Kabelküche

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Letzte Woche ist die Schauspielerin gestorben und jetzt habe ich das Foto, das ich vor fast zwanzig Jahren in ihrer roten Resopalküche gemacht habe, doch noch rausgesucht. Das Fotografieren hatte ich damals noch nicht so sehr lange betrieben und bei einem entscheidenden Termin in der Fotoredaktion des Stern, wo ich zwecks Eigenwerbung mit einem Stapel Dias erschienen war, interessierte sich die damalige Fotochefin Elisabeth Biondi eigentlich nur für das Heidi-Kabel-Bild. Und das, ihren Fragen nach zu schließen, offenbar nur aufgrund der Kücheneinrichtung. In der folgenden Woche durfte ich dann aber trotzdem erstmals für den Stern fotografieren.

Vor dem Termin war mir Frau Kabel, ehrlich gesagt, völlig egal, aber die persönliche Begegnung machte sie mir ausgesprochen sympathisch. Und nach dem ich jetzt in der FAS einen im Wortlaut zitierten Ausschnitt eines NDR-Talkshow-Gesprächs, das Wolf Schneider mit ihr geführt hat, gelesen habe, ist sie mir noch ein paar Grad sympathischer geworden. Es geht darum, dass Ohnsorg-Stücke, wenig zeitgemäß, in der Regel mit einer Trauung enden:

Schneider: Es wäre doch aber nun naheliegend, dass eine populäre Bühne auf die Entwicklung – es wird nicht mehr gleich geheiratet – irgendwie eingeht, dass man mal ein etwas anderes Stück schriebe, in dem das vorkommt.

Kabel: Oh doch, das kommt bei uns vor. Nur das nimmt das Fernsehen nicht, das ist das. Wir haben mit dem Fernsehen einen Vertrag für fünf heitere Volksstücke – das ist gar nicht immer so einfach …

Schneider: Und das Fernsehen verlangt, dass geheiratet wird?

Kabel: Ja! Nein! Das Fernsehen verlangt heitere Volksstücke, und in diesen heiteren Volksstücken ist dies meist das Happy End. Wir haben auch sehr gute ernste Stücke.

Schneider: Ab 13. Februar gibt es den „Urfaust“ auf Plattdeutsch.

Kabel: Der „Urfaust“ ist ja eigentlich auch ein Volksstück. Aber die ernsten Stücke und auch den „Faust“ nimmt das Fernsehen bestimmt nicht. Vielleicht das dritte Programm, aber die haben auch schon geschrien: Können wir nicht mal was Leichteres bekommen? Dann kommen natürlich die Journalisten, die ganz wunderbar über alles Bescheid wissen und sagen: Ist ja alles viel zu flach und banal. Platt ist eben platt. Die wissen nicht, dass Plattdeutsch Niederdeutsch ist. Weil sie zu dumm sind.

Direkt über dem Kabelbruchstück ist übrigens die sonntägliche Stefan-Niggemeier-Kolumne abgedruckt, die sich diese Woche dem zukünftigen Programm von N24 in der Aust-Ära widmet. Ein Glanzstück, deutlich komischer und boshafter als üblich. Ist hoffentlich auch bald online in seinem Blog zu lesen.

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