Licht am Ende des Dings

Hierzulande nehmen die Diskussionen über journalistische Bezahlinhalte als i-Phone-Apps groteske Ausmaße an, es wird einem Angst und Bange, wenn die großen Verlagshäuser alle ihre Hoffnungen in die paar Euro setzen, die über solche Abos für das mobile Miniaturgerät zu erwirtschaften sind, zumal die sonstigen Versuche mit digitalen Ausgaben Geld zu verdienen völlig perspektivlos sind, etwa das WAMS eMag oder die  kürzlich schmollend heruntergelassenen Bezahlschranken vor lokalen Onlineangeboten, hinter denen sich unverändert bescheuerte Klickstrecken verbergen. Damit ist weder bei Lesern noch bei Werbekunden ein Blumentopf zu gewinnen. Gleichzeitig geht es auf dem Printmarkt immer weiter bergab und nichts deutet auf eine Erholung hin. Ich habe mich als Leser und als freiberuflicher Fotograf und Schreiber allmählich auf dauerhaft finstere Zeiten eingestellt, auf Zeiten, in denen für Journalismus, der die Bezeichnung verdient und für exklusiv hergestellte Fotos nirgendwo mehr Geld übrig ist. Und dann kommt so eine Präsentation wie die hier daher und alles schaut gleich ganz anders aus:

Da ist sie, die Perspektive. So könnten eMags funktionieren. Keine blöde virtuelle Blätterei, kein kleinteiliges Gewusel und endloses Geklicke, kein Verzicht auf großformatige Bilder, das hat weder mit den trostlosen Beschränkungen von PDFs noch mit aktuellen Onlineangeboten etwas zu tun, das sieht nach dem ersten gelungenen Versuch aus, Printjournalismus in die neuen Medien zu übertragen. Gut und lesefreundlich wirkt es auch, so gut, dass ein bereitwilliger Wechsel der Leser vorstellbar ist, die hier endlich mal nicht weniger, sondern mehr als in gedruckter Form bekämen. Und den Anzeigenkunden böten sich Möglichkeiten, die weit von billigen Bannern und peinlichen Pop-ups entfernt wären. Hoffentlich wird die Chance genutzt. Wieso redet hier keiner darüber?

Entwickelt wurde das Mag+ vom schwedischen Verlagshaus Bonnier. In den USA sind für Wired und Sports Illustrated ähnliche Formate entwickelt und Ende des Jahres vorgestellt worden, die aber nicht annähernd so überzeugend daherkommen.

Passend zum Jahrestart gebe ich mich jetzt zur Abwechslung mal hemmungslosem Optimismus hin. Mindestens eine Woche lang.

Schöne Bilder, Schöne Worte 2 Kommentare »

2 Reaktionen zu “Licht am Ende des Dings”

  1. Maren

    Hier immerhin gerade aktuell eine Nachricht in der W&V zum neuen Tablet von Apple: http://www.wuv.de/nachrichten/digital/apples_tablet_computer_kommt_im_maerz

  2. Gunnar

    Aber wieso hört man von den Verlagen nichts? Wieso klammern die sich an die iPhone Apps und tun im Streit um die Tagesschau-App sogar so, als hinge ihre Zukunft davon ab? Wenn man „Apple tablet“ und „deutsche zeitschriftenverleger“ googelt, bekommt man kein Ergebnis. Und Titelzeilen wie „Tablet Rechner: Die Zukunft der Zeitschrift?“ habe ich noch nirgends gelesen. Während in den USA ganz konkrete Hoffnungen formuliert werden.