Neu im Kino: Kulissen und Kasachstan

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Und da ist schon wieder ein neuer Woody-Allen-Film. Mit Larry David („Curb Your Enthusiasm„) als Woody Allen und Evan Rachel Wood als Scarlett Johanssen. Er ist der grantige alte Intellektuelle und sie das junge Ding. Woody-Allen-Filme sind ein wenig wie Essen in der Systemgastronomie: Ein Mindeststandard ist garantiert, aber Überraschungen (wie „Match Point„) kann man nur sehr selten erleben. Die Kritik scheint sich so auf „ganz in Ordnung“ geeinigt zu haben, sowohl bei uns als auch in der englischsprachigen Welt. Die imdb-Nutzer haben immerhin die Note 7,4 vergeben. Der Trailer sieht arg nach Theaterkulissen aus, vielleicht taucht auch deshalb in so vielen Kritiken das Wort „Boulevardtheater“ auf.

„Whatever Works“: Trailer (original) | Trailer (deutsch) | Links | Kinos

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Das Geld für „Tulpan“ kommt vom ZDF, aus Russland, der Schweiz und Polen, der Regisseur stammt aus Kasachstan und hat auch da gedreht. Ist dem Jurtengenre zuzuordnen, gehört also in die Reihe von Filmen, die bislang überwiegend in der Mongolei spielen. Üblicherweise werden halbdokumentarisch  kleine Geschichten aus dünnbesiedelten Landschaften erzählt, in denen gerne archaische Riten auf zweifelhafte moderne Errungenschaften stoßen und ab und an ein Kamel durchs Bild läuft. In „Tulpan“  will er sie heiraten und sie verschmäht ihn, nicht zuletzt, weil er von Schafen keine Ahnung hat. Muss er also was dran ändern. Sieht alles sehr sympatisch aus, unaufgeregt und scheint manchmal auch recht komisch zu sein.

„Tulpan“: Trailer | Links | Kinos (in der Kinoprovinz Hamburg erst ab nächster Woche)

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Außerdem neu:

  • Wieder so ein Tierfilm, der spektakuläre Aufnahmen offenbar  schwer erträglich aufbereitet. Diesmal gibt es zwar keine verlogenen Vermenschlichungen wie bei der „Reise der Pinguine„, dafür wird aber „der Schauwert der Flamingos (um die geht es nämlich) von einer mythisch raunenden Offstimme, Regenbogenkitsch und pop-orchestralem Soundtrack zur Naturreligion überhöht“, wie Christiane Peitz im Tagesspiegel berichtet. Ich sehne mich fast nach Bernhard Grzimek zurück. („Das Geheimnis der Flamingos„)
  • Eine Doku über Napola-Zöglinge, zu Wort kommen prominente Exemplare wie der ehemalige Quartettspieler Helmut Karasek und Herrmann Gremlizas ehemalige Lieblingszielscheibe. („Herrenkinder„)
  • Eine Doku über deutsche Mörder im Arztkittel. („Wenn Ärzte töten„)
  • Ein ödes Lesbendrama aus Frankreich. („Emma & Marie„)
  • Eine türkische Komödie, in der Kriminelle nach Somalia geschickt werden, um einen Geschäftsmann aus den Händen von Piraten zu befreien. („Operation Somalia„)
  • Eine einfallslose US-Komödie über Jobsuche nach dem Studium. „Hat so viel Ecken und Kanten und regt so zum Nachdenken an wie ein Wahlkampfauftritt von Sarah Palin, allerdings mit deutlich weniger Lachern“; schreibt Peter Sobczynski bei efilmcritic.com. („(Traum)job gesucht„)
  • Noch so ein computeranimierter Trickfilm aus europäischer Produktion, diesmal aus Spanien. Hat eigentlich eine ganz nette Grundidee: Astronaut trifft auf Leben im All, das dem unseren in vielem sehr ähnlich ist. Da ist der Mensch dann mal das Alien. Ist wohl aber leider nix bei rausgekommen, auch wenn die Animation nicht ganz so grottig aussieht wie hierzukontinente üblich. („Planet 51„)
  • Teil sechs der „Saw“-Serie, in dem das Publikum sicher kriegt, was es verlangt: Folterszenen und Gemetzel. Geil. („Saw VI„)
  • Die Fortsetzung der extrem erfolgreichen Romcom „Keinohrhasen“ von und mit der laufenden Leberwurst. „Es klingt jetzt zwar vollkommen idiotisch, aber was man mir schenken kann, ist Liebe oder Anerkennung“, hat sie der Gala erzählt. Kriegt sie von uns aber nicht, da nützt es auch nichts, den Bastard zu spielen. Läuft in jedem Kaff, der Film startet mit 800 Kopien. („Zweiohrküken„)

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Eine brauchbare Übersicht findet sich wie immer bei filmz oder Filmzeit; wo was überhaupt läuft, kriegt man am besten und schnellsten bei kino.de raus.

Kinoprovinz – Vorurteile statt Filmkritik Kommentare deaktiviert für Neu im Kino: Kulissen und Kasachstan

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