Touch. „Survival Of The Dead
  • Aus Spanien kommt ein tragikomisches und leicht skurriles Drama um den Kampf gegen ein dreckschleuderndes Kohlekraftwerk. Macht einen recht biederen Eindruck und wird hier bei uns, im Land der Biosupermärkte, sicher trotzdem sein Publikum finden. („Federicos Kirschen„)
  • Ein Experiment von Peter Liechti: Er lässt einen Text vortragen, in dem jemand seinen Versuch, sich zu Tode zu hungern protokolliert und zeigt dazu allerlei assoziatives Bildwerk, wohl vorwiegend aus dem Bereich Flora und Fauna. („Das Summen der Insekten„)
  • Ein deutsches Melodram um Deutschtürken, die natürlich fast zwischen den Kulturen zerrieben werden, inklusive Ehrenmord und allem drum und dran. („Ayla„)
  • Und eine wohl recht öde Schmonzette von Lasse Hallström, die Adaption eines Nicholas-Sparks-Romans. Mir wird schon beim Titel schlecht: „Das Leuchten der Stille„.

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Wo was überhaupt läuft, kriegt man wie immer am besten bei Moviepilot heraus. Ines Walk erstellt bei Filmzeit die nützlichsten Pressespiegel im deutschsprachigen Raum und Christoph Jochems versammelt akribisch Unmassen von hilfreichen Links bei Filmz.de.

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Und noch etwas, eine Menge Fotos von den Beatles mit dem Maharishi Mahesh Yogi, schön kompiliert und dazu läuft „Gopala Krishna“, ein Outtake von George Harrisons Album „All Things Must Pass“ von 1970:

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Kinoprovinz – Vorurteile statt Filmkritik 3 Kommentare »

3 Reaktionen zu “Neu im Kino: Ein Eisenmann und lukrativer transzendentaler Spinnkram”

  1. Silke

    Wenn man auf das F klickt, weil da steht „Gefällt mir“ und man denkt, hab ich doch gern gelesen, diese erneute Motzerei von dem GG, dann sagt Facebook:
    „Melde dich bei Facebook an, um dein Nutzererlebnis mithilfe dieses sozialen Plug-ins zu individualisieren.“
    Zuerst dachte ich, das sei eine Parodie von Dir, aber es ist wohl bitterer Facebook-Ernst. Wortmüll, der bei mir Brechreiz auslöst wie der plastic ocean bei den Wasservögeln. Kannst Du es verantworten, auf so was zu verlinken?

  2. Silke

    Eigentlich wollte ich erzählen:
    Hab gestern im 3001 den nicht fliegenden David gesehen. Mein Begleiter äußerte: Eitler Fatzke ohne intellektuelle Schärfe, der sich noch nicht mal ordentlich vorbereitet, bevor er in Interviews geht, und so mehrfach die Chance vergibt, einem Epigonen wie David Lynch mal ordentlich ans Bein zu pissen.
    Dem hab ich nichts hinzuzufügen. Obwohl, doch (ich wär keine Frau, wenn’s anders wär): Nicht uninteressant, aber gutes Anliegen macht noch keinen guten Film. Kann man aber mangels Alternativen mal angucken, vor allem die rotzige Marie ist die Kinokarte wert.

  3. Gunnar

    Danke für das Vorkosten vom Yogi-Film. Hatte ich befürchtet, dass er eben doch ein wenig zu harmlos ist.

    Zu Facebook: Wenn ich selber auf den Gefällt-mir-Button klicke erscheint:“Log in to Facebook to personalize your experience with this social plugin.“ Seltsam, oder? Das scheint jedenfalls grauslich übersetzt worden zu sein. Wobei das Personalisieren von Erfahrungen auch schon schlimm genug ist. Die Funktion des Buttons fände ich toll, wäre ich denn Facebooknutzer.