Neu im Kino: Französisches und grandios Bescheuertes

KW32

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Die Filmstarts vom 12.8.2010

Spät dran bin ich diese Woche, aber viel Sehenswertes startet eh nicht. Aber noch läuft ja „Inception„, „Moon„, „Mother„, „Toy Story 3„, „Micmacs“ und „Mr. Nobody„, die mir allesamt gefallen haben. Von „Inception“ war ich allerdings ein wenig enttäuscht, da hatten sich meine Erwartungen wohl allmählich zu hoch aufgetürmt. Ich war überrascht davon, wie linear und chronologisch durch die streng hierarchisch organisierten Traumebenen navigiert wird und wie viel Raum die sentimentale Schuld-am-Tod-der-Frau-und-Kinder-wieder-sehen-wollen-Neben- wenn nicht gar Haupthandlung einnimmt. Und ja, für meinen Geschmack war es tatsächlich zu viel orchestrales Gebrause und zu viel James-Bond-Geballer.

Genau andersherum ging es mir bei „Mr. Nobody“: Da bin ich skeptisch reingegangen und war im Kino umso erfreuter über die überaus verspielten, sehr geschickt verknüpften Liebesepisoden. Mich hat das Erzählen im Konjunktiv überzeugt und über die erwarteten philosophischen Plattheiten habe ich mit Leichtigkeit hinweggehört und -gesehen.

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Diese Woche neu:

  • Eine Liebesgeschichte aus Frankreich: Zufriedener Maurer (Vincent Lindon) verliebt sich in violinspielende Lehrerin (Sandrine Kiberlain). Soll bei aller Unoriginalität mit Sorgfalt und Genauigkeit und natürlich mit seinen Hauptdarstellern überzeugen, die im richtigen Leben tatsächlich mal ein Paar waren. („Mademoiselle Chambon„)
  • Eine Romanze, die unter wahnsinnig hippem Jungvolk im Londoner Eastend spielt, musikalisch unterlegt von den Tindersticks, Daniel Johnston, Kimya Dawson und anderen meist alles andere als jungen Musikern. Auch nix Neues, soll auch ganz nett sein. Die Dialogfetzen des deutschen Trailers finde ich allerdings ziemlich doof. “Wunderbar poetisch oder eher grandios bescheuert? Die Antwort liegt irgendwo dazwischen“, schreibt Michael Kohler in der FR, was ich nicht wüsste, wenn Thomas Kögel, der Abspannsitzenbleiber, das hübsche Zitat nicht in seiner dieswöchigen“Trailerschau“ verwendet hätte. („London Nights„)
  • Mit leider nur drei Kopien startet das vielversprechende Anime „Summer Wars„, in dem intelligent von Verquickungen einer virtuellen mit der realen Welt erzählt wird. Fraglich, ob der Film je in der Kinoprovinz laufen wird.
  • Ein Action-Quatsch-Film der auf einer Action-Quatsch-Fernsehserie beruht. („Das A-Team„)
  • Und ein Sequel von „Cats & Dogs„, mit sprechenden Hunden und Katzen, in einer Mischung aus Real und CGI-Film, diesmal in 3D. Scheint grottenschlecht zu sein. („Cats & Dogs – Die Rache der Kitty Kahlohr„)

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Wo was überhaupt läuft, kriegt man wie immer am besten bei Moviepilot heraus. Ines Walk erstellt bei Filmzeit die nützlichsten Pressespiegel im deutschsprachigen Raum und Christoph Jochems versammelt akribisch Unmassen von hilfreichen Links bei Filmz.de.

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Und noch etwas, ein Ausschnitt aus „Mr. Nobody“, mit verbotener Liebe, einem Joint und den Pixies:

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Kinoprovinz – Vorurteile statt Filmkritik 2 Kommentare »

2 Reaktionen zu “Neu im Kino: Französisches und grandios Bescheuertes”

  1. Thies

    „Summer Wars“ lief zwar im April auf den Fantasy-Filmfest-Nights, aber da das Programm dieses Jahr mit 10 Filmen in 2 Tagen für mich nicht mehr zu bewältigende Ausmaße angenommen hatte, hab ich ihn leider ausgelassen. Rückblickend wäre es klüger gewesen die dumpfen Splatter-Orgien „Die Horde“ und „The Collector“ zu streichen, aber hinterher ist man ja (fast) immer schlauer.

    Apropos: das reguläre Fantasy Film Fest startet diesen Mittwoch mit dem Eröffnungsfilm „La Meute“, wieder Splatter und wieder aus Frankreich. Hmmm… – ich hoffe ja, dass den Veranstaltern kein Griff ins Klo unterlaufen ist, bleibe aber trotzdem nur milde gespannt. Das Programmheft kann man sich auf dieser Seite runterladen:
    http://www.fantasyfilmfest.com/fantasy/pages/festivalstadt_HH.html

    Leider dient das Festival den Verleihern oft nur noch als Werbeveranstaltung für den kurz darauf folgenden DVD-Start der Filme. Echte Entdeckungen sind da nur noch selten möglich. Trotzdem sollte der Genre-Freund hier und da etwas ansprechendes im reichhaltigen Angebot finden können. Zu den Highlights gehören z.B. Takeshi Kitanos Rückkehr zum Yakuza-Film „Outrage“, Neil Marshalls „Centurion“, Michael Caine auf „Gran Torino“-Spuren in „Harry Brown“, der vielversprechend aussehende Animationsfilm „Metropia“ und der mit viel Vorschusslorbeeren bedachte Alien-Invasionsfilm „Monsters“.

    Zu „Mr. Nobody“: hat mich neugierig gemacht. Jaco von Dormeals Erstling „Toto der Held“ ist mir noch in bester Erinnerung und der Clip verspricht die gleiche scheinbar federleichte Vermischung von Musik, Bildern und Drama. Ich muß allerdings auch zugeben, dass ich mit den Pixies (besonders mit „Where is my mind“) eigentlich immer zu ködern bin. ;-)

  2. Thies

    Ach und zu „Cats and dogs“: den ersten Teil hatte ich mir damals tatsächlich im Kino angesehen da a) ich den Trailer wirklich witzig fand und b) die Vorstellung zu „Shrek“ (der erste Teil – lang, lang ist’s her) schon begonnen hatte. Was ich dann zu sehen bekam, war eine teilweise erbärmlich schlecht getrickste Mischung aus Tierdressur und CGI. Dazwischen agierten menschliche Darsteller (besonders bemitleidenswert: Jeff Goldblum) die hoffentlich nach Ansehen des fertigen Films ihren Agenten gefeuert haben. Am Ende der Vorstellung war ich dermaßen sauer, dass ich beinahe der CinemaxX-Angestellten die Tür ins Gesicht geschlagen hatte, so schnell bin ich beim Beginn des Abspanns aus dem Saal gestürmt.

    Die Fortsetzung wurde in einem Podcast von f.lm.de als „Film für unartige Kinder“ bezeichnet – sie scheint also dem Niveau des Originals zu entsprechen.