Neu im Kino: Verschachteltes mit Dicken

KW26

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Die Filmstarts vom 1.7.2010

Spielfilme, die ein talkshowtaugliches Thema regelrecht verhandeln, reizen mich gemeinhin wenig, aber wenn der neue Film vom spanischen „Dunkelblaufastschwarz“-Regisseur und -Autoren Daniel Sánchez Arévalo diverse Episoden erzählt, die sich alle um Essen, Sex und Gewichtsprobleme drehen, schiebe ich die Vorurteile schnell beiseite. Er scheint erneut sehr geschickt höchst unterschiedliche Charaktere durch dramatische wie komische Begebenheiten zu schubsen: Unter anderen ein strenggläubiges Paar, einen fettgewordenen TV-Verkäufer von Diätpillen und einen Therapeuten mit Dickenphobie. Die Kritiken sind durchwachsen, doch rechne ich fest mit cleverem Klamauk auf hohem Niveau. Läuft vom ersten Tag an auch in der Kinoprovinz Hamburg, sogar in OmU.

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Außerdem neu:

  • Ein verhalten komischer Film über die zweite Pubertät einer Frau in den mittleren Jahren, von Rebecca Miller. Scheint so etwas wie die Light-Version einer Woody-Allen-Komödie zu sein. Weder klischeefrei noch sonderlich fesselnd. („Pippa Lee„)
  • Eine Doku über die Doors, für die alles Filmmaterial durchforstet wurde, das irgendwie irgendwo aufzutreiben war. Die US-Kritiker waren nur mäßig begeistert, das könnte allerdings daran liegen, dass „The Doors: When You’re Strange“ arg vollmundig vom Erzähler Johnny Depp beworben wurde: „Watching the hypnotic, hitherto unreleased footage of Jim, John, Ray and Robby, I felt like I experienced it all through their eyes. As a rock n’ roll documentary, or any kind of documentary for that matter, it simply doesn’t get any better than this.“)
  • Der erste Film der iranischstämmigen Videokünstlerin und Fotografin Shirin Neshat, die auf das „Pathos stiller Bilder von schablonenhaften Frauenfiguren an metaphorischen Orten wie Garten, Oase, Hamam und Bordell“ setzt, wie Claudia Wahjud in der Zitty schreibt. „Über dem Bombast ihrer Szenen“ vergesse sie „Dramaturgie und Inhalt.“ Ekkehard Knörer meint im Perlentaucher, dass sie sich „nicht ganz so ungehemmt“ wie in ihren Videos aus dem Kitsch-Repertoire bediene.
  • Ein Hollywoodmelodram nach einer von Bernhard Schlinks „Liebesfluchten“-Geschichten. Die US-Kritik wundert sich ziemlich einhellig über das lächerliche kleine Eifersuchtsdrama, für das immerhin Liam Neeson, Antonio Banderas und Laura Linney gewonnen wurden. „Langweilig und öde“, meint auch Esther Buss im Filmdienst. („Der Andere„)
  • Shrek zum Vierten. Die „Handlung ist so schematisch wie ein Gesetzbuch“, schreibt Andreas Platthaus in der FAZ und der Film sei zwar nicht dumm, aber dreist. Hier ein Blick in die Vorlage von Willam Steig, von deren krakeligem Charme leider überhaupt nichts in die glatten CGI-Filme gerettet wurde. („Für immer Shrek“)
  • Eine zotige französische Klamotte über Heranwachsende mit Samenstau, die sich von den amerikanischen Vorbildern wohl hauptsächlich durch ihre ruppigere Optik unterscheidet. („Jungs bleiben Jungs„)
  • Eine Doku über musizierende Grundschüler im Ruhrgebiet. („Jedem Kind ein Instrument„)
  • Wieder mal eine unterirdische Romcom. Den Bräutigam gibt Forest Whittaker und das einzige überraschende Element des Films scheint ein geiler Ziegenbock nach Viagra-Konsum zu sein. Naja. („Our Family Wedding„)
  • Und wieder mal werden College-Kids aufgeschlitzt, in alter Blut-und-Blödeleien-Manier. („Schön bis in den Tod„)

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Wo was überhaupt läuft, kriegt man wie immer am besten bei Moviepilot heraus. Ines Walk erstellt bei Filmzeit die nützlichsten Pressespiegel im deutschsprachigen Raum und Christoph Jochems versammelt akribisch Unmassen von hilfreichen Links bei Filmz.de.

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Und noch etwas, der Trailer von „Dunkelblaufastschwarz“, dem schönsten spanischen Film der letzten Jahre jenseits von Almodovar:

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Bei Youtube sind auch auch sämtliche Kurzfilme Arévalos zusehen, allerdings, so weit ich mich durchgeklickt habe, durchweg in spanischer Originalfassung ohne irgendwelche Untertitel. Spanisch hätte man lernen müssen.

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