Das große Klinkenputzen (1)

FTD

Geschäftstüchtigere Kollegen bombardieren ihre potentiellen Kunden wahrscheinlich unentwegt auf allen medialen Wegen mit ständig neuer und ansprechender Eigenwerbung. Ich dagegen habe mich dämlicherweise schon ewig nirgendwo blicken und nichts von mir hören lassen, eine denkbar ungünstige Voraussetzung um als Freiberufler im Jahr des großen Anzeigenrückgangs den Kopf über Wasser zu behalten. Um im Bild zu bleiben: Wir Freien treiben da schiffbrüchig auf stürmischer See und versuchen uns von den leckgeschlagenen großen Dampfern ringsum tageweise anheuern zu lassen.

Die ersten von uns sind schon abgesoffen oder bieten jetzt „die andere Hochzeitsfotografie“ an, während ich sanft geschlummert und gar nicht gemerkt habe, dass mein Floß stark an Seetüchtigkeit verloren hat.

Jetzt geht für mich erst das große Klinkenputzen los und meine erste Station sind die G+J Wirtschaftsmedien, sprich die alte FTD-Redaktion, die personell erweitert seit kurzem auch sämtliche Wirtschaftsmagazine des Hauses produziert. Den Blättern geht’s allen nicht sonderlich gut, aber die FTD-Mannschaft ist seit 10 Jahren an rote Zahlen gewöhnt, drastische Schnitte sind gerade erst ausgeführt worden und der Standort Hamburg hat eher von den Veränderungen profitiert. Vielleicht ist darum die Stimmung ganz krisenuntypisch gut, die Atmosphäre immer noch deutlich besser und die Umgangsformen lockerer, als bei traditionsreicheren Redaktionen. Keiner sagt bedauernd den Satz „du weißt ja, wie es ist“, mit dem ich überall fest gerechnet habe.

Wer die Redaktion besuchen will, muss die vier Stockwerke zu Fuß hochlaufen: Der Fahrstuhl ist seit acht Wochen kaputt. Aber das muss man ja nicht als Zeichen für irgendwas deuten.

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