Minimenschen und Zeitschleifen

KW22

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Die Filmstarts vom 2.6.2011

„Arrietty“ ist ein neuer Zeichentrickfilm aus dem Ghiblistudio, der Heimstatt von „Totoro“ und „Chihiro“ und „Laputa“ und dem „wandelnden Schloss“ und all den anderen Meisterwerken von Hayao Miyazaki. Wem das alles nichts sagt, der sollte besser mit einem der genannten Filme einsteigen und die klaffende Bildungslücke füllen. Und alle anderen brauchen nicht mehr zu wissen, um schleunigst ins Kino zu gehen. Diesmal hat Miyazaki nicht Regie geführt, aber wenigstens das Drehbuch geschrieben. Es basiert auf der Kinderbuchserie „Die Borger“ der britischen Autorin Mary Norton, und wer Kinder hat oder kennt, kann sie diesmal mitnehmen, auch wenn sie gerade erst in die Schule gekommen sind. Ein bisschen Angst habe ich nur vor der Musik von Cécile Corbel

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Den neuen Kottan-Film habe ich bereits gesehen und als Hans Mentz für die Titanic drüber geschrieben:

Kottan geht nicht mehr

Zur Beschädigung des guten Rufs der ORF-Serie »Kottan ermittelt« habe auch ich beigetragen (TITANIC 3/2008), aber die endgültige Demontage nimmt Kottan-Regisseur Peter Patzak nun höchstselbst vor: Sein Ende März anlaufender Kinofilm »Kottan ermittelt – rien ne va plus«, gedreht knappe zweieinhalb Jahrzehnte nach der letzten Fernsehfolge, ist ein peinlicher und in jeder Hinsicht mißglückter Wiederbelebungsversuch, der zwingend auch ein grelles Licht auf die Defizite des Originals wirft. Abgespult werden Scherze unterschiedlicher Güte, die aber allesamt, vom einfältigen Kack- und Furzwitz über teils nette visuelle Spielereien und sympathische Selbstreferentialität, nicht einmal ansatzweise durch Plot oder Charaktere zusammengehalten werden und so hüftlahm und desorientiert daherkommen, daß mir angesichts dieses handwerklichen Totalversagens nur ungläubiges Kopfschütteln blieb. »Ich bin Fiktion, ich lebe ewig«, sagt Kottan, gespielt vom reichlich aufgeschwemmten Lukas Resetarits. Wenn er sich da mal nicht täuscht.

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Duncan Jones hat den unglaublich cleveren und unterhaltsamen und überhaupt in jeder Hinsicht erfreulichen Sci-Fi-Film „Moon“ geschrieben und gedreht und legt jetzt offenbar einen weiteren Film aus dem Genre vor, der bei höherem Budget das Niveau hält. Da scheint einer der raren Wunderknaben aus dem Nichts aufgetaucht zu sein, der es in Hollywood schafft, seine Ideen gegen alle Widerstände zu verteidigen und verboten gutes Genrekino produziert. „Source Code“ erzählt von einem Mann, der mit Hilfe einer speziellen Technik im Körper eines Anderen, immer wieder die selben acht Minuten durchlebt, kurz vor einem verheerenden Anschlag auf einen Zug. Sein Auftrag besteht darin, das Verbrechen aufzuklären, um ein noch schlimmeres zu verhindern. Aber er entwickelt zunehmend Mitgefühl für die todgeweihten Mitreisenden. Die Hauptrolle spielt Jake Gyllenhaal, der genau wie der ganze Film allseits gelobt wird. Ich muss an das täglich grüßende „Murmeltier“ sowie an „12 Monkeys“ denken. Und freu mich.

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Außerdem neu:

  • Ein weiterer der scheußlichen Pseudo-Animationsfilme von Robert Zemeckis (wie „Polarexpress“), diesmal geht’s ins All. („Milo und Mars„)
  • Ein deutscher Film der laut Pressemitteilung „auf bewegende Weise von der Macht der Liebe, der Unmöglichkeit des Vergessens und der Kraft des Verzeihens“ erzählt. Mit Hannelore Elsner, Regie führte Hans Steinbichler. („Das Blaue vom Himmel„).
  • Ein deutsches Spielfilmdebüt über frustrierte Vierzigjährige („Morgen das Leben„).
  • Folge zwei der Gregs-Tagebuch-Verfilmungen. Die Vorlagen, Zwitter aus Comic und Kinderbuch, sind unverschämt erfolgreich und die Filme wohl ganz akzeptabel.
  • Außerdem das erste Sequel der uninspirierten Schmuddelkomödie „Hangover“.

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Und noch etwas, eine Arte-Doku über das Ghiblistudio, in sechs Teilen:

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Während der langen Kinoprovinzpause, in der ich mir selber keinen Überblick mehr verschafft habe, war die Trailerschau von Thomas, dem Abspannsitzenbleiber oft hilfreich. Allerdings hat auch er kleine Päuschen und zuletzt eine größere Pause eingelegt. Jetzt macht er weiter. Ich wünsch ihm einen langen Atem.

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Kinoprovinz – Vorurteile statt Filmkritik Kommentare deaktiviert für Minimenschen und Zeitschleifen

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