Hamburg-Nachrichten neu und anders, JETZT!

Abendblatt

Wir haben in Hamburg, der zweitgrößten Stadt im Land, Sitz von Gruner + Jahr, Spiegel, Zeit, Jahreszeiten Verlag, Bauer, Springer und zahlreichen kleineren Verlagen, keine vernünftige Lokalzeitung. Wer Nachrichten aus Hamburg lesen will, ist auf Verderb auf das Hamburger Abendblatt angewiesen, einem Blatt, das nicht einmal den Versuch unternimmt, mit den ernst zu nehmenden überregionalen Zeitungen mitzuhalten. Eigentlich unfassbar. Die einzigen Alternativen: Die Welt, auch aus dem Hause Springer, hat traditionell einen kleinen Lokalteil, ansonsten gibt es nur noch die Hamburg-Ausgabe der Bildzeitung und die „dümmste Zeitung der westlichen Welt“, wie Hermann Gremliza einst die Mopo, die Hamburger Morgenpost genannt hat, ein miserables Boulevardblatt, dem tapfer die St.-Pauli-Fans aus der Not heraus die Treue halten.

So ist das schon seit Jahrzehnten. Zwischendurch ist Gruner + Jahr mit dem Versuch gescheitert, aus der Mopo eine lesbare Zeitung zu machen. Und die „Hamburger Rundschau“ sollte eine linke Lokalzeitung werden, die allerdings ohne solide Finanzierung nie über eine wöchentliche Erscheinungsweise und sehr bescheidene Leserzahlen hinausgekommen ist.

Im Netz sieht es nicht anders aus, da haben die Springerblätter und die Mopo mit ihren Webpräsenzen alle Plätze belegt, eine alternative Online-Regionalberichterstattung existiert nicht. Bislang. Doch genau jetzt wäre der Zeitpunkt günstig, um etwas daran zu ändern. Denn das allmächtige Abendblatt hat sich im Netz gerade vom Großteil seiner Leser verabschiedet, wie Kress gemeldet hat (sehr sehr schöner Text dazu von Stefan Niggemeier). Lesen darf nur noch, wer ein Online-Abo abgeschlossen hat. Gleichzeitig sind bei Welt.de sämtliche regionalen Hamburg-Inhalte einfach verschwunden. Hat natürlich damit zu tun, dass die Zukunftsaussichten der gedruckten Ausgaben trotz Monopolstellung auch alles andere als rosig sind.

Nun ist er da auf einmal da, der Freiraum.

Irgendjemand in dieser Stadt muss doch über ein wenig Kapital verfügen. Zackzack ließe sich eine dezentrale Redaktion aufbauen, problemlos könnte man geeignete Journalisten finden, die die Chance erkennen und bereit sind, Zeit und Kraft zu investieren, auch wenn es vorerst nicht viel zu verdienen gibt. Und dann wird eine Website für Lokalnachrichten entwickelt, die sich fundamental unterscheidet von den konventionellen Angeboten. Frech, frisch, subjektiv. Lokal könnte es wirklich klappen mit der Communitybildung, mit der Interaktivität. Alle, die schon so lange frustriert sind von der lausigen Regionalberichterstattung, gleich ob es sich um Kultur, Politik oder Sport handelt, könnte man ins Boot holen. Die Stadt ist groß, es gibt Unmassen von potentiellen geeigneten Mitarbeitern und seit Jahrzehnten ausgehungerte Leser. Und die Konkurrenz begeht gerade Selbstmord. Bessere Voraussetzungen findet man nirgendwo. Hört mich jemand? Bitte!

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