Strichkatze digital

Bludzee

Seit August gibt es bereits eine neue, täglich erscheinende Comicserie vom wunderbaren hyperproduktiven Lewis Trondheim. Jetzt habe auch ich das mitbekommen. „Bludzee“ wurde nicht für das Netz (und für das iPhone) adaptiert, sondern dafür konzipiert. Die gelungenste Online-Präsentation von Comics, die ich bislang zu sehen bekommen habe.

Ein Jahr lang wird im bewährt reduzierten Stil von einer Katze erzählt, die allein in einer Hochhauswohnung haust und über Facebook zur Außenwelt Kontakt hat. Es geht erst um kleine Alltagsabenteuer, um Fliegen (eklig) und um Hundebesuch (gefährlich), dann entspinnt sich aber langsam eine veritable Kriminalhandlung. Könnte auch sein, dass in zukünftigen Folgen Aliens ins Spiel kommen, bei Trondheim ist alles möglich. Man kann zwischen neunzehn Sprachen wählen, nur sind die übersetzten Textstückchen leider in der deutschen Fassung nicht handgelettert. Auf französisch, englisch und spanisch sieht es viel besser aus.

Nebenbei wird hier locker demonstriert, wie das mit den bezahlten Inhalten im Netz funktionieren kann: „Bludzee“ lässt sich monateweise abonnieren, für 0,79 EUR.  Das Abo für ein ganzes Jahr kostet weniger als ein Taschenbuch, bezahlt wird komfortabel über CyberMUT oder PayPal. Der erste Monat, August, ist gratis. Bei solchen Apps wird auch bei mir langsam der Wunsch nach einem iPhone wach. Obwohl doch erst kürzlich in der FAS zu lesen war, dass es nur zum Briefe beschweren tauge, denn alle anderen Verwendungszwecke könne man vergessen, weil dauernd der Akku leer sei …

Wer Trondheims sonstige Arbeiten nicht kennt, etwa die herrlichen „Herr-Hase“-Bände, sollte diese Bildungslücke schleunigst schließen. Noch sind ein paar Bände bei Carlsen lieferbar. Zum Glück ist Dirk Rehm mit seinem kleinen Reprodukt Verlag in die Bresche gesprungen und veröffentlicht tapfer weiterhin deutsche Trondheim-Ausgaben. Möge ihm nie die Puste ausgehen.

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