Alles Rassisten, ausnahmslos

Dass ich einer bin, habe ich ja neulich schon festgestellt. Aber Ihr seid auch nicht besser.

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Zufällig wiederentdeckt im Dummy zum Thema Schwarze aus dem letzten Jahr. Inspiriert von braunermob.de. Es ist übrigens tatsächlich Roberto Blanco, der auf dem Titel die Whoopie Goldberg macht. Edith Held hat ihn in der Fotostrecke im Heft unter anderem auch noch als Muhammed Ali, Bob Marley und Barack Obama abgelichtet. Ich wünschte, es gäbe eine ganze Fernsehserie, „Bio Blanco“, in der der einzig wahre deutsche Neger in Pappkulissen Szenen aus dem Leben berühmter Schwarzer spielt, von Malcolm X bis Fela Kuti. Das wären mal Biopics, für die ich mich begeistern könnte. Jonathan Fischer, Spezialist für und kongenialer Kompilator von schwarzer Musik, war übrigens kein bisschen amüsiert, sondern fand die Strecke wie das Heft überhaupt damals ganz schlimm.

Falls jemand Dummy nicht kennt: Es ist das unzweifelhaft abwechslungsreichste und vielleicht auch das intelligenteste und unterhaltsamste Magazin, das man hierzulande am Kiosk finden kann. Keine Ausgabe ist wie die andere, weder optisch noch inhaltlich, ein irrwitziges Konzept, das die Herausgeber schon seit sechs Jahren durchhalten. Die aktuelle Ausgabe widmet sich dem leider hochaktuellen Thema Atom (-kraft, -bombe, -busen), das kommende Heft heißt „Mama“. Erscheinungstermin ist der 7. Dezember.

Und wo wir schon beim Thema Rassismus sind, hier ein passender Auszug aus dem komischen, realistischen und erstaunlich einfühlsamen Kinderbuch „Wir alle für immer zusammen“ von Guus Kuijer:

Am nächsten Tag schrieb ich Mimun einen Zettel:

Deine Scheißkultur kannst du dir sonst wohin stecken!
Dann geh doch mit so ’nem Mädchen, das immer mit einem
Staubtuch auf dem Kopf rumläuft. Ist ja auch praktisch!
Polleke

Das war dumm von mir, denn der Lehrer fand den Zettel. Er war ganz geschockt. Das Berufsprojekt wurde abgeblasen. Wir mussten alles wegräumen. Wir mussten die Arme übereinander legen und gut zuhören. Dann sagte der Lehrer, wir würden ein Antirassismusprojekt machen. Jetzt weiß ich, dass man sich höchstens als faule Kartoffel beschimpfen darf. Alles andere ist Rassismus. Aber ich hab es aus Versehen getan. Weil ich so verrückt bin nach diesem bescheuerten Marokkaner.

Jeder will nach Holland kommen
ich will weg von hier
denn in andern Ländern
bin ich Ausländerin
und wenn es da Rassismus gibt
dann liegt es nicht an mir.

Als ich Mama davon erzählte, wurde sie auch noch wütend! Nicht auf mich, sondern auf den Lehrer. Ich dachte, sie platzt gleich. »Was?«, brüllte sie. »Hat dieser Kakerlak dich etwa als Rassistin beschimpft?« Darüber musste ich nachdenken. Hatte dieser Kakerlak, ich meine, hatte der Lehrer mich als Rassistin beschimpft? »Nein«, sagte ich. »Im tiefsten Innern sind wir alle ein bisschen rassistisch, das hat er, glaub ich, gesagt.« »Gebrauch mal deinen Verstand, Polleke«, brüllte meine Mutter. »Das kam doch nach deinem Zettel, oder? Deine Scheißkultur kannst du dir sonst wohin stecken!, das war doch der Auslöser, oder?« Ja, so war es. »Und das hast du geschrieben, weil Mimun mit dir Schluss gemacht hat?« Ich merkte, wie meine Augen feucht wurden. Ich schüttelte den Kopf, um die Tränen rauszuschütteln. Wie ich dieses Heulgefühl hasse!
Das Gesicht meiner Mutter hellte sich auf. Sie ließ sich in einen Sessel fallen und ihre Schultern fingen an zu zucken. Dann zuckte auch der Rest. Meine Mutter ist eins dreiundachtzig groß und dick, da gibt es also einiges zum Zucken. Erst dachte ich, sie weint, weil ich traurig bin, aber das war es nicht. Sie zuckte vor Lachen! »Weil er mit dir Schluss gemacht hat!«, quiekte sie. »Rassismus!«

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