Ich bin ein Rassist

Containerhof-6761

Während ich auf dem Gelände einer Firma, die Container verleiht, verkauft und repariert, im Morgenregen meine Stative aufstelle, taucht plötzlich zwischen den hoch aufgestapelten Behältern ein Afrikaner mit zwei Plastiktüten auf und ist gleich wieder außer Sichtweite. Dann kurvt ein zerbeulter Lieferwagen über den Platz und rangiert in die hinterste Ecke. Mehrere Afrikaner steigen aus, öffnen die Hecktüren des Wagen und einen Container und beginnen irgendetwas ein- oder auszuladen.

Mein menschliches Fotoobjekt trifft ein, der Regen lässt zum Glück nach und während wir an verschiedenen Stellen auf dem Gelände fotografieren nimmt die rege Betriebsamkeit um uns herum weiter zu. Immer wieder kommen Autos mit durchweg dunkelhäutigen Insassen vorbeigefahren, Containertüren werden quietschend geöffnet und es wird emsig hin- und hergepackt.

Als ich fertig bin und mein eigener Kram wieder im Auto verstaut ist, guck ich mir’s genauer an. Sehr neugierig, denn das sieht alles so dubios aus, das kann ja nur kriminell sein. Da werden Dinge in vorübergehend dort abgestellten Containern im Gewerbegebiet gelagert oder direkt aus dem Container verkauft; ich denke an Hehler- oder Schmuggelware.

Aber als ich dann einen Blick in einige der geöffneten Container werfe, sieht das mehr aus wie auf der Ladefläche von LKWs bei Wohnungsentrümpelungen: Stühle, Kühlschränke, Lampen, Kartons, von allem ein bisschen, eng aufeinandergeschichtet. Hier wird nicht gehandelt, hier werden Besitzstände Stück für Stück angefahren und eingelagert. Warum? Die Erklärung, die mir zwei der verdächtigen Personen geben, ist ganz simpel: Die Firma, auf deren Gelände wir uns befinden, verleiht die Riesenkisten eben nicht nur in großem Maßstab an gewerbliche Kunden, sondern auch an Privatleute, die ihr Hab und Gut demnächst in die Heimat verschiffen, in diesem Fall nach Ghana. Manche Familien teilen sich einen Container, wer noch Platz hat nimmt Dinge für die Familien von Freunden mit und für das Beladen wird natürlich keine Umzugsfirma beauftragt, darum herrscht ein ständiges Kommen und Gehen. Hätte ich auch Verdacht geschöpft, wenn die alle mitteleuropäisch aussähen?

Beschämt mach ich mich davon.

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