Neu im Kino: Wahre Geschichten und doofe Geschichten

KW21

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Die Filmstarts vom 20.5.2010

Als die Rezensions-DVD schließlich hakt, das Bild einfriert, während die Säufer auf der Tonspur noch ein wenig weiter quasseln, ist das kein großes Drama: Es interessiert mich nicht mehr sonderlich, wie der belgische Film „Die Beschissenheit der Dinge“ zu Ende geht. Der Titel war vielversprechend, das Herkunftsland sowieso, aber dann gibt es nur eine trost- aber zum Glück nicht endlose Aneinanderreihung von White-Trash-Episoden zu sehen, die weder von einem Handlungsgerüst, noch von Komik oder sonstigem Kitt zusammengehalten werden. Es geht um haarige Säufer in der flämischen Provinz, vier erwachsene Brüder, die gemeinsam bei ihrer alten Mama wohnen, die sie mit ihrer spärlichen Rente durchfüttert. Erzählt wird aus der Perspektive Gunthers, eines Dreizehnjährigen mit grotesker Vokuhila-Frisur, dem Sohn eines der Nichtsnutze. Er wischt seinem auf dem Fußboden schlafenden Vater mit dessen dreckiger Unterhose fürsorglich die Kotze aus dem Gesicht, schaut den Onkels bei Biertrinkwettbewerben und Nacktfahrradrennen zu oder lässt sich von deren Kneipenbekanntschaft den frisch erworbenen künstlichen Blasenausgang vorführen. Die Handkamera ruckelt wild herum und rückt den wackeren Darstellern unangenehm auf den Leib, ab und zu verschwindet völlig unmotiviert die Farbe aus dem Bild und manchmal springt die Erzählzeit zum erwachsenen Gunther, der das alles aufschreibt und seine Freundin schlecht behandelt, doch nützen all die Anstrengungen nichts, das Ergebnis bleibt eine recht öde und wenig witzige Angelegenheit. Und dass zwischen den drastischen Szenen dann immer mal wieder versucht wird, die hässlichen Verlierer als harte Kerls mit Herz darzustellen, ist nachgerade ärgerlich.
Später stellt sich heraus, dass die anekdotische Erzählweise auf der Vorlage beruht: einem autobiografischen Buch desselben Titels von Dimitri Verhulst. Da zeigt sich wieder mal, dass das Leben keineswegs die besten Geschichten schreibt. Sondern ziemlich schlechte.

So oder ein wenig kürzer wird es nächste Woche in der Titanic zu lesen sein. Ganz so negativ wie „Hans Mentz“ beurteilen den Film die wenigsten, in Cannes hat der Film letztes Jahr gar einen Preis gewonnen (C.I.C.A.E.-Preis – Besondere Erwähnung) und bei imdb wurde die beachtliche Durchschnittsnote 7,6 vergeben.

„Die Beschissenheit der Dinge“: Trailer | Pressespiegel | Links | Kinos

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Außerdem neu:

  • Noch eine „wahre Geschichte“: Ein Filmproduzent hat geschäftliche Schwierigkeiten und bringt sich um. Der Film interessiert sich für die, die zurück bleiben, Frau und Kinder, zeigt ihr Leben offenbar ganz unsentimental vor und nach dem schrecklichen Ereignis. Bleibt die Frage, ob man da mitleiden will. Die Kritiken sind durchweg gut bis sehr gut. Es ist der zweite Film der jungen, französischen Regisseurin Mia Hansen-Løve. („Der Vater meiner Kinder„)
  • Eine deutsche Doku über die Reiter von Isarwellen. („Keep Surfing„)
  • Ein Drama, das sich ums Schwulsein im orthodoxen Judentum dreht. („Du sollst nicht lieben„)
  • Die Verfilmung eines Manga von Jiru Taniguchi, in dem ein Familienvater den falschen Zug nimmt und im Dorf sowie im vierzehnjährigen Körper seiner Kindheit ankommt. Die Kritiken fallen überwiegend freundlich aus, doch ich vertraue eher jenen, die das alles arg glatt und gefällig finden. Mir hat schon der Vorgänger des Regisseurs Sam Gabarski, „Irina Palm“, wenig zugesagt. („Vertraute Fremde„)
  • Ein, nach den Kritiken zu urteilen, grottenschlechter Neustart der Freddy-Krueger-Serie („Nightmare On Elmstreet„)
  • Und ein abgeschmacktes, bombastisches Abenteuer-Spektakel nach einem Videospiel, mit Jake Gyllenhaal. Ein nicht enden wollender Ausschnitt wurde in der Pressevorführung vor Tim Burtons „Alice“ gezeigt und hat mir gleich gründlich die Laune verdorben.  („Prince Of Persia„)

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Wo was überhaupt läuft, kriegt man wie immer am besten bei Moviepilot heraus. Ines Walk erstellt bei Filmzeit die nützlichsten Pressespiegel im deutschsprachigen Raum und Christoph Jochems versammelt akribisch Unmassen von hilfreichen Links bei Filmz.de.

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Und noch etwas, ein Ausschnitt aus einem TV-Bericht über eine doch recht ungewöhnliche Promoaktion für „Die Beschissenheit der Dinge“, letztes Jahr auf der Croisette:

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Kinoprovinz – Vorurteile statt Filmkritik Ein Kommentar »

Eine Reaktion zu “Neu im Kino: Wahre Geschichten und doofe Geschichten”

  1. Silke

    „de fiilm guod foand“ – ich ni-ich!