Neu im Kino: Pixelige Nabelschau und eine Familienfehde in Cinemascope

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Ein großes, berührendes Drama über eine blutige Familienfehde in den Südstaaten, mit überzeugenden Charakteren, gut gespielt und fantastisch gefilmt, das ist das Bild, das die Kritiker überwiegend von Jeff Nichols‘ Debüt „Shotgun Stories“ zeichnen, hüben wie drüben. Selbst der Score soll hervorragend sein, er stammt vom Bruder des Regisseurs, von der Band Lucero. Es geht um drei Brüder, deren Vater ihnen nicht einmal richtige Namen gegeben hat, so dass sie als Son, Kid und Boy ihr Leben fristen. Und um die unausweichliche Abrechnung mit den Kindern, die der Alte später, fromm und verantwortungsvoll geworden, auch noch in die Welt gesetzt hat. Reizvoll scheint vor allem der Gegensatz zwischen dem archaischen Konflikt und einer wohltuend zurückhaltenden Erzählweise zu sein. Ein Muss, würde ich sagen. Warum zum Teufel bekommt „Shotgun Stories“ nicht ein wenig mehr Aufmerksamkeit, vor allem in dieser Woche, die ansonsten nun wahrlich arm an vielversprechenden Neustarts ist? Weil der Film so gut wie nirgendwo läuft. Er startet mit zwei Kopien in zwei Berliner Kinos. Ob er in der Kinoprovinz je ankommt, ist ungewiss. Na toll.

„Shotgun Stories“: Trailer | Links | Kinos

Der dreißigjährige Österreicher Marko Doringer zieht Bilanz und kommt zu dem Schluss, er habe sein Leben vertan. Bisher jedenfalls. Die therapeuthische Maßnahme besteht darin, einen Dokumentarfilm über die eigene, gescheiterte Existenz zu drehen. Er befragt Freunde und Bekannte, bei denen vermeintlich alles besser läuft und so entsteht so etwas, wie ein extrem unprätentiöses und oftmals komisches Generationenportrait. Dafür gab’s diverse Filmpreise und flugs gehört der Doringer zu den Erfolgreichen. Hört sich alles sehr gut an, nur ist wieder die Frage, ob man sich die pixeligen Mini-DV-Bilder im Kino angucken muss. Die DVD erscheint im April.

„Mein halbes Leben“: Trailer | Links | Kinos

Außerdem neu: Ein wohl recht lahmes deutsch-chinesisch-australisches  Drama aus dem zweiten Weltkrieg über den guten Menschen von Nanking; die vermutlich passable Neuverfilmung eines Kinderbuchs von Paul Maar; eine schwule Gastro-Komödie aus Spanien; eine deutsche Komödie in der Tradition von Doris Dörries „Männer“ und allem Grauslichen, was danach kam, bei der unser Furchtbarster und einer unserer Besten mitspielen (Til Schweiger und Christian Ulmen); ein deutsches Drama mit Veronica Ferres als tapfere jüdische Mutter auf der Flucht; eine wohl recht doofe und klischeehafte lettisch-österreichisch-britische Komödie, die trotz 1a-Besetzung gescheitert ist (Dominique Pinon!, Birgit Minichmayr!, Detlev Buck!); eine schmalzige Lesben-Romanze aus Spanien und ein Hollywoodkinderfilm, in dem scheußlich designte CGI-Aliens auf Ami-Gören in den Sommerferien treffen.

Eine brauchbare Übersicht findet sich wie immer bei filmz oder Filmzeit; wo was überhaupt läuft, kriegt man am besten und schnellsten bei kino.de raus.

Ich wollte die Nennung von Veronica Ferres zum Anlass nehmen, um ein lustiges Foto zu zeigen, dass ich mal von der Seite aufgenommen habe, als sie vor einem Pulk von Fotografen posierte. Da sie die Knipser um einiges überragte, hat sie sich versucht kleiner zu machen, um eine unvorteilhafte Untersicht zu vermeiden. Von meinen Standpunkt aus gesehen, hatte das einen ganz eigenen Reiz. Eine Viertelstunde lang habe ich das Bild gesucht, jetzt geb‘ ich’s auf. Ein andermal.

Und noch was: Ab sofort läuft auch bei uns in Hamburch „Louise Hires A Contract Killer“ und zwar hier.

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