Der Trommelgott kommt. Bloß nicht verpassen!

„Was ich da am Schlagzeug mache, plus Gesang, das klingt doch schon, als spielten da fünf Personen“, hat er mir im Frühjahr erzählt, als ich ihn für Interview und Foto (PDF) getroffen habe. Unbescheiden ist der legendäre Drummer nicht gerade, aber das kann er sich erlauben. Ohne ihn hätte Fela Kuti vielleicht ewig weiter gejazzt, aber nie solche irrsinnigen Rhythmusteppiche geknüpft, die neben den messerscharfen Bläsersätzen und den Call-und-Response-Gesängen Afrobeat ausmachen. Ein zeitloser Stil, der in den Siebzigern in Nigeria entstanden ist und seitdem immer neue Anhänger findet, überall in der Welt.

Zur Zeit erscheint ein fantastisches Afrobeatalbum nach dem anderen. Neben Tony Allen, der mit „Secret Agent“ im reifen Rentenalter von 69 Jahren eine seiner schönsten Produktionen überhaupt vorgelegt hat, haben auch die Kuti-Söhne Femi und Seun zwei herausragende Alben abgeliefert und von den zahlreichen Epigonen, die sich vor allem in Frankreich und in den USA tummeln, sind auch mehrere souverän eingespielte Aufnahmen erschienen.

Das ist vor allem erstaunlich, weil es bereits nach Fela Kutis Tod Ende der Neunziger und Anfang dieses Jahrzehnts einen richtigen Hype um die rappelige Funkspielweise gab. Tony Allen und Femi Kuti standen auf einmal alle Türen offen, ihre Musik wurde in den Clubs gespielt und von allem was Rang und Namen hat geremixed. Nachdem die Welle abgeflaut war hätte man eigentlich damit rechnen müssen, dass lange Ebbe herrscht, aber nein, Afrobeat ist nicht totzukriegen, frei von Elektrospielereien und fern von jeder kurzlebigen Mode kommen jetzt Alben heraus, die nicht einmal den Vergleich mit den legendären Platten von Fela scheuen müssen.

Wem das alles nichts sagt, der hat viel verpasst, vielleicht die kraftvollste Popmusik, die es je gab. Aber jetzt ist ein guter Zeitpunkt, daran etwas zu ändern: Der Youtube-Schnipsel oben wurde bei der aktuellen Tour aufgezeichnet, die Tony Allen zur Zeit auch durch Deutschland führt: Am Dienstag, dem 1.12., spielt er in Hamburg, zwei Tage später in Frankfurt und am Sonntag, dem 6.12. findet das letzte Konzert in Köln statt. So toll sich die Alben auch anhören, live ist das alles noch viel besser.

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Von dem hyperproduktiven Allen erscheint übrigens jetzt ganz aktuell ein weiteres Album, eine Zusammenarbeit mit dem finnischen Frickler Jimi Tenor. (Hier ein MP3-Track daraus, zum

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. Legal!) Auch toll, dazu demnächst mehr.

Und ab und an lässt er sich anheuern, um fremde Produktionen mit seinen komplexen Rhythmen zu veredeln. Er ist zum Beispiel auf dem ersten Album von Charlotte Gainsbourg zu hören. Und bei „Once Upon a Time“ von Air war er auch dabei. Allen dazu im Interview: „Ich hab die überhaupt nie getroffen. Die schicken mir die fertige Aufnahme ohne Schlagzeug ins Studio, ich hör’s mir da an, und dann los. Ein Take. Fertig.“

Aber im Video ist er doch zu sehen? „Jaja, die Musik war schon lange fertig, da haben die mich angerufen, in letzter Minute, haben gefragt, ob ich Zeit für den Clip hätte. Ein Tag, dann hat man den Scheiß zusammen, war nicht weit von mir zuhause weg, da habe ich halt mitgemacht. Wissen Sie, ich mag es, mit Musikern zusammenzuarbeiten, die auf der gleichen Wellenlänge sind. Aber diese Musik, von der wir hier reden, das ist nicht mein Stil.“

Aber alle lieben sie seinen.

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