Neu im Kino: Radikale Reaktion auf Rationalisierung und ein realitätsarmes Remake

KW40

Die weibliche Belegschaft einer Fabrik, die klammheimlich stillgelegt wurde und deren Geschäftsführung sich aus dem Staub gemacht hat, heuert einen Auftragskiller an, um den entschwundenen Chef umzulegen. Respektlos und unkorrekt, wie gute Komödien sein müssen, scheint der französische Film „Louise-Michel“ zu sein, außerdem wird’s recht blutig und allerlei Geschmacksgrenzen werden lustvoll überschritten. Becknackterweise hat er bei uns einen englischen Titel verpasst bekommen, nämlich: „Louise Hires A Contract Killer“. Vielleicht ist die eine oder andere Derbheit überflüssig, vielleicht zündet nicht jede Pointe, aber alles in allem sieht das sehr vielversprechend aus; wie schön, dass eine solch anarchische Antwort auf die Rationalisierungspest überhaupt realisiert werden konnte. Sowas geht wohl auch nur bei unseren Nachbarn im Westen, bei denen auch im echten Leben in vergleichbaren Situationen andere Maßnahmen ergriffen werden als bei uns. Das Duo Gustave de Kervern und Benoît Delépine hat schon mehrfach zusammengearbeitet, unter anderem geht das schöne, schwarzweiße Rollstuhlroadmovie „Aaltra“ auf ihr Konto. Gemeinsam haben sie wieder das Drehbuch geschrieben und Regie geführt. Ich freu mich drauf, werde mich aber noch gedulden müssen: Der Film läuft in dreißig deutschen Städten an, die Kinoprovinz Hamburg gehört aber nicht dazu; hier startet er im 3001 mit Verspätung erst in 14 Tagen.

„Louise Hires A Contract Killer“: Trailer | Links | Kinos

Remakes sind in der Regel überflüssig bis ärgerlich, Tony Scotts Neuverfilmung von „The Taking Of Pelham 1 2 3“, unzählige Male im Fernsehen gelaufen unter dem deutschen Titel „Die Todesfahrt der U-Bahn 123“, ist da wohl keine Ausnahme. Die Kritik bemängelt recht einhellig, dass die aktuelle Variante mit John Travolta als U-Bahn-Entführer und Denzel Washington als zum Helden mutierendem Jedermann spannungsarm sei und vor allem auch atmosphärisch nicht die Spur mit dem Original mithalten könne. Mit der Wirklichkeit habe das alles nichts zu tun, die bedrohten Passagiere würden recht blass bleiben und sowohl das Innere der Bahn als auch die Kontrollzentrale kämen recht künstlich daher. Andererseits: Müsste ich mich morgen für einen Film im Multiplex entscheiden und hätte Tarantinos Bastarde schon gesehen, dann wäre das hier mein Favorit, verspräche ich mir davon doch immerhin ganz solide Thrillerkost. Und zwei ebenso solide agierende Hauptdarsteller.

„Die Entführung der U-Bahn 123“: Trailer | Links | Kinos

Außerdem neu: Ein Biopic über Hildegard von Bingen von Margarete von Trotta und noch mehr so Zeugs, sechs weitere Filme sind es insgesamt. Eine brauchbare Übersicht über sämtliche Starts findet sich wie immer bei filmz oder Filmzeit.

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